Meditatives Tanzen, eine Strickstube und ein ökumenischer Lesekreis – das ist nur eine kleine Auswahl von Veranstaltungen, die der Frauenbund der katholischen Kirche von Baden und Ennetbaden zu bieten hat. Nächstes Jahr feiert der Frauenbund sein 100-Jahr-Jubiläum.

«Wir freuen uns so sehr auf unser Jubiläum, dass wir den Geburtstag schon jetzt feiern», sagt Gisela Zinn, die Präsidentin des Frauenbunds von Baden und Ennetbaden. Gegründet wurde der Ortsverein im Jahre 1919 durch einen Pfarrer und drei Frauen mit dem Ziel, sich für die Rechte und Bildung der Frauen einzusetzen.

Unter anderem mussten die damaligen Mitglieder einen Jahresbeitrag von 1 Franken zahlen und ein katholisch-sittliches Verhalten gegenüber der Gemeinde pflegen. Angefangen mit sozialer Arbeit für arme Familien und Arbeitslose, hat sich die Vereinstätigkeit in den letzten hundert Jahren weiterentwickelt.

Krippen und Tageshorte gegründet

In Zusammenarbeit mit anderen Frauen gründete der Verein im Verlauf der Jahre Kinderkrippen, Kleiderbörsen und Tageshorte und setzte sich für das Stimmrecht der Frauen ein. Auch die Spitex hat ihren Ursprung im katholischen Frauenbund. Die damaligen Mitglieder, die als Krankenschwestern arbeiteten, pflegten ältere Menschen zu Hause.

Mit der Zeit baute man dieses Modell der Pflege, das heute als Spitex bekannt ist, aus. 250 Mitglieder zählte der Frauenbund ein Jahr nach der Gründung. Heute sind es noch 159, und obwohl man offen gegenüber anderen Religionen geworden ist, bleiben neue Mitglieder aus.

Das ehemalige Vorstandsmitglied Dorethea Brengard sieht einen klaren Grund für diese Abnahme.

«Vor nur 50 Jahren war ein solcher Verein der Grund, dass Frauen endlich mal das Haus verlassen können. Heute brauchen sie diesen zum Glück nicht mehr.» Brengard kam damals wie die meisten Mitglieder durch Mundpropaganda zum Verein.

«Ich bin der Bekannten, die mich damals zum Frauenbund geführt hat, sehr dankbar.» Die ehemalige Lehrerin zog vor über zehn Jahren von Kaisten nach Ennetbaden. Durch den Verein fand sie neue Freunde und fühlt sich heute in der Umgebung zu Hause.

Gisela Zinn, die frisch gewählte Präsidentin des Frauenbunds, die ursprünglich aus Panama stammt, wünscht sich für die Zukunft vor allem eins: «Leider haben wir mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, ich wünsche mir junge und engagierte Frauen für den Verein.»

Für Zinn, die seit fünf Jahren im Frauenbund dabei ist, war es nach ihrer Ankunft in der Schweiz wichtig, in einer Organisation tätig zu sein. Durch ihren Glauben kam sie dann zum katholischen Frauenbund.

«Es gibt mir ein Gefühl des Zusammenhalts. Ausserdem lernt man immer wieder interessante Menschen kennen», sagt Zinn. Mit Mundpropaganda und einem Aufruf im Pfarrblatt «Horizonte» hofft sie, dass junge Frauen angelockt werden.

Natürlich seien auch die Älteren willkommen, aber für das Bestehen des Frauenbundes braucht es jungen Zuwachs, so Zinn.

Die geplanten Anlässe stehen alle im Zusammenhang mit der Zahl 100. Den Anfang machte der Frauenbund mit den Frauen des Hilfswerks der evangelischen Kirche Schweiz (HEKS).

Vor zwei Wochen jassten die Frauen der beiden Vereine mit weiblichen Flüchtlingen in der Arche im Rütihof bis auf 100.

Mit Filmabenden wie «Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand» oder Lesungen des Autors Micieli Francesco aus dem Buch «Hundert Tage mit meiner Grossmutter», werden die Anlässe mit der Zahl 100 das ganze Jahr durch weitergeführt.

Eines fügt Gisela Zinn noch lachend hinzu: «Primär geht es um uns Frauen, aber auch Männer sind zu den Anlässen herzlich eingeladen.»