Theater im Theater funktioniert – gerade dann, wenn es sich bei den Librettisten um Samuel und Bella Spewack sowie beim Komponisten um Cole Porter handelt. Nun ist Shakespeares «Der Widerspenstigen Zähmung» eine hinreissende Vorlage. Um daraus aber ein Musical wie «Kiss Me, Kate» zu schmieden, braucht es geniale Einfälle. Cole Porter hatte sie. Sein Evergreen packt durch einen nicht abreissenden Strom von Melodien mit Suchtpotenzial und blitzschnellen Rhythmuswechseln. Charme und Verve dieser Musik sind unwiderstehlich, sodass sich der Dirigent Cristoforo Spagnuolo in die Partitur verliebte und beschloss: «‹Kiss Me, Kate› möchte ich mit dem Chor, dem Orchester und der Big Band der Kantonsschule Wettingen konzertant, in der rekonstruierten Originalfassung von 1948, aufführen.»

Alle Beteiligten haben sich 2013 mit George Gershwins «Crazy for You» erstmals ans Musical-Genre gewagt: Und das so erfolgreich, dass die als Veranstalterin fungierenden «Wettinger Sommerkonzerte» «Kiss Me, Kate» gleich zweimal im Kurtheater spielen lassen.

Wie ist die Aufführung? Rundum geglückt. Sie ist konzertant, ist aber zugleich – durch die Verwendung von Kostümen – bühnenmässig. Genau das ist auch der hinzugefügte Erzähler (Christian Breitschmid), der ironisch-pointiert durch eine verwickelte Handlung führt, die Shakespeares Komödie mit den privaten Irrungen der Hauptrollenträger im Musical verquickt. Spritzig-leicht, aber auch mit Biss interpretieren Susanne Oldani (Lilli/Katherine), Stefanie Gygax (Lois Lane/Bianca), Rudolf Remund (Fred Graham/Petruchio) und Daniel Pérez (Bill Calhoun/Lucentio) ihre Partien. Die Vier singen nicht nur, sondern agieren auch mit derart offenkundigem Vergnügen, dass man sich eine andere als diese halbszenische Inszenierung von «Kiss Me, Kate» gar nicht (mehr) vorstellen mag. Diese Aufführung lässt einen glücklich lächeln – und sogleich an Stephen Sondheims Musical «Das Lächeln einer Sommernacht» denken. Der nächste Fall für die Solisten, den Chor, das Orchester und die Big Band der Kantonsschule Wettingen?