Unglaublich: Minuten vor der Eröffnung des 25. Antiquitäten- und Sammlermarktes im Wettinger Sportzentrum Tägerhard stehen die Besucher vor der Eingangstüre Schlange. «Jeder hat Angst, nicht der Erste zu sein. Keiner will sich die besonders begehrten Stücke vor der Nase wegschnappen lassen», sagt Jakob Brand.

Zusammen mit seiner Frau Dora organisiert der Möriker seit 34 Jahren Antiquitätenmärkte. «Angefangen haben wir in der Brugger Markthalle.» Heute organisiert das Ehepaar Brand neben dem Anlass im Tägi Märkte im Stadttheater Olten und im Zentrum Bärenmatte in Suhr. Wobei «Markt» eigentlich der falsche Ausdruck sei, sagt Brand. «Wir überlegen uns, künftig den Namen ‹Antiquitätsmesse› zu verwenden, um uns von Flohmärkten abzugrenzen.» Das habe nichts mit Überheblichkeit zu tun. Es sei nun mal Fakt, dass die Qualität an einem Antiquitätenmarkt höher sei als an einem Flohmarkt, so Brand.

Keine Angst vor Wucherpreisen

Dass dem so ist, beweist ein Augenschein im Tägi. Anders als bei einem Flohmarkt, bei dem es oft lebhaft bis hektisch zu- und hergeht, herrscht hier fast andächtige Stille. Vorsichtig nehmen Sammler – manche sind gar aus Deutschland angereist – die Waren in die Hand, begutachten sie sorgfältig und verstricken sich in Fachgespräche mit einem der rund 100 anwesenden Händler.

Schnell wird klar: Hier sind Kenner am Werk. «Nicht selten wissen die Sammler über eine Ware besser Bescheid als die Händler», sagt Brand. Dieser Umstand kommt auch Laien zugute. Denn sie können davon ausgehen, dass die angegebenen Preise dem tatsächlichen Wert entsprechen, da ein Wucherpreis dem Fachpublikum sauer aufstossen würde.

Das mit den Preisen ist sowieso so eine Sache. Es versteht sich von selbst, dass der Kaufpreis jeweils ausgefeilscht wird. «Gerade vorhin habe ich ein Stück für 39 statt 40 Franken verkauft», sagt Marguerite Hersberger aus Zürich. «Für den Käufer war es psychologisch einfach wichtig, diesen einen Franken zu sparen; ich hab ihm gesagt, der wird ihm bestimmt Glück bringen.»

Nur wenige junge Sammler

Hersberger ist eine der Händlerinnen, die seit 24 Jahren im Tägi dabei sind. «Nach der Hochblüte in der Anfangszeit hat sich das Kauffieber nun ein wenig gesenkt», so Hersberger. Auffällig sei, dass nur wenige Junge den Antiquitätenmarkt aufsuchten. Doch Sorgen bereitet ihr das keine. «Menschen sind Sammler; gesammelt wird immer. In 50 Jahren vielleicht alte Handys und Computer anstatt alte Tassen oder Kristallgläser.»

Reich werde sie mit ihrem Stand nicht, so Hersberger. Doch dafür geniesse sie umso mehr die familiäre Atmosphäre. Und: «Man lernt sehr viel über die Geschichte einer bestimmten Antiquität. Mich fasziniert vor allem, dass uns all diese Gegenstände überleben.» Ebenfalls seit 24 Jahren reist Margrit Utz von Zürich nach Wettingen. «Am Anfang hatte ich skeptische Kunden, weil ich im Januar Antiquitäten-Weihnachtsschmuck verkaufte. Doch das Geschäft läuft gut, da der Schmuck zeitlos ist.»