Musik

Diese Musikerin passt in kein Genre rein – «Sensu» steht für Freiheit

Jasmin Peterhans aus Turgi bringt unter ihrem Künstlernamen "Sensu" im September ihr erstes Album "Embrace" bei Universal Music heraus. Fotografiert bei ihr zu Hause im Studio am 20. August 2019.

Jasmin Peterhans verwandelt sich im eigenen Tonstudio in Turgi oder auf der Bühne in die Musikproduzentin «Sensu».

Jasmin Peterhans aus Turgi bringt unter ihrem Künstlernamen "Sensu" im September ihr erstes Album "Embrace" bei Universal Music heraus. Fotografiert bei ihr zu Hause im Studio am 20. August 2019.

Die Badenerin Jasmin Peterhans alias Musikerin «Sensu» legt ihr Debütalbum «Embrace» vor und hat sich dafür prominente Unterstützung geholt.

Jasmin Peterhans trägt zum Interview einen schwarzen Rollkragenpullover und elegante Hosen mit Hahnentritt-Muster. Lange dunkle Haare umrahmen ihr ebenmässiges Gesicht – sie ist völlig ungeschminkt. «Das ist mein Business-Look», sagt die 27-jährige gebürtige Badenerin und lächelt. Tagsüber arbeitet die KV-Absolventin als Marketing-Managerin und abends verwandelt sie sich im eigenen Tonstudio in Turgi oder auf der Bühne in die Musikproduzentin «Sensu».

Wenn sie in ihren Shows experimentelle Synthesizer-Klänge mit souligen Vocal-Samples mischt und hiphoplastige Drums darüberlegt, trägt sie wenig Make-up und lässige Streetwear. Ihr ist wichtig, dass der Fokus ganz auf ihrer Musik liegt und das Geschlecht keine Rolle spielt. Für die Auftritte hat sie sich von einem ZHdK-Studenten einen speziellen Tisch designen lassen, auf dem sie ihr Equipment aufbaut.

Sensu live im Nordportal Baden

Die Krönung ist ihr Debütalbum «Embrace»

Zu den elektronischen Elementen spielt sie live auf Drum-Pads und einem Midi-Keyboard. Im Hintergrund lässt sie psychedelische und meditative Visuals laufen. 2018 trat sie im Nordportal Baden auf, ging mit Pablo Nouvelle auf Schweizer Tournee und bespielte das Zürich Openair.

Dieses Jahr trat sie am Gurtenfestival und auf der kleinen Bühne des Moon & Stars in Locarno auf. Die Krönung ist jetzt aber ihr Debütalbum «Embrace», das am 6. September erschienen ist.

In ein Genre reinquetschen lässt sich Sensu ungern. Sie steht für grenzenlose Freiheit in der Musik. Ansatzweise versucht sie, den Sound eines ihrer zwölf neuen Songs auf «Embrace» zu beschreiben. «Da kann beispielsweise ein Electronic-Instrumental auf eine warme soulige Stimme treffen und beim nächsten Song erklingen experimentelle Klänge ohne Vocal-Begleitung.»

Sensu - Escape

Sensu kreiert genreübergreifende Musik, die gemäss ihren Worten trotzdem einen gewissen «Wiedererkennungswert» hat. Prominente Unterstützung erhält Jasmin Peterhans alias Sensu für ihren ersten «Longplayer» vom Soulsänger Otis Junior und der Hip-Hop-Künstlerin Ryck Jane aus den USA.

Des Weiteren sind die Londoner Songwriterin Bassette, der Zürcher Rapper Ryler Smith und Sänger Benjamin Amaru, SRF3-Best-Talent 2019, zu hören.

«Nach zehn Jahren genug von klassischer Musik»

Wie kam die Musik ins Leben von Jasmin Peterhans? «Ich ging mit sieben Jahren in die Klavierstunde. Nach zehn Jahren hatte ich von klassischer Musik genug. Und suchte neue Wege, um als Musikerin Fuss zu fassen. Dann eröffnete mir der amerikanische Oldschool-Hip-Hop eine völlig neue Welt.»

Vom Lehrlingslohn kaufte sie sich ein Software-Programm, das ihr ermöglichte, zuhause eigene Beats zu produzieren. Doch irgendwann schränkte sie auch das Hip-Hop-Beatmaking ein. Deshalb war die musikalische Diversität des australischen Produzenten Flume für sie wie eine Offenbarung.

«Ich merkte plötzlich, dass ich mich gar nicht in ein bestimmtes Genre reinpressen lassen muss. Sondern Elemente, die mir gefallen, vermischen und daraus einen völlig neuen Sound kreieren kann.» Inspiriert von ihren neuen kreativen Möglichkeiten schrieb sie den Song «Travellin›» und veröffentlichte ihn erstmals unter dem Pseudonym Sensu (Name für einen japanischen Fächer) auf Soundcloud. Er wurde über 460'000 Mal gestreamt.

Schweizer Musik, die weltweit mithalten kann

Sensu - Far Away feat. Nadine Carina

Uidá Santos aus Zürich gründete Anfang 2017 das Independent-Label Quartz Records und nahm zum Startschuss Sensu gleich unter Vertrag. «Wir wollen zeigen, dass es auch in der Schweiz genreübergreifende elektronische Musik gibt, die weltweit mithalten kann», meint die experimentierlustige Künstlerin dazu.

Mit der EP «Far Away» schaffte Sensu endgültig ihren Durchbruch und wurde von SRF3 als eine der sechs verheissungsvollsten Newcomerinnen für das Jahr 2019 angekündigt. Das Album «Embrace» (Universal Music) soll ihrer Karriere jetzt nochmals gehörig Schub verleihen. Eine ausgedehnte Schweizer Tournee ist in Planung.

Der grösste Traum der leidenschaftlichen Weltenbummlerin? «Irgendwann vor einem riesigen Publikum zu spielen, das meine Songs kennt und mitsingt.»

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