Start in die Handball-Saison

Dieser Niederrohrdorfer steuert eine Boeing und den TV Endingen

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Der 34-jährige Marco Eggenschwiler aus Niederrohrdorf ist Linienpilot bei der Swiss und Sportchef des Nationalliga-B-Vereins TV Endingen

Mit seinen 198 Zentimetern Grösse passt Marco Eggenschwiler nur zusammengekrümmt durch die Cockpittüre. Seine langen Beine sind für den Pilotenberuf nicht von Vorteil. Für seine andere Leidenschaft sind sie Gold wert. Der 34-Jährige war bis 2008 Spitzenhandballer und ist seit sechs Jahren Sportchef beim TV Endingen.

Der gebürtige Niederrohrdorfer entdeckte den Handballsport schon als Kind. Beim SV Lägern Wettingen ging er in die Handballschule und kämpfte sich hoch bis zur ersten Mannschaft des TV Suhr in die Nationalliga A. Bei seinem ersten Spiel in der höchsten Liga der Schweiz war er erst 20 Jahre alt.

2006 wechselte Marco Eggenschwiler zu St. Otmar St. Gallen und im selben Jahr lief er das erste Mal mit dem Trikot der Nationalmannschaft auf das Spielfeld. Neben dem Spitzensport studierte er damals Aviatik in Winterthur, denn seit Kindestagen begleitete ihn der Wunsch, über den Wolken zu arbeiten. «Pilot war schon immer mein Bubentraum», sagt er.

Fliegen statt Spitzensport

2008 realisierte Eggenschwiler diesen Traum und begann nach einem langen Auswahlverfahren die Ausbildung zum Linienpiloten bei der Swiss. Dieser Schritt bedeutete das Ende seiner Karriere als Spitzensportler. Er wollte ganz mit dem Handballspielen aufhören, doch der TV Endingen mit seinem damaligen Trainer Zoltan Cordas holte den Niederrohrdorfer ins Surbtal. «Zoltan war mein Entdecker und Förderer beim TV Suhr, ich war ihm etwas schuldig. Deswegen spielte ich während der Pilotenausbildung noch zwei Jahre bei Endingen mit reduziertem Trainingsaufwand», sagt Eggenschwiler.

Nach erfolgreicher Schulung vollzog er im Februar 2010 den nächsten Schritt: der erste Linienflug von Zürich nach Genf als agierender Pilot im Cockpit eines Airbus A320. «Meine erste Landung in Genf war perfekt, die zweite dafür nicht wirklich», erinnert sich Eggenschwiler lachend. Seit diesem Frühjahr sitzt er im Cockpit der Boeing 777, dem neuen Aushängeschild der Swiss, und pendelt unter anderem zwischen Los Angeles, Hongkong und Singapur.

Die vielen Abwesenheiten und die spontanen Einsätze machten es für Eggenschwiler unmöglich, weiterhin aktiv für die Endinger auf dem Feld zu stehen. Doch er blieb als Sportchef im Dienst des Vereins. «Ich bin beispielsweise für das sportliche Know-how und die Zukunftsplanung der ersten Mannschaft mitverantwortlich.» Ganz aufgegeben hat er das Handballspielen aber nicht: Er spielt zum Plausch beim SV Lägern Wettingen.

Damit er für sein Sportengagement genug Zeit findet, sei er auf Verständnis und Flexibilität seiner Mitstreiter angewiesen. «Es ist manchmal ein Kampf, allen Ansprüchen gerecht zu werden», gibt er zu. «Es ist auch schwierig, den Puls der Mannschaft zu spüren, wenn ich oft tagelang weg bin. Das bedaure ich.» Im grossen Ganzen stelle sein Beruf aber kein Hindernis dar für seine Funktion als Sportchef, fasst Eggenschwiler zusammen.

Die ewigen Zweiten

Neben seinen beruflichen Höhenflügen erlitt Eggenschwiler mit dem TV Endingen in den letzten Jahren vermehrt unsanfte Landungen. In den vergangenen drei Saisons landete das Team in der Barrage und verpasste jeweils den Abflug von der Nationalliga B in die Nationalliga A äusserst knapp.

Gemäss Eggenschwiler würden sich der TV Endingen und seine Spieler über einen Aufstieg nächstes Jahr natürlich freuen, denn das Team arbeite hart daran, diesen endlich zu realisieren. «Doch unser Ziel ist und bleibt eine Top-Klassierung in der Nationalliga B, hier haben wir unseren Platz gefunden.» Die Zuschauer würden sich vor allem über gute Spiele und viele Siege freuen, so Eggenschwiler. Auch sei es den Fans wichtig, dass sie sich mit den Spielern identifizieren könnten, fügt er an. «In der Nationalliga B können wir mehr eigene Junioren einsetzen, als das in der obersten Spielklasse der Fall wäre.»

Der Saisonstart des TV Endingen führt die Surbtaler am Samstag zum CS Chênois nach Genf. Vielleicht legen die Endinger, inspiriert von der perfekten ersten Landung von Eggenschwiler, auch einen perfekten Start in die neue Spielzeit hin.

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