Grenzbefestigung
Dieser Mann hat ein Faible für Bunkerbeton

Lange Zeit galten sie als «top secret». Jetzt stehen sie eher verloren in der Landschaft, die Bunker der Grenzbefestigung aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Inzwischen haben aber auch sie ihre Lobby.

Louis Probst
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Solothurner Zeitung

Bunker, sagt Walter Killer, Bunker hätten ihn schon vor 50 Jahren fasziniert. «Aber damals durfte man ja nicht hinein», meint er lachend. Einem Geist ähnlich taucht er aus der Unterwelt, dem Einstieg zu einem einstigen Infanteriewerk in Vogelsang bei Gebenstorf, auf. Nur sein Oberkörper ragt aus dem schmalen Schacht. Der kleine Bunker, eingeklemmt zwischen Strasse und Limmat, bildete zur Zeit des Zweiten Weltkriegs Teil der so genannten Limmatstellung, an der ein aus dem Norden herannahender Feind hätte auflaufen müssen.

«Ich habe lange nach diesem Einstieg gesucht», erklärt Walter Killer und weist auf die massiven Betonplatten, die den Schacht abdecken. «Das war alles mit Erde überdeckt. Und diese Platten waren grausam schwer.» Im Gang zum kreisrunden Kampfraum, in dem noch die Behelfslafette für ein Maschinengewehr steht, haben sich an der Decke weisse Stalaktiten gebildet.

«Ich habe alles gereinigt», sagt Walter Killer und leuchtet die Wände ab. Auch die Panzertür zum Kampfraum lässt sich wieder bewegen. Ich habe sie mit einer Stockwinde angehoben und die Angel mit Fett geschmiert.» Dieser Bunker sei ein Unikum, stellt er fest und leuchtet in ein Betonrohr. «Hier, dieser Notausgang führte in den Keller des Restaurants auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse. Bei Leitungsarbeiten in der Strasse hat man aber einen Teil des Stollens zubetoniert.» Später, wieder am Tageslicht, zeigt er die Kopie einer «Messurkunde» aus dem Jahre 1942, auf der ein «Baurecht» für diesen Stollen eingetragen ist.

27 im Werkhof tätig

Der kleine Bunker gehört der Gemeinde Gebenstorf. Und in Walter Killer, der während 27 Jahren im Werkhof der Gemeinde tätig war, hat man einen erfahrenen Restaurator gefunden. Als Mitglied des Vereins Festungsmuseum Reuenthal, das weit über die eigentliche Festung hinaus eine grosse Zahl von Befestigungsanlagen für die Nachwelt hegt und pflegt, hat er bei vielen Instandsetzungen ähnlicher Bauwerke mitgewirkt. «Endgültig gepackt hat es mich vor einigen Jahren bei der Restauration einer grossen Anlage im Überthal am Bözberg», gesteht der 79-Jährige. «Ich bin einfach der Meinung, dass man erhalten sollte, was unsere Vorfahren mit viel Mühe und Schweiss gebaut haben.»

Der kleine Bunker an der Limmat ist jedenfalls gerettet. «Ich muss aber noch die Scharte etwas freilegen», sagt Walter Killer. Und dann? «Eigentlich wollte ich schon lange ins Wallis in die Ferien», meint er. «Aber es kommen mir stets Termine dazwischen.» Und da ist ja auch noch dieser ehemalige Beobachtungsposten, dessen Eingang zugeschüttet worden ist. «Eine interessante Anlage», meint Walter Killer und lächelt.

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