Die «Schlagzeugbande» schlägt auf ihren Trommeln einen Beat, der in die Magengrube fährt. Das Stück im Asphalt gegarter Schinken zittert leicht an der Gabel der Tischnachbarin. Sie hat sich eine Serviette über ihre Untersiggenthaler Sonntagstracht angezogen, damit die kostbaren Stickereien unbefleckt bleiben.

Während die «Jugendbande» unter der Leitung von Flavio Killer Deep Purples «Smoke on the Water» spielt, fällt der Blick auf die weiss behandschuhten Hände des Service-Personals. Die nüchternen Wände der Mehrzweckhalle, in der die Spielgemeinschaft MG Untersiggenthal und Badenia Baden ihren Jahresanlass «Bsteck & Musig» unter dem Motto «BrauCHtum» veranstalten, sind mit riesigen, handbemalten Laternen der Fasnachtsgesellschaft «Alti Glaibasler» ausstaffiert. Im Eingangsbereich gibt es am Stand der Gastregion Val-de-Travers Absinth mit einem Alkoholgehalt von 68 Prozent zu verkosten. Moderatorin Patti Basler muss ihrem Bühnenkollegen Volker (alias Philippe Kuhn) später auf der Bühne erklären, was es mit der grünen Fee auf sich hat. «Bsteck & Musig» verbindet Essen und Kultur zu einem abend- und magenfüllenden Programm.

Spielkunst steht im Vordergrund

«Mit einem herkömmlichen Jahreskonzert holt man heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor», meint MG Untersiggenthal- und Badenia-Baden-Dirigent Flavio Killer. Um etwas gegen die schwindenden Publikumszahlen zu unternehmen, rief er das multikulturelle Happening «Bsteck & Musig» ins Leben, das jedes Jahr unter einem anderen Motto steht. Seitdem ist die Mehrzweckhalle Untersiggenthal wieder rappelvoll. Trotz hochkarätiger Gäste und einem feinen Dreigangmenü steht aber die Spielkunst der rund 30 Musikantinnen und Musikanten der beiden Vereine im Vordergrund. Und die schmettern den Zürcher Sechseläutenmarsch mit viel Temperament von der Bühne, dass sie das Publikum sofort im Sack haben. Killer hat für das Konzert zum Motto «BrauCHtum» besondere Stücke ausgewählt. Zum Beispiel «Fischer» von Patent Ochsner oder ein ungewöhnlich swingendes «Zündhölzli» von Mani Matter. Als Supplement gibts noch etwas gewohnt spitzzüngigen und pointierten «Frontalunterricht» von Patti Basler und Philippe Kuhn sowie Aargauer Rüeblitorte, der von der Trachtengruppe Untersiggenthal serviert wird.

Am Schluss wird es emotional. Christian Keller, Präsident der MG Untersiggenthal, verabschiedet Flavio Killer. Dass er der Spielgemeinschaft das letzte Mal vorstand, wussten viele im Publikum nicht. «Ich brauche Freiraum und will mich mehr um die Nachwuchsförderung kümmern», meint der Taktstockschwinger, der einen 80-Prozent-Job in der IT-Branche hat und zudem noch der MG Bünzen vorsteht. Sein Nachfolger wird ab Sommer Martin Borner aus Rupperswil sein. Der 31-Jährige hat in Luzern ein Masterstudium in Jazz Performance absolviert. Killer, 40, bleibt der Formation aber als Cornetist und Vizedirigent erhalten. Zudem wird er weiterhin im OK von «Bsteck & Musig» mitwirken. «Das ist mein Vermächtnis», sagt der Untersiggenthaler. Und es wird einen kurzen Moment ganz ruhig im Saal, als Killer seinen Dirigentenstab zum Finale nochmals anhebt.

Ruggusseli und Talerschwingen vom Öhrli-Chörli aus dem Appenzell:

Ruggusseli und Talerschwingen vom Öhrli-Chörli aus dem Appenzell