Urs Gebistorf ist Rentner. Im Ruhestand habe er viel Zeit damit verbracht, zu überlegen, wie er seinen Alltag gestalten möchte, sagt der 68-Jährige. Eines Tages hatte er die Lösung. Mit einer «verrückten Idee» wandte er sich an Gemeindeammann Anton Möckel. Sein Plan: die Beiz im Schwimmbad Wiemel in Würenlos übernehmen.

Ende 2017 lief der Pachtvertrag zwischen der Würenloser Gemeinde und der zuständigen Betreiberin aus. Verlängern wollte der Gemeinderat das Arbeitsverhältnis nicht, stattdessen kündigte er es auf Ende Jahr. Der Grund: Das Schwimmbadrestaurant hatte seit Jahren mit schwindenden Gästezahlen zu kämpfen gehabt.

Auch Urs Gebistorf, der seit 45 Jahren in Würenlos wohnt, war das nicht entgangen. «Ich machte mir Gedanken, was ich am Badi-Restaurant gut, was schlecht finde und erstellte ein erstes Konzept mit Dingen, die ich verändern würde.» Dieses reichte er im Oktober dem Gemeinderat ein. Wenig später stand fest: Gebistorf wird der neue Pächter der Schwimmbad-Beiz. Auf ein Jahr mit automatischer Verlängerung ist der Vertrag befristet.

Das Dorf darf mitbestimmen

Die künftige Ausrichtung der Beiz wollte Gebistorf nicht im Alleingang bestimmen. Zusammen mit der Schwimmbadkommission verteilte er Anfang Jahr einen Fragebogen an alle Würenloser Haushalte. «Ich wollte herausfinden, was sich die Leute wünschen und welche Erwartungen sie an das Restaurant haben.» 200 Rückmeldungen erhielt Gebistorf. Ergebnis: Freundliche Bedienung, frische Zubereitung und eine einfache Menükarte sollen es sein.

So finden sich im Angebot weiterhin Pommes frites, Hamburger oder Glacé wieder. Neu gibt es aber auch Spaghetti und Pizza. «Es sind Speisen, die fast jeder mag, im Normalfall aber nicht zu Hause selber kocht», meint Gebistorf, der die Öffnungszeiten der Beiz flexibler als bis anhin gestaltet. Nebst der Speisekarte, neuem Logo und neuen Sitzmöglichkeiten lässt er auch die Preise nicht unangetastet.

Immer wieder habe er von Leuten im Dorf gehört, dass sie das Angebot in der Schwimmbad-Beiz zu teuer fänden. Eine Meinung, die auch Gebistorf teilte. Mit einem neuen Finanzierungskonzept kann er einige Artikel, wie die Glace, künftig günstiger offerieren.

Eine Beiz auf die Beine zu stellen ist ein finanzieller Kraftakt. Das weiss auch Urs Gebistorf. Weshalb er nichts unversucht liess und auf die Mithilfe der Würenloser setzte: Er versandte ein Schreiben an Freunde und Bekannte, in dem er bat, sich an der Beiz mit dem Kauf von Stammanteilen in Höhe von je 1000 Franken zu beteiligen – mit dem Ziel, zum Start der Bade-Saison die «Badibeiz Würenlos GmbH» zu gründen.

Nicht nur für Badegäste offen

«Dass die Resonanz so positiv ausfällt, hätte ich niemals gedacht», freut sich Gebistorf. Mehr als die Hälfte der notwendigen 60'000 Franken Startkapital sei durch die Stammanteile finanziert. Den Restbetrag zahlt Gebistorf aus der eigenen Tasche. «Der neuen Beiz steht nichts mehr im Wege», sagt er.

Das Restaurant führen wird der pensionierte Würenloser nicht alleine: Rund 20 Personen haben zugesagt, Teilzeit mitzuarbeiten. Der grosse Zuspruch zeige, dass sich das Dorf auf den Start der Saison freue, so Gebistorf. Am nächsten Donnerstag öffnet das Freibad Wiemel. Mit einem Restaurant, das nicht nur Badegäste ansprechen soll: Auch ohne Eintritt ins Freibad ist ein Besuch möglich.