Diebstahl
Dieb hat nichts gelernt: Er kommt immer wieder zurück

Vor dem Bezirksgericht Baden musste sich ein 24-jähriger Marokkaner verantworten. Er beging Diebstahl, wurde nach Italien ausgeschafft. Dann kam er zurück und begann wieder von vorne.

Adrian Hunziker
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Auch hier im Bezirksgefängnis Baden sass der Dieb schon ein (Symbolbild).

Auch hier im Bezirksgefängnis Baden sass der Dieb schon ein (Symbolbild).

Raphael Hünerfauth

Selbst der Verteidiger war überrascht: Sein Klient legte vor dem Bezirksgericht Baden ein Teilgeständnis ab. Eigentlich hatte sein Verteidiger auf Freispruch plädieren wollen, doch das war somit nicht mehr möglich. Also bat der Rechtsanwalt Gerichtspräsident Lukas Cotti um eine kurze Unterbrechung, um sich mit seinem Mandanten zu besprechen, bevor er sein Plädoyer beenden konnte.

Vor dem Bezirksgericht stand ein 24-jähriger Marokkaner. Er wurde unter anderem des mehrfachen Diebstahls und der Sachbeschädigung beschuldigt. Der Angeklagte hatte 2010 in der Schweiz Diebstähle begangen und wurde im September nach Italien ausgeschafft. Das kümmerte diesen aber wenig, er kehrte bereits am gleichen Tag zurück in die Schweiz, obwohl ihm ein Einreiseverbot auferlegt worden war. Er habe das nicht gewusst, da er keine Dokumente erhalten habe, rechtfertigte er sich.

Kaum wieder in der Schweiz stellte er ein Asylgesuch. «Den negativen Bescheid habe ich ebenfalls nicht bekommen», sagte der Marokkaner vor Gericht. Doch den Erhalt eines erneuten Einreiseverbots signierte er dieses Mal. Wer nun dachte, das würde ihn aufhalten, der sah sich getäuscht. Nachdem er im Februar 2011 erneut nach Italien ausgeschafft wurde, hielt er es diesmal bis Juli aus. Dann war er zurück und stellte erneut ein Asylgesuch.

Alufolie im Rucksack

Die illegalen Einreisen waren nicht das Schlimmste, was der junge Mann anstellte. Es wurde bald klar, dass er ziemlich uneinsichtig war und immer wieder zu stehlen begann. «Ich habe gestohlen, um mir Essen besorgen zu können», verteidigte sich der Beschuldigte. So entwendete er in Olten vier Musik-CDs, die er in einem Rucksack raustransportierte, der mit Alufolie ausgekleidet war. So umging er das Alarmsystem.

Später kam aber raus, dass er mit seiner Beute nicht nur Essen kaufen wollte, sondern er gab es auch für Alkohol aus und betrank sich. Das führte dazu, dass er an einem Abend in Wettingen fünf Autos aufbrach und eine Kamera entwendete. Als weiteres Delikt machte er eine Strolchenfahrt mit einem Fiat, die er als Spaziergang betitelte. Und das, obwohl er keinen Führerausweis besitzt.

Nur ein Kleinkrimineller

Der Verteidiger betitelte seinen Klienten als Kleinkriminellen und meinte, er habe unabsichtlich gegen das Einreiseverbot verstossen und habe aus Wut die verschiedenen Autos aufgebrochen. Diebstahl habe nicht im Vordergrund gestanden. Da der Rechtsanwalt nicht mehr auf unschuldig plädieren konnte, forderte er eine Freiheitsstrafe von 8 Monaten für seinen Mandanten.

Gerichtspräsident Cotti sah die Schuld des Marokkaners als erwiesen. Er verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten und blieb dabei unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die 1 Jahr beantragt hatte.

Da der 24-Jährige seit Juli 2011 in Untersuchungshaft sitzt, hat er 251 Tage seiner Freiheitsstrafe bereits abgesessen. Das bedeutet, dass er in knapp 2 Monaten wieder auf freien Fuss kommen wird. Er behauptet, dass er nach einer erneuten Ausschaffung nicht mehr in die Schweiz zurückkehren, sondern sich Arbeit in Italien suchen würde.