Politischer Paukenschlag

Doppelrücktritt in Neuenhof: «Gemeinderat arbeitet gegeneinander, nicht miteinander»

Gehen in Zukunft getrennte Wege: Ammann Susanne Voser und Gemeinderat Andreas Muff demissionieren aus dem Gemeinderat.

Gehen in Zukunft getrennte Wege: Ammann Susanne Voser und Gemeinderat Andreas Muff demissionieren aus dem Gemeinderat.

Ammann Susanne Voser und Andreas Muff haben genug: Das Neuenhofer Gremium arbeite gegeneinander und nicht miteinander.

Politischer Paukenschlag in Neuenhof: Am Donnerstag um 8.39 Uhr verschickte der Gemeindeschreiber eine E-Mail mit überraschendem Inhalt. «Susanne Voser, Gemeindeammann (CVP), und Andreas Muff, Gemeinderat (parteilos), haben ihre Demissionen aus dem Gemeinderat auf den nächsten Urnengang vom 9. Februar 2020 eingereicht.» Die beiden begründeten ihren Rücktritt damit, dass eine Zusammenarbeit im Gremium des Gemeinderates nicht mehr möglich sei, heisst es in der Nachricht. Und weiter: Zu den Rücktritten sei es trotz externer Begleitung und Moderation gekommen.

Um 9.56 Uhr wenden sich Voser und Muff mit einer eigenen Mitteilung an die Medien. «Gründe für unsere Demission sind die aktuell schwierige Zusammenarbeit innerhalb des Gemeinderates, was dazu führte, dass diverse Geschäfte in den letzten Monaten nicht mehr der notwendigen und gewohnten Qualität auf der strategischen Ebene entsprachen.» Voser hält in der Nachricht fest: «Es ist mir nicht mehr möglich, mich ernsthaft und mit Herzblut in einem Gremium einzubringen, welches gegeneinander und nicht miteinander für das Wohl unserer Gemeinde arbeitet.» Unterschiedliche Lösungsfindungsversuche und der Beizug eines externen Beraters hätten leider keine Klärung erwirkt.

Andreas Muff ist seit dem 1. Januar 2014 im Amt, Susanne Voser seit dem 1. Januar 2012 im Amt. Vosers restliche politischen Ämter – sie ist unter anderem Grossrätin und Vizepräsidentin der CVP Aargau – stünden aktuell nicht zur Diskussion. Die beiden Politiker halten fest, es sei ihr primäres Ziel, die aktuelle Situation zum Wohle der Gemeinde Neuenhof zu lösen. Der zukünftige Gemeinderat dürfe auf die Unterstützung einer bestens funktionierenden Verwaltung zählen. «Neuenhof steht auf einem guten Fundament», sind sie überzeugt.

Muff wollte bereits Anfang Jahr zurücktreten

Im Telefongespräch werden die beiden Gemeinderäte deutlicher. Susanne Voser sagt: «Früher haben wir im Gemeinderat alle am selben Strick gezogen, wodurch wir viel erreichen konnten. Neue Ausgangslagen und Kräfteverhältnisse haben die Zusammenarbeit aber zunehmend erschwert und die Qualität der Geschäfte beeinflusst.» Der Entscheid für den Rücktritt sei ihr sehr schwer gefallen: «Gemeindeammann ist der schönste Job der Welt, erst recht, wenn man im Dorf aufgewachsen und Ortsbürger ist.» Auf die Frage, ob es im Gemeinderat zwischenmenschlich nicht mehr funktioniert habe, sagt sie: «Auf der strategischen Ebene, im Gemeinderat, war die Zusammenarbeit schwierig.»

Andreas Muff sagt, aus seiner Sicht hätten die Schwierigkeiten im vergangenen Herbst begonnen, «als Geschäfte innerhalb des Gemeinderates infrage gestellt wurden». Während der Weihnachtsferien habe er sich eigentlich bereits für einen Rücktritt entschieden, «doch Frau Gemeindeammann Voser holte mich zurück ins Boot. Sie konnte mich überzeugen, es noch einmal zu versuchen.» Die Schwierigkeiten innerhalb des Gemeinderates könnten nicht an einem einzelnen Geschäft festgemacht werden, sagt er weiter. Muff spricht von einer Blockade im Gemeinderat, die auch das mehrmonatige Mediationsverfahren nicht habe lösen können. Nach der Abschlussveranstaltung des Mediationsverfahrens vor wenigen Wochen habe er sich dann doch für den Rücktritt entschieden.

Vizeammann: «Rücktritt kam letzten Endes überraschend»

Und die restlichen drei Gemeinderäte? Neuenhofs Frau Vizeammann, Petra Kuster Gerny (SVP), sagte am Nachmittag: «Wir haben es lange miteinander versucht, mittels eines längeren Prozesses mit dem externen Berater. Der Doppelrücktritt kam letzten Endes auch für mich überraschend.» Ob sie im Februar 2020 als Gemeindeammann kandidieren werde, darüber habe sie sich noch keine Gedanken gemacht. Fred Hofer wollte sich auf Anfrage nicht zur Situation im Gemeinderat äussern. Marco Hürsch war nicht erreichbar.

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