«Die Blume wurde 1421 das erste Mal urkundlich erwähnt. 2021 feiern wir unser 600-Jahr-Jubiläum. Es wäre toll, wenn wir dann schon ein neues Thermalbad hätten», sinnieren die beiden Hotelbesitzer Patrik und Silvio Erne.

Sie stehen fürs Foto am offenen Fenster des Zimmers 104. Der Blick fällt über den Kurplatz auf die riesige Baustelle vis-à-vis, wo in einer ersten Etappe des Bäderprojektes das Wohn- und Ärztehaus im Bau ist. Der Bagger rumort und gräbt seine Zähne in die Erde.

Im idyllischen Atrium des Hotels Blume gerät der Baulärm in den Hintergrund und wird vom Plätschern des Goldfischbrunnens übertönt. Ein Model in einem blumengeschmückten Tüllkleid räkelt sich für einen Fotografen auf einem der Korbsessel.

Die filmreife Kulisse, die der glasüberdachte Lichthof mit den vielen Pflanzen bietet, wurde schon für viele professionelle Shootings und Filmaufnahmen genutzt. Ansonsten ist es still im Haus.

«Wir hatten einen extrem ruhigen Tag», bestätigt Patrik Erne. Gemäss dem Hotelier liegt das aber nicht am Baustellenlärm vor der Haustür. «Klagen sind sehr selten», bekundet er. Die Mehrzahl der «Blume»-Gäste habe geschäftlich in Baden zu tun.

«Sie stehen am morgen früh auf und gehen zur Arbeit. Deshalb bekommen sie vom Baulärm nicht viel mit.» Am Wochenende, wenn der Jugendstilsaal für Hochzeiten genutzt wird und die Gesellschaften über Nacht bleiben, ist es ruhig.

Richtig prekär sei zurzeit allerdings die Parkplatzsituation. Die Zufahrt von der Parkstrasse zum Kurplatz ist wegen der Bäderbaustelle nicht möglich. Jetzt wird auch der Zugang von der anderen Seite via Bäderstrasse erschwert, weil diese vom Casinokreisel bis zur Schiefen Brücke saniert wird.

«Unsere Gäste konnten dort bis anhin zumindest temporär ihr Auto abstellen. Jetzt fallen bis Ende August etappenweise auch noch die 12 Parkfelder weg.», meint Patrik Erne konsterniert und empfindet diese Planung als sehr unglücklich. Die Ernes bezeichnen ihr Verhältnis zur Stadt als angespannt.

«Es gibt noch Luft nach oben»

Umso mehr freuen sich die beiden Brüder auf die Neugestaltung des Kurplatzes. «Wir hoffen auf mehr Leben, eine gut durchdachte Sichtbarmachung der Thermalquellen. Und vor allem darauf, wieder eine saubere Vorfahrt zu haben.»

Sie sind gespannt: «Vor allem auch, weil einige der bereits bestehenden Plätze in Baden als alles andere als gelungen bezeichnet werden können.»

Vor 15 Jahren übernahmen Silvio und Patrik Erne die Führung des Hotels Blume. Ihre Eltern Johann und Heidi Erne hatten das Haus 1972 erworben. Der damals florierende Kurbetrieb ist längst passé. Gäste, die wochenweise übernachten, gibt es kaum noch. «Geschäftsleute, Wellnessurlauber und Touristen aus dem Ausland bleiben meist nur kurz. Ganz ausgebucht sind wir nicht mehr so oft wie früher. Da gibt es noch Luft nach oben», meinen die beiden Hoteliers.

Im Dezember 2018 ist Mutter Heidi gestorben. Mit ihr ging ein wichtiges Stück Bädergeschichte zu Ende. Obwohl sie nicht mehr operativ im Betrieb tätig war, half sie immer noch, wo sie konnte. Sie erledigte Botengänge, pflegte sämtliche Pflanzen und machte die Buchhaltung.

Diese Aufgaben müssen die beiden Brüder jetzt unter sich aufteilen. Silvio obliegt zudem der ganze Bereich «Food & Beverage», das Lohnwesen und die Einteilung der 15 Angestellten. Patrik ist vor allem an der Rezeption tätig und für die Umbauten zuständig. Und derer gibt es viele.

So sieht die Baustelle in den Bädern aktuell aus:

Das Glasdach im Atrium wurde vor zehn Jahren erneuert. Fünf Jahre später kam in den zum Teil stillgelegten Bädern ein moderner Spa-Bereich mit Dampfbad, Sauna und Erlebnisdusche dazu. Das Eichenparkett im Jugendstil- Saal wurde ertüchtigt, Lüftung und Klimatisierung wurden im Saal eingebaut.

Im Laufe dieses Jahres wird das Ziegeldach des von Robert Moser erstellten Hoteltrakts Richtung Blumengässlein neu eingedeckt. Und zwar komplett mit original Biberschwanzziegeln. «Sie sind etwa 30 000 Franken teurer als die teilweise vorhandenen Falzziegel.

Aber die ‹Blume› ist ein kantonales Schutzobjekt und wir müssen uns an die Vorschriften der Denkmalpflege halten», erklären die Mittvierziger. Nach Ostern werden dann alle Zimmer im 3. und 4. Stock mit Klimaanlage ausgerüstet. Die «Blume» bedarf ständiger Investitionen.

Hotellerie im Blut

Das geschichtsträchtige Haus in einen Hotelbetrieb umzufunktionieren, der auch 2019 noch zeitgemäss ist, erweist sich oft als Herausforderung. Ein anderer Beruf kam für die beiden jedoch nie infrage.

«Hotellerie und Gastronomie liegt uns im Blut. Schon als kleine Knirpse hatten wir unsere Ämtli im Betrieb der Eltern.» Nach der Schule absolvierten beide eine Kochlehre, danach eine Servicezusatzlehre und die Hotelfachschule. «Dass wir die ‹Blume› einmal übernehmen werden, war für uns von Kindsbeinen an selbstverständlich», bezeugt Silvio Erne.

Ob ein neues Thermalbad der «Blume» zusätzliche Hotelgäste beschert, muss sich noch erweisen. «Wenn wir ein paar Kunden mehr haben, sind wir natürlich froh. Vor allem aber freuen wir uns, dass wir in Baden nach unglaublichen 14 Jahren Planungszeit endlich bald wieder ein Thermalbad haben, auf das wir stolz sein können.»

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