Baden
Diese Badener Fotografin fliegt First Class nach L.A. – und sitzt dabei neben Sängerin Diana Ross

Christine Zenz hat dank ihres Berufs viel von der Welt gesehen – weshalb sie immer wieder gerne zurückkommt.

Ursula Burgherr
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Montagsporträt Fotografin Christine Zenz
5 Bilder
Besuch im Kopenhagener Stadtteil Nyhavn.
Als Fotografin bereist sie für Luxusmagazine die ganze Welt und bringt gleichzeitig Familie und Karriere unter einen Hut.
Wenn Christine Zenz in ihrem Fotostudio Porträts von Kunden macht, trägt sie meistens Schwarz.
Christine Zenz versucht vergebens, ein Rezept für ihr beneidenswertes Leben zu liefern, das sie mittlerweile beruflich in die schönsten Hotels und Restaurants der Welt führt.

Montagsporträt Fotografin Christine Zenz

Claudio Thoma

Wenn Christine Zenz in ihrem Fotostudio Porträts von Kunden macht, trägt sie meistens Schwarz. «Ich verschwinde gerne im Hintergrund, damit der Fokus einzig und alleine auf der Person vor mir liegt», sagt sie. Dabei wäre die schlanke 49-Jährige mit den streichholzkurzen aufblondierten Haaren und den grünbraunen Katzenaugen durchaus eine auffällige Erscheinung. Doch das Gefühl, sich nach vorne drängeln zu müssen, ist ihr fremd: «Ich lasse alles auf mich zukommen.» Damit ist sie bisher so gut gefahren, dass sie das Glück gepachtet zu haben scheint.

Das Interview findet am langen Nussbaumholz-Küchentisch des schönen mehrstöckigen Hauses mitten im Bäderquartier statt, das sie mit Ehemann Nic Niedermann vor zwanzig Jahren gekauft hat. Einen Stock höher, auf der lauschigen Dachterrasse schweift der Blick über die Altstadtdächer. Das junge Paar lebte zuerst in einer kleinen Wohnung, bevor es sich einen Traum erfüllte, die ehemalige Schreinerei an der Bäderstrasse erwarb und sie nach und nach zu ihrer ganz privaten Oase umbaute.

Christine Zenz versucht vergebens, ein Rezept für ihr beneidenswertes Leben zu liefern, das sie mittlerweile beruflich in die schönsten Hotels und Restaurants der Welt führt. Von Schicksalsschlägen blieb sie bisher verschont. «Mir fiel immer alles irgendwie in den Schoss», sinniert die Fotografin. Allerdings nehme sie die Dinge auch stets so, wie sie kommen. «Extrem ehrgeizige und unerreichbare Ziele habe ich mir nie gesteckt.» Dass ihr immer viele Türen offen standen, führt sie auf ihre innere Gelassenheit zurück: «Wer verzweifelt und verbissen etwas erreichen will, scheitert öfter.» Ihre tiefe warme Stimme klingt ruhig, selbst wenn sie erzählt, wie sich ihre Eltern trennten und die Mama das Haus verliess. «Ich war 12 und hatte eine jüngere Schwester, für die ich praktisch die Verantwortung übernahm.»

Nach Fotokurs machte es klick

Beide Elternteile stammen aus Deutschland. Sie ist in Leuggern geboren und in Döttingen aufgewachsen. Eigentlich wollte sie Englisch und Geografie studieren. Doch dann schenkte ihr ein Freund ihren ersten Fotokurs und sie fing Feuer. Zenz entschloss sich für die autodidaktische Fotografenausbildung GAF und hatte nach zwei Jahren eine Praktikumsstelle in Zürich. Da war sie schon hochschwanger. Die Söhne Yannic und Marc kamen kurz nacheinander. Gearbeitet hat die zweifache Mutter immer und erinnert sich: «Ich nahm anfangs Aufträge in der näheren Umgebung an, damit ich zwischendurch meine Babys stillen konnte.»

Der Wechsel von der Analog- zur Digitalfotografie war für die Familien- und Berufsfrau ein Segen. «Ich habe es nie gemocht, stundenlang in der Dunkelkammer zu stehen, und war manchmal halb ohnmächtig von den Dämpfen der Entwicklungssubstanzen.» Begeistert eignete sie sich die neue Technik an. Sie hatte in der Region bald einen guten Ruf für Porträts und Websitedokumentationen. «Ich bin eine Dienstleisterin, keine Künstlerin», beurteilt sie ihr Können nüchtern. Und lacht, wenn sie an früher denkt. «Zwei Blenden zu viel und das Foto war futsch. Heute kann man das alles korrigieren. Mittlerweile kann eigentlich praktisch jeder schöne Bilder machen.» Konkurrenzneid ist ihr fremd.

23 Länder und über 100 Orte

Allerdings wird sie selber oft beneidet. In den letzten acht Jahren hat sie im Auftrag des kulinarischen Lifestyle-Magazins «La Tavola» 23 Länder und über 100 Destinationen besucht. Dabei war nur das Beste gut genug. In Kambodscha weilte sie auf einer luxuriösen Privathotelinsel und konnte durch den Glasboden ihrer Suite direkt in die Korallen-Riffs hinunterblicken. In Hongkong wurde sie mit dem Privathelikopter vom Nobelhotel abgeholt und fotografierte die Stadt aus der Vogelperspektive. In ihrer Lodge in Tansania streckten die Giraffen am Morgen den Kopf ins Zimmer. Und als sie die neue First Class einer Airline auf dem Flug nach Los Angeles ablichten sollte, sass Sängerin Diana Ross neben ihr.

Obwohl Christine Zenz so viele Traumdestinationen bereisen kann, behält sie Bodenhaftung. «Ich geniesse die kurzen und intensiven Tage in einer anderen Welt, komme aber immer wieder sehr gerne nach Hause zurück. Bisher habe ich noch keinen Ort entdeckt, der mir lieber wäre als Baden.» Manchmal fühle sie sich wie in einer Art Vakuum, wenn sie von so viel Luxus umgeben sei. «Privat reisen wir einfacher. Und kommen so einem Land und seinen Menschen wesentlich näher», meint sie.

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