Wettingen
Dirigent hat Solistin mehrmals unter den Rock geguckt

«Tänzerische Rhythmen, tiefgründig melancholische Melodien, schluchzende Töne, ausufernde Freude», so beschreibt Dirigent Christian Noth die jüdische Volksmusik, genannt Klezmer. Die Jägermusik Wettingen und die Stadtmusik Baden spielten gemeinsam..

Matthias Steimer
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Stadtmusik Baden und Jägermusik Wettingen
6 Bilder
Die Spielgemeinschaft Jägermusik Wettingen/Stadtmusik Baden
Solistin Eva Noth
Klezmer-Konzert im Tägerhardsaal
Hier wird volle Konzentration gefordert
Dirigent Christian Noth

Stadtmusik Baden und Jägermusik Wettingen

mhu

Genauso facettenreich war denn auch das Konzert am Samstagabend im Tägerhardsaal. Die Jägermusik Wettingen und die Stadtmusik Baden boten verschiedene Einblicke in die jüdische Musik und Kulturgeschichte.

Das grosse Blasorchester spielte Werke, die historische Ereignisse thematisieren, auch die schlimmste Zeit der Juden unter dem Naziregime. So mit der Filmmusik zu «Schindlers Liste». Der Film handelt davon, wie der Industrielle Oskar Schindler über 1000 verfolgte Juden vor dem Tode rettete. Doch bevor sich die Mienen im Orchester verfinsterten, kam es zu einer unerwarteten erheiternden Szene: Der Dirigent Christian Noth guckte vor dem Auftritt der Solistin abermals unter den Rock. Wie bitte? «Der darf das, er ist der Ehemann», ruf ein Musiker aus den hinteren Reihen. Herzhaftes Lachen im Publikum. Die Erklärung für die scheinbare Unverschämtheit war schnell gefunden: Die Geige musste wegen der lauten Spielgemeinschaft verstärkt und entsprechend verkabelt werden. Das Kabel versteckte sich unter dem eleganten Kleid von Eva Noth.

So nachdenklich die Filmmusik stimmte, so sinnig zeigten sich die Musiker bei Piet Swerts «Shirim», als sie das weltberühmte Thema «Donna Donna» summten. Wer es in der Schule oder Pfadi sang, erinnerte sich.

Musikalisches Herzstück des Konzerts bildeten die «Yiddish Dances». Dem Werk von Adam Gorb liegen fünf traditionelle Tänze zugrunde: Koshidl, Terkishe, Doina, Hora und Freylachs. Entsprechend oft musste das Orchester den musikalischen Charakter und die Taktart wechseln – das klappte und das machte Spass.

Ebenfalls von Adam Gorb spielten die Musiker «Ein kleine Yiddishe Ragmusik». Dieses unbändige Stück riss das Publikum gleichermassen mit wie den Dirigenten, der ein lautes «badim, dabam!» nicht mehr zurückhalten konnte. So tänzerisch endete auch das Konzert, mit «Symphonic Dances from Fiddler on the Roof» von Jerry Bock. Das Konzert fand am Sonntag ein zweites Mal statt: sinnigerweise im Dorf Lengnau, das einst als Judendorf galt.

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