Vor elf Jahren nahm der Kanton Glarus eine Pionierrolle ein. Als erster Kanton in der Schweiz gewährte er seinen 16-Jährigen das Wahl- und Stimmrecht auf Kantons- und Gemeindeebene.

Seither gab es auch in anderen Kantonen Bestrebungen, das Mindestalter herabzusetzen – die aber allesamt im Sande verliefen. Der Debatte, ab wann Schweizer Bürger wählen sollten, nahmen sich gestern an der Bezirksschule Baden nun diejenigen an, die es am unmittelbarsten betrifft: Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren.

Statt sportlich gekleidet fürs Turnen versammelten sich die Drittklässler in der Turnhalle für den sogenannten «Tag der Politik».

Drei der Schüler, die Klassenkameraden Mick Biesuz, Jan Suter und Fabian Zehnder, hatten den Anlass auf die Beine gestellt und durften für ihr Podium eine illustre Gästerunde begrüssen: SP-Grossrat Dieter Egli, Ex-Grünen-Nationalrat Jonas Fricker, Stadtammann Markus Schneider (CVP), der Turgemer Gemeindeammann Adrian Schoop (FDP) sowie SVP-Grossrat Daniel Aebi nahmen inmitten von Schülerinnen und Schülern auf dem Podest Platz.

Das ganze politische Spektrum von links nach rechts wurde abgedeckt und wie zu erwarten war, gingen auch die Meinungen zur Diskussionsfrage weit auseinander. Während sich Egli und Fricker unisono für eine Lockerung des Mindestalters aussprachen, zeigten sich Schneider, Schoop und Aebi ein wenig skeptischer.

«Nichts spricht dagegen», sagte Egli. Eine Senkung führe zu «mehr Demokratie», pflichtete ihm Fricker bei. Schneider und Schoop fanden, dass zurzeit kein Bedarf für eine Änderung bestehe. Aebi wies darauf hin, dass 16-Jährige mit neu hinzugewonnenen Rechten auch mehr Pflichten zu tragen hätten. «Das könnte für einige noch zu früh kommen.»

Kann Staatskunde neutral sein?

Nach den Anfangsvoten der Politiker kamen schliesslich auch die Schüler zu Wort. «Ich sollte stimmen dürfen, wenn ich mich im gleichen Alter auch für eine Lehre oder eine Schule entscheiden muss», sagte ein Schüler in der ersten Reihe.

Er empfinde es als «beleidigend», wenn gewisse Politiker es den Jungen nicht zutrauen würden, mit politischen Rechten und Pflichten umzugehen. Demgegenüber stand die Meinung einer Schülerin, wonach Jugendliche in ihrem Alter noch gar keine festen politischen Ansichten entwickeln könnten. «Uns fehlt das nötige Basiswissen.»

Im selben Atemzug wurden in der Diskussion Rufe nach einer institutionalisierten politischen Bildung in Form von Staatskundeunterricht laut. Für die Idee sprach sich auch Adrian Schoop aus: «Politisches Grundwissen sollte einem schon in jungen Jahren vermittelt werden.»

Einige der Schüler äusserten aber auch Bedenken, dass die Informationen nicht neutral vermittelt werden könnten, weil Lehrer sich nicht komplett von ihrer eigenen politischen Meinung lösen könnten.

Das sah unter anderem Jonas Fricker anders: «Die Lehrer sind genug professionell, das Wissen objektiv weiterzugeben.» Das gängige Vorurteil, dass alle Lehrer nur «links» eingestellt seien, entspreche zudem nicht der Wahrheit.

Wiederholung erwünscht

Ob Stimmrechtsalter oder Staatskundeunterricht: Wie bei Podien üblich, konnte bei den Beteiligten zum Schluss kein gemeinsamer Nenner gefunden werden. Für Initiant Mick Biesuz macht genau das den Reiz solcher Anlässe aus: «Die Schülerinnen und Schüler können hautnah Debatten miterleben und alle Seiten anhören. Möglicherweise interessieren sie sich danach stärker für die Politik.»

An der Bezirksschule in Baden war das Interesse der Jugendlichen an der Politik gestern Vormittag jedenfalls spürbar. Biesuz würde sich auf eine Wiederholung an seiner Schule freuen. Der Jungfreisinnige hofft auch auf Nachahmereffekte: «Wer weiss, vielleicht werden ja auch andere Schulen dazu ermutigt, eine solche Veranstaltung auszuprobieren.»