Wer durch die Stadt spaziert, kommt kaum an Hans Trudels (1881–1958) Kunstwerken vorbei. Zu den Werken im öffentlichen Raum des Bildhauers, Malers und Holzschneiders gehören unter anderem das Wandbild im Singsaal des Bezirksschulhauses, das Relief beim Kurtheater, die Balkendecke im Zimmer des Stadtammanns oder Bacchus im Kurpark. Immer wieder musste Trudel für seine Skulpturen Kritik einstecken.

«Ursprünglich war Trudel Maschinenkonstrukteur», sagt Stadtführer Fredy Hauser, 1915 hängte er sein bürgerliches Dasein aber an den Nagel und reiste an die Akademie in Wien, wo er Bildhauerei studierte. Er lebte und arbeitete im Haus am Rain an der Oberen Halde, dem heutigen Trudelhaus. Um seine Frau Paula und die drei Kinder durchzubringen, wirtete er im «Belvédère». «Möglich machte dies sein Sponsor Bruno Saft, Direktor des Grand Hotels und Besitzer des Belvédère», sagt Hauser.

Hans Trudel.

Hans Trudel.

Zeitlebens kämpfte Trudel mit materiellen Existenzproblemen und um Anerkennung. Vor allem die Nacktheit seiner Figuren kam bei den prüden Badenern nicht gut an. So beispielsweise das kurz nach dem Ersten Weltkrieg erschaffene «Tränenbrünneli» an der Limmatpromenade, das weinende, nackte Kinder darstellt. «Den splitternackten ‹Flieger›, der heute auf dem Bahnhofplatz steht, musste Trudel mit einem Feigenblatt entschärfen», sagt Hauser. Das Blatt wurde 1972 wieder entfernt. Zu den Skulpturen, die wegen ihrer Freizügigkeit kritisiert wurden, gehört zudem die Rosenfrau von 1921, die heute im Kurpark steht. Alle drei Figuren wurden von Unbekannten beschädigt.

Auch der Löwe auf der Säule des Löwenbrunnens sorgte für rote Köpfe: Er brüllt in Richtung Stadtturm, während das Füdli in Richtung der katholischen Kirche zeigt. «Trudel erschuf diese Skulptur 1918 in einer Übernacht-Aktion ohne Auftrag.» Die beiden Türknöpfe – einer wütend, der andere traurig – am Stadthaus waren vermutlich ebenfalls ein Seitenhieb gegen die Obrigkeit.