Wettingen
Dieses Haus produziert mehr Energie, als es eigentlich braucht

Ein Haus mit Baujahr 1946 wurde saniert, mit einer Photovoltaikanlage und einer Wärmepumpe ausgestattet. Nun erzeugt das Haus mehr Energie, als es benötigt. Die Familie, die darin wohnt, kann die überschüssige Energie so verkaufen.

Janine Gloor
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Architekt Reto Miloni (r.) erzählt den Gästen, wie das Haus funktioniert.

Architekt Reto Miloni (r.) erzählt den Gästen, wie das Haus funktioniert.

Janine Gloor

Das Haus der Familie Beck Rimann tanzt im Quartier aus der Reihe. Schon von Weitem ist zu sehen, dass die gesamte Südseite des Dachs mit einer Photovoltaikanlage versehen wurde. Zudem wirkt es ein bisschen behäbig, die Fenster sind, fast wie bei einem Engadinerhaus, von dicken Mauern umgeben und von der Hausmauer zurückversetzt.

Das Haus mit Baujahr 1946 wurde nach Minergie-P-Standard saniert. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach und eine Wärmepumpe erlauben es, das Haus CO2-neutral zu betreiben.

Die jährliche Energiebilanz fällt positiv aus, denn die Solarzellen produzieren 155 Prozent des gesamten Energiebedarfs. Den Überschuss kann die Familie verkaufen. Für diese Leistung wurde das Haus mit dem Solarpreis 2015 ausgezeichnet.

Der Einladung zur offiziellen Vorstellung und Eröffnung des preisgekrönten Hauses sind illustre Gäste gefolgt. SP-Ständerätin Pascale Bruderer, CVP-Nationalratskandidatin Marianne Binder, GLP-Nationalrat Beat Flach, BDP-Nationalrat Bernhard Guhl und Antoinette Eckert, Vizeammann von Wettingen, lauschen den Ausführungen des Architekten Reto Miloni.

Jonas Fricker, Präsident der Grünen Aargau, hört ebenfalls aufmerksam zu, muss jedoch nebenbei Acht geben, dass sich seine zwei kleinen Kinder nicht vorzeitig über den Apéro hermachen. Die SVP bleibt dem Anlass fern.

Artig gratulieren die Politiker den Hausbesitzern zu ihrem Mut und loben den Pioniergeist. «Wieso wird nicht mehr so gebaut?», will Jonas Fricker von seinen Kollegen wissen. Eine abschliessende Antwort kann niemand geben.

Wer sein Haus energieeffizient umbauen will, muss über das nötige Kleingeld verfügen. 700 000 Franken hat der Umbau des Einfamilienhauses gekostet. «Der gesetzliche Druck ist nicht da», meint Reto Miloni, der sich auf Solaranlagen spezialisiert hat.

Zudem sei das Öl momentan zu billig, um die Leute zum Umdenken anzuspornen. Doch Miloni gibt nicht auf. «Vor über zehn Jahren ist erstmals nach Minergie-P-Standard gebaut worden.» Damals habe niemand daran geglaubt. Der Komfort und die Wirtschaftlichkeit seien aber Gründe, denen niemand widersprechen könne.

Die Familie Beck Rimann ist mit ihrem Haus mehr als zufrieden. «Wir haben dieses Jahr noch nie geheizt, trotzdem ist es schön warm», sagt die Bauherrin. Ein Gang durch das Haus bestätigt diesen Eindruck.