Ein Töff, 17 besuchte Länder, 24 000 gefahrene Kilometer sowie unzählige Polizeikontrollen und Wetterkapriolen: Knapp ein Jahr dauerte die Abenteuerreise von Nadja Keller und Daniel Schafer, die sie von Baden vorbei am Schwarzen Meer, durch den Iran, über Dubai und das Arabische Meer nach Indien und wieder zurück führte.

Umso weiter östlich die beiden mit ihrem Seitenwagen-Töff kamen, desto fremder wurden die Länder, die sie durchquerten. Am eindrücklichsten in Erinnerung blieb dem Paar der Iran. Im Gottesstaat kam vieles völlig anders als erwartet.

Beispielsweise das Zusammentreffen mit den Gesetzeshütern, die bei vielen nicht unbedingt als Freund und Helfer gelten. Die beiden Schweizer erlebten sie aber ganz anders: «Das einzige, was die Polizisten wollten, war Tee trinken und Hände schütteln», sagt Schafer mit einem Schmunzeln.

Überhaupt empfanden sie die Menschen als sehr gastfreundlich. Verschleierte Frauen teilten im Park ihre Chips und Früchte mit den Schweizern. Vor den Moscheen durften sie zelten, und die Imame schenkten Wasser aus. Alles kostenlos. Sogar im Garten eines Hotels in Tabriz konnten sie ihr Zelt aufschlagen – der Preis für das Zimmer lag über dem Budget des Paares.

«Wir hatten 1500 Euro dabei und wussten nicht, wie weit das reicht», sagt Schafer. Denn Geld abheben mit ausländischen Karten kann man im Iran nicht. Zudem musste der Töff mit einem Service bald wieder auf Vordermann gebracht werden.

Nach der Nacht im Hotelgarten wurde Schafer an die Rezeption beordert – er habe einen Anruf, hiess es. Am anderen Ende der Leitung begrüsste ihn eine Frau in breitem Berndeutsch und sagte: «Ich hörte, Sie hätten kein Geld mehr?» Der Anruf kam von der Schweizer Botschaft, wo sich der Hotelier am Tag zuvor meldete, da er sich um die finanzielle Lage seiner Gäste sorgte.

Ein paar Tage später konnte das Paar in Teheran Rial für umgerechnet 2000 Franken abholen, das sie zuvor auf das Konto der Schweizer Botschaft überwiesen.

«Wie in ‹Jurassic Park›»

Nach der brennenden Sonne im Iran kämpften sie ein einen Monat später in Indien mit ganz anderen Wetterkapriolen: Als sie in Mumbai ankamen im September, bestimmten sintflutartige Monsunregenfälle die Tage.

«Wir fühlten uns zeitweise wie in ‹Jurassic Park›», erinnert sich Nadja Keller. «Wir fuhren durch ein Waldstück, es blitzte ununterbrochen und nach jeder Kurve sahen wir ein Plakat, das vor wilden Tigern warnte.» Völlig durchnässt kamen die beiden jeweils am Abend an ihrem Zielort an. «Ich war noch nie so nass. Nichts trocknete mehr.»

Nicht nur der Monsun brachte die beiden Badener in eine brenzlige Situation: Bei einer Strassenkontrolle wollte ein Polizist das Paar um umgerechnet 150 Dollar erleichtern. Er behauptete, mit einem Schweizer Kennzeichen dürften sie nicht durch den Bundesstaat Kerala fahren.

Als die Schweizer sich weigerten, den Betrag zu zahlen, fuhr der Polizist mit dem Fahrzeugausweis davon – und das Paar hinterher. «Ich war richtig wütend», sagt Keller. Auf dem Polizeiposten folgten stundenlange Diskussionen, bis sie sich entschlossen, ohne den Ausweis weiterzureisen und sich aus der Schweiz einen neuen schicken zu lassen.

Mit der indischen Bevölkerung machten Keller und Schafer hingegen ganz andere Erfahrungen: «Mit unserem Töff waren wir regelrechte Stars», sagt Schafer. Wo das Paar hielt, bildete sich sofort eine Menschentraube: Alle wollten ein Foto machen mit den Touristen und ihrer Attraktion auf drei Rädern.

Eine Zeitung berichtete sogar über die beiden Schweizer. Und in Kolhapur im Südwesten Indiens wurden sie und ihr russischer Seitenwagen der Marke Ural an eine Töffausstellung eingeladen. «Es war herrlich», sagt Schafer. «Aber auch anstrengend, da wir müde von der Reise waren.»

Nach einem Jahr Abenteuerreise war die Rückkehr nach Baden Ende Juni für Daniel Schafer ein besonderer Augenblick: «Es war schön, wieder zu Hause zu sein.» Für seine Lebenspartnerin hätte die Reise jedoch noch weiter gehen können.

Ein halbes Jahr dauerte es, bis sich die Reise gesetzt habe, sagt Nadja Keller. Erst vor wenigen Tagen schaute sie gemeinsam mit ihrem Partner die Fotos der Reise zum ersten Mal wieder an. «Nach der Heimkehr dauerte es etwas, bis ich mich wieder ganz fühlte – ein Teil von mir war immer noch unterwegs.»