Würenlos
Diese Kantischülerin setzt Stift und Papier statt auf Mailbox und Facebook

Die Kantischülerin Darja Keller lässt sich beim Schreiben nicht von den modernen Medien ablenken. Ihre Texte schreibt sie ganz altmodisch mit Stift auf Papier.

Corinne Rufli
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«Man schreibt viel und die Texte werden ziemlich hart durchgenommen, dafür lernt man aber auch viel», sagt Darja Samira Keller. cru

«Man schreibt viel und die Texte werden ziemlich hart durchgenommen, dafür lernt man aber auch viel», sagt Darja Samira Keller. cru

«Wenn ich nicht schreibe, dann staut sich alles in mir auf. Ich muss schreiben», sagt Darja Samira Keller. Die 16-Jährige hat mit ihren Kurztexten den Wettbewerb Schreibzeit Schweiz gewonnen und sich gegen 400 Jugendliche durchgesetzt.

«Ich schreibe viel Tagebuch. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich meine Gedanken oder Erlebnisse verliere, wenn ich sie nicht festhalten würde.» Die Würenloserin entschuldigt sich für ihr schnelles Sprechen. Es sprudelt aus ihr heraus. «Ich finde es cool, dass ich gewonnen habe, ich hätte es nicht gedacht.» Es ist nicht das erste Mal, dass die Schülerin der Kantonsschule Wettingen an einem Schreibwettbewerb mitmacht – und auch schon gewonnen hat.

Lernen durch Kritik

Wie der Name des Wettbewerbs schon sagt, kann man «Schreibzeit» gewinnen. Das ist die Teilnahme an der einwöchigen Schreibwerkstatt in Bern-Köniz. «Es ist wie in einem Lager», erklärt das Schreibtalent. «Ich habe viele gute Leute kennen gelernt.» Doch es ist nicht nur Spass: «Man schreibt viel und die Texte werden ziemlich hart durchgenommen, dafür lernt man aber auch viel», sagt Darja Keller.

Den 1. Platz hat die Schülerin für ihre beiden Texte «Blickwinkel» und «Autofahrt» bekommen. Die Jury beschreibt ihren Entscheid wie folgt: «Darja Keller beeindruckte mit zwei kurzen Texten über «vermeintlich kleine Dinge» mit «überraschenden Wendungen.»

«Spannung erhalten ist schwierig»

In «Blickwinkel» verliebt sich ein Junge in eine etwas ältere Frau. Er glaubt, dass die Gefühle gegenseitig sind. Als er ihr nachstellt, entdeckt er sie mit einem anderen und ist zutiefst enttäuscht. Im zweiten Text wird die fröhliche «Autofahrt» mit der Familie abrupt beendet. Ein Unfall?

«Ein Kehrpunkt oder eine Wende in meinen Texten habe ich schon vor dem Schreiben im Kopf», sagt die junge Schreiberin. «Lange Texte werden bei mir schnell langweilig, die Spannung erhalten ist schwierig.»

Mit Stift und Papier

In Zeiten der orthografielosen SMS und dem elektronischen Briefpapier hat das Schreiben eine andere Bedeutung bekommen. Darja Samira Keller hat die für sie beste Form zum Schreiben gefunden: «Ich schreibe nie direkt auf dem Laptop. Das lenkt mich ab, denn dann checke ich meine Mails oder gehe auf Facebook.» Ganz altmodisch schreibt sie mit Stift auf Papier. «Ich beobachte gerne Menschen und schreibe dann. Einmal hat im Zug das Gegenüber sogar gefragt, ob ich über sie schreibe und es stimmte.»