Sorgfältig ist der weisse Hemdkragen über den Rand des weinroten Pullovers gelegt. Darüber trägt Nikola Schmeling einen beigen Blazermantel: Mode, das ist seine Welt. Der 20-jährige Wettinger arbeitet als Stylist bei «Outfittery» in Zürich. Das Start-up-Unternehmen aus Berlin versendet Pakete mit Kleidung für Männer, zusammengestellt von persönlichen Stylisten wie Schmeling.

Seit Frühling 2016 gibt es das Unternehmen auch in Zürich. «Ich fand das Konzept total spannend, also habe ich mich beworben», sagt Schmeling. Als gelernter Detailhandelsfachmann kennt er sich in der Modeberatung aus. «Aber es ist sehr anders als in einem Laden.» So können sich Kunden bei «Outfittery» online mit nur wenigen Angaben etwas bestellen. Oder Mann lässt sich telefonisch beraten. «Insbesondere ältere Kunden bevorzugen den telefonischen Kontakt», erklärt Schmeling und fährt sich über das zurückgegelte Haar.

Wie aber wird ein Outfit bei einer Online-Bestellung zusammengestellt? «Nur die Grössen müssen angegeben werden: Es ist natürlich einfacher, wenn die Leute mehr Angaben machen.» Dann erhalten die Männer ein Paket mit verschiedenen Kleidungsstücken. Produkte, die dem Kunden nicht gefallen, können zurückgeschickt werden. «So kann man sich langsam an den Geschmack von jemanden herantasten.» Dabei erhalten Kunden ihren ganz persönlichen Stylisten. Schmeling empfiehlt am liebsten die sportlich-eleganten Kleider. Doch hat ein Kunde einen anderen Geschmack, zwingt er nichts auf. Denn: «Jeder Mensch hat einen Stil, oft fehlt nur das Gespür für die richtige Kombination.» Hier komme er ins Spiel.

In solchen Boxen erhalten die Kunden der «Outfittery» ihre Kleider. Dabei liegt jeder Box ein Foto des persönlichen Stylisten bei.

In solchen Boxen erhalten die Kunden der «Outfittery» ihre Kleider. Dabei liegt jeder Box ein Foto des persönlichen Stylisten bei.

Kollegiales Verhältnis zu Kunden

An seinem Beruf reize ihn besonders, dass er weiterhelfen könne. «Ich bin der Fachmann und die Leute wenden sich an mich, das gibt mir ein gutes Gefühl.» Trotz seines Alters wird der 20-Jährige auch immer ernst genommen. Dazu trage auch der persönliche Kundenkontakt bei. «Ich habe schon einige Stammkunden, die erzählen mir auch viel.» Psychologe müsse er aber nicht spielen, es entwickle sich eher ein kollegiales Verhältnis zu den Kunden – genau das schätzen viele am Konzept.

Nikola Schmeling sagt, weshalb er so gern Stylist ist.

Nikola Schmeling sagt, weshalb er so gern Stylist ist.

So wird auch jedem Paket ein Foto des persönlichen Stylisten beigelegt. Zu seltsamen Situationen habe das bisher noch nicht geführt. «Bei ‹Outfittery› zu arbeiten, ist nicht gefährlicher, als wenn man in einem Laden arbeitet», sagt Schmeling. Komplimente von Kunden bekomme er hin und wieder. «Das ist aber völlig in Ordnung.» Stalking habe er noch nicht erlebt. «Nikola ist ein kommunikativer und smarter Typ. Mit diesen Eigenschaften weiss er im Privaten wie im Beruflichen professionell umzugehen», sagt Ivo Bähr, Teamleiter des Verkaufs- und Stylisten-Teams, über den Wettinger. «Dabei liebt er nicht nur Mode, sondern auch seinen Job.»

Männer gehen ungern einkaufen

Dass «Outfittery» sich nur an das männliche Geschlecht richtet, das funktioniert laut Schmeling, weil viele Männer nicht gerne einkaufen gehen. «Trotzdem möchten immer mehr Männer aber stilsicher auftreten.» Für Schmeling war das nie ein Thema: «Ich gehe sehr gerne shoppen.» Schliesslich sei das Interesse an Mode ein Muss, wenn man Stylist ist. Auch könne er sich so neue Inspiration holen. «Von Vorteil in meinem Beruf ist es auch, wenn man eher extrovertiert ist und Einfühlungsvermögen besitzt.»

Sein Interesse an Mode entdeckte Nikola Schmeling während der Lehrstellensuche. «Ich habe bei vielen Berufen geschnuppert, da wurde mir klar, Mode und Verkauf sagen mir am meisten zu», sagt der junge Stylist und lacht. Dass er viel Wert auf sein Äusseres legt, merkt man sofort: Jedes Kleidungsstück sitzt. Schnauz und Kinnbärtchen sind perfekt getrimmt. Damit die Figur stimmt, geht er, wie viele seiner Altersgenossen, regelmässig ins Fitnessstudio. «Ich bin schon ein Ästhet», bestätigt Schmeling. Während er spricht, gestikuliert der Stylist stets mit seinen Händen. Seine Freundin sei froh, dass er so modebewusst ist. «Manchmal kommt es aber vor, dass sie mich berät.» Umgekehrt sei das nicht der Fall, schliesslich liege seine Expertise bei Männerkleidern. Dann fügt er schnell an: «Es wäre auch nicht nötig, meine Freundin ist sehr stilbewusst.»

Sein Markenzeichen: rote Socken

Seine Freunde berät Schmeling nur, wenn sie auf ihn zukommen. «An Silvester war ich sehr gefragt.» Auch sein Vater sei inzwischen einer seiner besten Kunden geworden. Mit Vorurteilen habe er nie zu kämpfen gehabt. «Und an meinen Kleiderstil haben sich alle meine Freunde inzwischen gewöhnt», sagt Nikola Schmeling mit neckischem Unterton.

Dabei blickt er auf seine Kleider, die er gerade trägt: Fast alles habe er von «Outfittery», nur die roten Socken nicht. «Das ist mein Markenzeichen», stellt der Wettinger stolz fest. Ganz klar: Wenn es um Kleider geht, ist Nikola Schmeling in seinem Element. Nur das Bügeln, das müsse noch immer seine Mutter übernehmen. Schmeling: «Ich liebe Hemden, aber ich hasse bügeln.»