Der Dorfladen in Remetschwil ist Stürmen ausgesetzt. Nachdem der Volg vor einem Jahr mangels Umsatz schliessen musste, hat der Nachfolger Theo Wettstein seine GmbH Theo’s Maxi aus gesundheitlichen Gründen «notverkauft», wie er sagt.

«Der Verkauf des Ladens kann das finanzielle Loch leider nicht flicken», bedauert er. Nebst seinem Startkapital in der Höhe von 50000 Franken hat auch der Verein «Pro Dorflade» Geld verloren: Die rund 40000 Franken Darlehen, die der Verein für den Erhalt des Ladens gesammelt hat (az vom 18. Mai 2011), wurden ebenso vom «Loch» verschluckt. Von einem der Gläubiger hat Wettstein nun eine Konkursandrohung gegen die GmbH erhalten.

Zukunft des Vereins unsicher

Wie Wettstein erklärt, ist noch unsicher, ob der Gläubiger das Konkursverfahren gegen die GmbH eröffnet. Jetzt will er die Sache selber in die Hand nehmen: «Ich bin daran, eine Überschuldungsanzeige beim Bezirksgericht Baden einzureichen, damit die Gläubiger wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückerhalten», sagt er bestimmt.

Ob überhaupt Geld zurückkommt, sorgt auch beim Verein «Pro Dorflade» für Kopfzerbrechen: «Wir wissen noch nicht, wie es mit dem Verein weitergehen soll. Ob wir ihn auflösen oder nicht, besprechen wir an der
GV Mitte Mai», sagt die Präsidentin Esther Merkli. Böse auf Wettstein sei sie nicht. «Die Schliessung kam so plötzlich, dass wir nichts unternehmen konnten», erklärt sie.

Eine Million Umsatz ist das Ziel

Das Positive: Seit zwei Monaten sorgt Martin Mühlemann aus Baden dafür, dass die Remetschwiler wieder im Dorf einkaufen können. Nächste Woche will der Verein mit dem neuen Eigentümer des Dorfladens zusammensitzen. «Wir wollen uns lediglich mit Mühlemann austauschen. Geld haben wir keines mehr. Es wird auch schwierig, nach dieser Ladengeschichte Geld aufzutreiben», gibt Merkli zu bedenken.

«Das Geschäft ist nicht schlecht angelaufen in Anbetracht der Tatsache, dass ich einen Kaltstart hatte», sagt Martin Mühlemann. Kaltstart? Der Dorfladen sei von Mitte Oktober bis Ende November geschlossen gewesen. «Je länger ein Laden zu ist, desto schwieriger wird es, Leute anzulocken. Deshalb wollte ich den Laden so schnell wie möglich öffnen; das nenne ich Kaltstart», erklärt Mühlemann. Den Namen und das Geschäftsmodell hat er verändert: «Ich habe die Einzelhandelsfirma Martins’s Maxi gegründet, weil ich das Startkapital vom BVG-Guthaben bezogen habe.»

Ob er denn kein Risiko sehe in Anbetracht der Schwierigkeiten seiner Vorgänger? «Das Verkaufsniveau muss nach oben. Wenn es so bleibt, wird es nicht einfach», gibt er zu. Sein durchschnittlicher Tagesumsatz liege derzeit bei 2000 Franken. Sein Ziel sei ein Jahresumsatz von einer Million. Das werde er dieses Jahr kaum erreichen. «Im Detailhandel ist es derzeit nicht einfach. Jetzt bin ich erst seit zwei Monaten selbstständig und will nichts schwarzmalen.» Reich werde er aber bestimmt nicht.

Für Mühlemann geht mit der Eröffnung seines eigenen Dorfladens ein Traum in Erfüllung: «Ich wollte mich beruflich verändern und weiterentwickeln», erklärt er. Nach langjähriger Erfahrung im Detailhandel habe er sich selbstständig machen wollen. Informiert wurde er von der Spargruppe, für die er auch schon gearbeitet hat. «Maxi ist das Kleinladenformat von Spar», erklärt er.

Hausservice Post startet bald

Mühlemann hat einiges im Laden verändert: Den Take-away und die Poststelle gibt es nicht mehr. «Ich habe mein Wein-, Champagner- und Biersortiment erweitert, verkaufe Zeitschriften, Lose und biete einen Abholservice für die chemische Reinigung von Kleidern an.» Ab 6. Februar kommt die Post übrigens mit dem Hausservice nach Remetschwil.