Baden

Diskussion um Strassenmusik: Stadtrat Erich Obrist will die Regeln lockern

Die Diskussion um Strassenmusik in der Innenstadt kam auf, nachdem der Strassenmusiker Frank Powers (Bild) aus der SBB-Unterführung weggewiesen wurde, weil Musizieren dort verboten ist.

Die Diskussion um Strassenmusik in der Innenstadt kam auf, nachdem der Strassenmusiker Frank Powers (Bild) aus der SBB-Unterführung weggewiesen wurde, weil Musizieren dort verboten ist.

Der Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos) will eine einfachere Lösung für Strassenkunst. Heute dürfen Strassenmusiker wie Frank Powers auf städtischem Grund maximal einmal pro Monat für einen halben Tag musizieren.

Für Strassenmusiker wie Frank Powers könnte sich bald eine einfachere Lösung abzeichnen, wenn es um das Musizieren auf öffentlichem Terrain in der Stadt Baden geht: Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos) will mit der Kulturabteilung eine einfachere Möglichkeit finden, als es das Reglement der Abteilung öffentlichen Sicherheit derzeit vorsieht.

Frank Powers: Der Strassenmusiker von Baden

Frank Powers: Der Strassenmusiker von Baden

Frank Powers kommt zwar aus Brugg, spielte aber immer in der Bahnhofsunterführung in Baden. 

Diese Lösung wäre in einem Pilotversuch zu prüfen. Den Anstoss dafür gab Einwohnerrat Benjamin Steiner (Team Baden), der unter neckischem Titel «Baden ist. Frank Powers» einen Vorstoss einreichte.

Er hatte den Stadtrat gebeten zu prüfen, wo und unter welchen Bedingungen eine freie und unbürokratische Zone für künstlerische Darbietungen möglich ist. Immerhin gelte Baden als lebensfrohe Kulturstadt. Strassenmusiker und -künstler könnten die Innenstadt lebendiger und attraktiver machen, ist Steiner überzeugt.

Die Diskussion um Strassenmusik in der Innenstadt kam auf, nachdem der Strassenmusiker Frank Powers aus der SBB-Unterführung weggewiesen wurde, weil Musizieren dort verboten ist. Wie zahlreiche Strassenmusiker es nach wie vor tun, spielte er in der Unterführung, weil ihm das Reglement der Stadt zu streng sei, wie er sagt.

Dieses schreibt vor: Auf städtischem Grund darf ein Strassenmusiker maximal einmal pro Monat für einen halben Tag musizieren. Die Stadtpolizei erteilt die Bewilligung frühestens eine halbe Stunde vor Spielbeginn. Diese kostet 10 bis 15 Franken. Pro Halbtag darf nur ein Musiker spielen. Dieser muss jeweils alle 30 Minuten seinen Standort um mindestens 100 Meter verlegen und darf nicht zweimal am gleichen Ort spielen.

Stadtrat liess Antwort noch offen

Steiner argumentierte in seinem Vorstoss mit dem ersten Leitsatz des Badener Kulturkonzepts: Dieser verlangt unter anderem, dass die Stadt das freie Schaffen und Kultur mit experimentellem und unkonventionellem Charakter unterstützt.

Der Stadtrat schrieb in seiner Antwort: «Die Frage, wo und unter welchen Bedingungen eine ‹freie und unbürokratische Zone für künstlerische Darbietungen› möglich ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden.» Er vertröstete Steiner auf das erste Legislaturziel 2018: «Spielregeln und Verhaltensweisen für eine verantwortungsvolle Nutzung des öffentlichen Raums sind gemeinsam verhandelt und alle Anspruchsgruppen bekannt.»

Dafür werden insgesamt vier Abteilungen unter Federführung der Abteilung Entwicklungsplanung zusammensitzen und «die zu beachtenden öffentlichen Räume» sowie die «einzubeziehenden Interessengruppen» definieren, erklärte Abteilungsleiter Rolf Wegmann. 2017 werde man mit den definierten Interessengruppen zusammensitzen und ihre Anliegen diskutieren und versuchen, jene Spielregeln zu definieren.

Versuch mit weniger Bürokratie

Unbürokratisch klingt anders. Das findet auch Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist. Dass er nun von der stadträtlichen Antwort etwas abweicht, dazu stehe er, sagt er. «Persönlich finde ich, dass es eine einfache Lösung für Strassenmusiker geben müsste.»

Als Stadtrat müsse er aber auch die verschiedenen Interessengruppen und Anliegen der Abteilungen berücksichtigen. «Es wird seine Gründe haben, weshalb die Stadt ein strenges Reglement für Strassenmusiker hat.» Trotzdem: Als Kulturvorsteher ist Obrist überzeugt, «Strassenmusiker- und Künstler würden die Stadt beleben und attraktiver machen».

Deshalb will er mit der Kulturabteilung parallel zur Arbeit der Abteilung Entwicklungsplanung eine simple Lösung suchen, die man während einer begrenzten Dauer testet. «Ich werde mit der Kulturabteilung prüfen, ob ein solcher unkonventioneller Pilotversuch machbar ist.»

Und die simple Lösung? Denkbar sei etwa, dass Strassenmusiker an einzelnen Wochentagen an definierten Orten in der Innenstadt musizieren können, wenn sie dafür ein Ticket haben. Dieses Ticket würde die erwähnte Bewilligung ersetzen. «Damit nicht 20 Strassenmusiker auf einmal am gleichen Ort spielen, könnte man auf dem Ticket ein Zeitfenster festlegen», sagt Obrist.

Dies sei aber nur eine von mehreren Optionen, wie man Strassenmusikern eine einfachere Spielmöglichkeit bietet, ohne dass Restaurant- oder Geschäftsbesitzer täglich dauerbeschallt werden.

Bei der City Com, der Innenstadt-Vereinigung der Badener Detaillisten, ist man der Ansicht, dass Strassenmusiker der Innenstadt zwar guttun. «Doch das aktuelle Reglement ist gut und sollte nicht geändert werden», sagt City-Com-Präsident Robert Sailer. «Zudem wird der Aufwand bei einer Änderung des Reglements wohl der gleiche bleiben wie jetzt.»

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