Baden

Dieser Ausflug kann schockieren

«Badens dunkle Seite» ist nichts für schwache Nerven. Das zeigte sich an einer Stadtführung zu diesem Thema.

Im einen Moment steht man noch auf dem ultramodernen Theaterplatz, wo Silvia Hochstrasser mit ihrer Stadtführung «Badens dunkle Seite» beginnt. Im nächsten Augenblick taucht man dank ihrer Schilderungen ein ins tiefste Mittelalter. Was zu dieser Zeit mitten in der Stadt geschah, war schauderhaft. Wer nicht zur Oberschicht gehörte und nur die geringste Straftat beging, wurde verhört, gefoltert und im schlimmsten Fall geköpft, gerädert, ertränkt oder verbrannt. Ein Sünder musste sühnen. So wolle es Gott, bläute die Kirche dem Volk ein, die mit dem Adel die Obrigkeit darstellte. Menschen aus der Oberschicht wurden natürlich immer bevorzugt und viel milder bestraft als «Leute zweiter Klasse». Wenn eine Straftat nicht schwer genug war für ein Todesurteil, wurde der Delinquent gebrandmarkt. «Schon ein ‹Gottverdammi› reichte, dass einem die Zunge aufgeschlitzt beziehungsweise die Ohren oder die Hand abgehackt wurde», berichtet Hochstrasser dem geschockten Publikum.

Beim Haus zum Rüden stand der Schandpfahl, wo der Scharfrichter viele Gräueltaten vollzog. Verurteilte Frauen mussten sich mit Halseisen an einen Pfahl gekettet auspeitschen lassen. 1834 wurde in Ennetbaden beim Rabenstein der letzte Mensch mit dem Schwert geköpft. Dieser Tod war ehrenwert und die einzige Möglichkeit doch noch ins Paradies zu kommen. Dass er sich auch als geradezu gnädig erwies, erfahren die Zuhörer, wenn Hochstrasser den Vorgang des Räderns erklärt.

Immer wieder kommen auf dem Rundgang Fälle aus der Kriminalgeschichte Badens zu Gehör. Zum Beispiel von Anna Pfau, die ihr Kind ertränkte, oder dem international gesuchten Räuber Schwarzbeck. Beide fanden einen grausamen Tod.

Schwerpunkt der Führung «Badens dunkle Seiten» ist der Besuch des Stadtturms, den die Besucher bis zur obersten Etage besteigen und auch das eindrückliche Uhrwerk von innen bestaunen können.

«Füürio!», «Diebio!», «Mordio!»

Das im 15. Jahrhundert erbaute Monument, war mittelalterliches Wehr-, Zoll- und Meldezentrum der Stadt Baden. Was heute Feuerwehrs- und Polizeisirenen sind, waren damals die Glocken und Fahnen, die auf «Füürio!», «Diebio!» oder «Mordio!» hinwiesen. Die Bundesverfassung verbot es schlussendlich, Leute zu foltern oder zu töten. Man setzte darauf, schlechten Menschen in Haft die Chance zu geben, sich zu «verbessern».

Bereits 1840 wurde der Turm zum städtischen Gefängnis umgebaut, das bis 1984 in Betrieb war. Der Gang durch die engen, dunklen und kalten Zellen hinterlässt bleibende Eindrücke. Schon in den 50er-Jahren geriet der menschenunfreundliche Badener Knast in Verruf. Hochstrasser erzählt auf jeder Etage Geschichten von Inhaftierten und deren Alltag hinter Gittern. Ist die schaurige Führung nach zwei Stunden vorbei, atmet man auf. Und ist vor allem froh, im Hier und Jetzt zu leben und nicht im Mittelalter.

Weitere Führungen von Silvia Hochstrasser unter dem Motto «Baden erleben» auf Anfrage. www.fuehrungenbaden.ch.

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