Das legendäre Hotel und Restaurant «La Petite Gilberte» in der jurassischen Gemeinde Courgenay hat neue Besitzer: Bruno und Evelyne Bernasconi, Anwälte und Immobilieninvestoren aus Killwangen im Bezirk Baden, haben das historisch bedeutende Gebäude bei einer Zwangsversteigerung für 930 000 Franken erstanden.

«Wir haben vor wenigen Tagen dank eines Zeitungsartikels in der ‹Schweiz am Sonntag› von der Versteigerung erfahren und dann sehr rasch entschieden, für den Kauf mitzubieten», erzählt Bruno Bernasconi. Seine Frau besitzt das Bürgerrecht des Kantons Jura, und beide lebten dort nach dem Jus-Studium während rund eines Jahres, weswegen dem Ehepaar das Schicksal und die Zukunft des Hotels am Herzen liegen.

Patriotische Figur

Das Hotel zählt zu den wichtigsten Erinnerungsorten der Schweizer Geschichte. Berühmtheit erlangte es während des 1. Weltkrieges vor hundert Jahren unter dem Namen «Hôtel de la Gare». Tausende Soldaten waren nach der Mobilmachung in Courgenay und Umgebung stationiert, sie alle gingen im Bahnhofbuffet ein und aus und wurden von der Tochter des Wirts umsorgt – sie hiess Gilberte Montavon und wurde zum Liebling der in der Ajoie stationierten Deutschschweizer Truppen.

Mythos in Courgenay versteigert.

Die Legende besagt, dass sie sämtliche Soldaten und Offiziere beim Namen kannte. Schweizweit bekannt wurde «La Petite Gilberte de Courgenay» dank dem gleichnamigen Lied aus dem Jahr 1917. In den 1940er-Jahren wurde gar ein Film über die Wirtstochter gedreht, was sie zu einer legendären patriotischen Figur machte.

Zuletzt gehörte das Hotel einer Stiftung, die Konkurs ging, und die Zukunft des Hotels war ungewiss. Die Bernasconis wollen es so weiterführen wie bisher, das Restaurant funktioniere, bewirtschafte viele einheimische Gäste als auch Touristen. Der langfristige Erhalt sei das wichtigste Ziel. Bernasconi gerät ins Schwärmen, es sprudelt aus ihm heraus: «Der Mythos muss weiterleben. Es gibt nur wenige identitätsstiftende Erinnerungsorte von gesamtschweizerischer Bedeutung. Im Gegensatz zu vielen solcher Erinnerungsorte ist «La Petite Gilberte» ausschliesslich mit positiven Erinnerungen verbunden.»

Seit Jahrzehnten wohnen die Bernasconis in Killwangen. Schon der Vater Bernasconis war im Immobilienbereich tätig, weswegen er von Haus aus überdurchschnittlich stark an Architektur und Immobilien interessiert sei. «La Petite Gilberte» ist nicht das erste bahnhofsnahe Gebäude in seinem Besitz: Vor einigen Jahren kaufte er das ehemalige Restaurant Bahnhof in Killwangen, baute es innen in ein Bürogebäude um.

Darin befinden sich nun die Anwaltskanzlei und Immobilienbetriebe. «Sowohl in Killwangen als auch in Courgenay handelt es sich primär um eine Herzensangelegenheit – der Renditegedanken muss bei derartigen Gebäuden in den Hintergrund treten.»