Würenlos

Dieser 22-Jährige ist der heimliche Herr des Fressbalkens

Manchmal muss Simon Nussbaumer das Dach der Raststätte erklimmen, um hier nach dem Rechten zu sehen.JGl

Manchmal muss Simon Nussbaumer das Dach der Raststätte erklimmen, um hier nach dem Rechten zu sehen.JGl

Der 22-jährige Hauswart Simon Nussbaumer sorgt dafür, dass auf der Raststätte alles rund läuft. Auch wenn es ursprünglich anders geplant war, so konnte der junge Erwachsene ein Angebot aus der Heimat nicht ablehnen.

Gleichmässig rauscht der Verkehr auf der Autobahn A1 unter der Raststätte durch, ab und zu setzt einer den Blinker für einen Halt im «Fressbalken». Ein Ort für eine Pause, doch selten das eigentliche Ziel. Nicht so für Simon Nussbaumer. Täglich tritt er hier seinen Dienst als technischer Hauswart an.

Die bekannteste Autobahnraststätte der Schweiz als Arbeitsort zu haben, ist für ihn ein Glücksfall. Nach der Lehre beim Facility-Services-Unternehmen ISS wollte Simon Nussbaumer eigentlich eine Pause einlegen und eine Saisonstelle in den Bergen annehmen. «Doch als ich das Angebot von ISS für die Stelle in Würenlos bekam, konnte ich nicht Nein sagen», sagt er mit einem Lächeln.

Der 22-Jährige ist in Würenlos aufgewachsen und wohnt immer noch dort. Die Raststätte war schon immer ein Teil seines Lebens. Als Teenager sind er und seine Kollegen mit dem Töffli zur Raststätte rausgefahren. Diese hatte ein Angebot, mit dem das Dorf nicht mithalten konnte. Die Raststätte war für die jungen Würenloser der perfekte Ort zum «Chrömle», erinnert sich Nussbaumer.

«Mövenpick-Glace konnte man damals nicht überall kaufen.» Heute geniesst er die Nähe zu seinem Wohnort und fährt auch mal nach Hause fürs Mittagessen. Simon Nussbaumer spricht mit ruhiger Stimme, den Umgang mit den Medien ist er seit der Sommerserie von SRF gewohnt. Doch diese geduldige Art scheint durchaus auch seiner Persönlichkeit zu entsprechen.

Helfer in Not

Simon Nussbaumers Arbeitstag beginnt mit einem Rundgang über das Areal der Raststätte. Fällt seinem prüfenden Blick etwas auf, sei dies ein Loch in einem Zaun oder eine defekte Lüftung, wird es ins Protokoll aufgenommen.

Wenn er den Defekt nicht selber reparieren kann, bietet er einen Kollegen oder einen Handwerker auf. Auch die Läden auf der Brücke gehören zu Nussbaumers Aufgabenbereich.

Er hilft, wenn ein Regal zusammengebrochen ist oder wenn ein Teil der Glasfront klemmt. «Die Frauen rufen mich öfters an, wenn sie Hilfe brauchen», sagt Nussbaumer. Bleibt zu hoffen, dass die Verkäuferinnen nicht absichtlich Mobiliar zerstören, um den sympathischen Hauswart häufiger zu sehen. 

Er kennt die Raststätte in und auswendig und alle kennen ihn. Auf dem Weg vom einen zum anderen Ende der Brücke grüsst er Leute links und rechts. Oft ergeben sich so auch kurze Gespräche.

«Wenn ich einen Termin ausserhalb der Raststätte habe, versuche ich jeweils, auf dem Weg raus den Kopf ein bisschen gesenkt zu halten, damit ich nicht zu spät komme», sagt er und lacht.

Doch die Leute würden ihn auch dann erkennen. Über sein Telefon kann er jederzeit erreicht werden, auch hier zeigt sich seine Geduld. Mit ruhiger Stimme erkundigt sich Nussbaumer nach dem Anliegen des Anrufers.

Dass er noch keine 25 ist und diesen Job noch nicht lange macht, ist ihm dabei nicht anzumerken. Der junge Hauswart weiss sich zu helfen, sollte er einmal an seine Grenzen stossen.

Entweder holt er sich Rat bei seinen Arbeitskollegen oder bei firmeninternen Fachleuten. Aber auch fachspezifische Videos auf Youtube haben sich als nützlich erwiesen. «Das ist die neue Generation der Hauswarte», sagt Nussbaum zufrieden.

Ans Herz gewachsen

Simon Nussbaumer freut sich, wenn er helfen kann. Auch draussen ist er für die Besucher da. Er erklärt den Hündelern, wo sie im Grünen spazieren können und zeigt älteren Leuten den Weg.

Die vorbeifahrenden Autos und Lastwagen hört er schon lange nicht mehr. Erst wenn sich das Gegenüber am Telefon über den Verkehrslärm beklagt, merkt er, dass er sich gleich neben einer Autobahn befindet.

Eigentlich arbeitet der Hauswart Montag bis Freitag. Doch die Raststätte kommt nie zur Ruhe, manchmal kommt es vor, dass er in seiner Freizeit einrücken muss. Einmal hat ein Blitz eingeschlagen, ein anderes Mal war der Presscontainer für den Abfall kaputt.

Für Simon Nussbaumer ist dies nicht weiter schlimm, zumal er auch ausserhalb der Arbeitszeiten oft in Gedanken bei seiner Raststätte ist. Seine Erklärung zeigt, wie sehr ihm sein Arbeitsort am Herzen liegt: «Wenn das Kind in den Ferien ist, denkt man ja auch ständig daran.»

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