Wettingen
Diese Drohne vor den Hochhausfenstern löste einen Polizeieinsatz aus

Hochhausbewohner in Wettingen staunen in diesen Tagen nicht schlecht, als vor ihrem Fenster plötzlich eine Drohne schwebt. Einige waren – trotz vorgängiger Information – von diesen Drohnen derart irritiert, dass sie die Polizei anriefen.

Sabina Galbiati
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Seit rund zwei Wochen fotografieren Roger Schlumpf und Roman Tichacek von der Firma Multifly GmbH mithilfe einer Drohne die Fassaden der Hochhäuser an der Alberich-Zwyssig-Strasse und der Zentralstrasse in Wettingen.

Doch kaum hatten Schlumpf und Tichacek vor zwei Wochen mit den Drohnenflügen begonnen, bekam die Kantonspolizei Aargau (Kapo) einen Anruf.

Sie musste wegen der Drohnenflüge zusammen mit der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal (Repol) ausrücken.

Roland Pfister, Medienchef der Kapo, bestätigt den Einsatz. «Es gab eine Anruferin, welche die Drohnenflüge und Personen in einem Fahrzeug gemeldet hat.» Eine Patrouille der Repol und eine der Kapo überprüften die Meldung.

Tichacek erinnert sich an jenen Freitagnachmittag: «Offenbar hatte jemand Angst, dass Einbrecher die Wohnungen mithilfe der Drohne ausspionieren, um später einzubrechen.»

Pfister sagt: «Vorort stellte sich schnell heraus, dass alles mit rechten Dingen zu- und hergeht.» Ob der Drohnenflug von einer Anwohnerin oder einer Passantin gemeldet wurde, kann Pfister nicht sagen, da die Anruferin ein Mobiltelefon benutzte. Seit dem Vorfall informiert Schlumpf jeweils vor Arbeitsbeginn die Polizei.

Schlumpf und Tichacek machen ihre Fotos für die «Terresta Immobilien- und Verwaltungs AG». Sie plant, die Fassaden der drei Hochhäuser gegenüber dem Rathaus und jene des Wohnblocks an der Zentralstrasse 93 bis 99 sanieren zu lassen.

Die Gebäude sind teils über 50 Jahre alt. «Mithilfe der Fotos kann später genau geplant werden, was man sanieren muss», sagt Schlumpf.

Roger Schlumpf (l.) und Roman Tichacek stellen mithilfe der Drohne 3D-Fotografien von Gebäudefassaden her.
11 Bilder
Roger Schlumpf (l.) Roman Tichacek haben die Drohne auf der Wiese vor dem Hochhaus an der Alberich Zwyssigstrasse 53 positioniert.
Roger Schlumpf, Mitinhaber der Multifly AG und Pilot, montiert die acht Propellerarme an der Drohne.
Ein Blick unter die schwarze Schutzhaube zeigt die komlexe Technik, die hinter einer Drohne steckt.
Unter der eigentlichen Drohne ist die Fotokamera montiert.
Die Drohne ist nun bereit zum Abflug.
Roger Schlumpf steuert die Drohne, Roman Tichacek macht die Fotografien von den Fassaden.
Die Drohne ist gestartet. Damit der Motor warm wird, schwebt sie während einer Minute knapp über dem Boden.
Nur noch ein schwarzer Punkt ist am Himmel zu erkennen.
Roger Schlumpf muss seinen Kopf weit in den Nacken legen, damit er die Drohne steuern kann.
Allein von dieser Fassadenseite macht Roman Tichacek rund 600 Fotos. Für die gesamte Gebäudefassade braucht es rund 2500 Fotos.

Roger Schlumpf (l.) und Roman Tichacek stellen mithilfe der Drohne 3D-Fotografien von Gebäudefassaden her.

Sabina Galbiati

Eine Bewilligung braucht es für die Drohnenflüge nicht, da der Multikopter leichter als 30 Kilo ist, nicht über 150 Höhenmeter fliegt und der Sichtkontakt zur Drohne bestehen bleibt, heisst es beim Bundesamt für Zivilluftfahrt.

Bewohner waren informiert

Nicht zuletzt, um die Privatsphäre der Bewohner zu schützen, informierte die Verwaltung die Bewohner der Alberich-Zwyssig-Strasse 49 und 53 frühzeitig mit einem Schreiben. Bei Nummer 53 hatten auch die Drohnenflüge angefangen. Die Liegenschaften in der Zentralstrasse sollen erst im Frühjahr fotografiert werden.

Besagtes Schreiben haben aber längst nicht alle Bewohner gelesen. So hat auch Abwart Thomas Steinmann in den vergangenen Tagen immer wieder Anrufe von Leuten erhalten, die wissen wollten, was es mit den Drohnenflügen auf sich habe.

Inzwischen haben sich die meisten Passanten und Bewohner an die Arbeit von Schlumpf und Tichacek gewöhnt. «Die Leute bleiben oft stehen und beobachten die Drohne», sagt Schlumpf. Noch bis Ende Jahr machen Schlumpf und Tichacek Fotos. Rund 2500 sind es für ein Hochhaus. Am Ende entsteht von jedem Gebäude ein 3-D-Foto, auf dem die Planer jedes noch so kleine Risschen entdecken und vermessen können.

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