Diesen Sommer sollen die Umbau- und Sanierungsarbeiten des Postgebäudes an der Bahnhofstrasse beginnen (AZ vom 23. Februar). Während die Hauptfiliale der Post auch nach dem Umbau – dieser soll Ende 2019 abgeschlossen sein – im Gebäude verbleibt, stehen die Zeichen für das Fitnesscenter Baden auf Abschied. Auf Anfrage des «Badener Tagblatts» bestätigt Firmengründer und Inhaber Armin Vock: «Ja, wir verlassen das Postgebäude nach 15 Jahren und ziehen ins Falkengebäude am Schulhausplatz ein.»

Im Herbst 2018 wäre der laufende Vertrag mit der Eigentümerin Zuriba AG ausgelaufen. «Als uns letzten Sommer mitgeteilt wurde, dass wir zwar einen neuen Vertrag erhalten, der Mietzins aber auf ‹ortsübliches Niveau› angehoben wird, war das ein regelrechter Schock. Denn das hätte zur Folge gehabt, dass er doppelt so hoch gewesen wäre wie heute.» Die Eigentümerin lässt auf Anfrage ausrichten: «Wir diskutieren Mietverträge nicht in der Öffentlichkeit.»

So oder so war für Vock sofort klar: «Mit diesem Mietzins rentiert mein Fitnesscenter nicht mehr.» Er habe sich kurz überlegt, die doppelte Miete gerichtlich anzufechten, entschied sich dann aber dagegen. «Selbst wenn ich vor Gericht eine etwas tiefere Miete hätte erwirken können, wären das Risiko respektive die Ungewissheit der 1½ Jahre dauerenden Bauarbeiten im Raum gestanden.» Er habe das Risiko mit Lärm und anderen Baustellen-Emissionen nicht eingehen wollen.

«Aus Erfahrung weiss ich, wie schnell man Mitglieder verliert beziehungsweise wie schwierig es ist, diese wieder zu gewinnen», sagt Vock. Und noch aus einem anderen Grund habe er sich gegen eine Vertragsverlängerung entschieden. «Geplant ist, dass die Zugänge künftig über die zum Gleis hingewandte Seite erfolgt. Das wäre ganz klar eine Verschlechterung zur heutigen Situation; vor allem für unsere weiblichen Mitglieder – immerhin 60 Prozent aller Mitglieder –, weil sich diese Seite wenig einladend und frequentiert präsentiert.»

Aufhören war kurz eine Option

Nachdem klar war, dass er den Vertrag nicht mehr verlängert, hätte sich der 66-Jährige sagen können, «das wars, ich gehe in Rente». Diese Überlegung sei tatsächlich kurz im Raum gestanden, so Vock. «Doch schnell realisierte ich, dass ich noch zu sehr an diesem Projekt hange. Zudem verspüre ich eine grosse Verantwortung meinen rund 30 Angestellten sowie 1000 Mitgliedern gegenüber. Seit 30 Jahren bin ich in Sachen Fitnesscenter die Nummer 1 und das einzige 5-Sterne-Fitnesscenter in der Region; das gibt man nicht einfach so auf.»

Und wo werden künftig Gewichte gestemmt und Kilometer auf dem Laufband absolviert? «Am 14. April eröffnen wir unser neues Fitnesscenter im Falkengebäude», sagt Vock stolz. Erst Anfang Woche habe man die Verträge unterzeichnet. Das Fitnesscenter wird alle Räume im Erdgeschoss in Beschlag nehmen – spätestens Ende Oktober auch die Fläche, wo sich heute noch der Denner befindet. Der Detailhändler habe seinen Vertrag auf Ende Oktober gekündigt und sei jetzt auf der Suche nach einem neuen Standort, sagt Vock. Denner selbst kann den Auszug «zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen».

Für Armin Vock ist es praktisch eine Rückkehr, an den Ort, wo alles begann. 1989 übernahm er an der Mellingerstrasse 40 das Fitnesscenter aus dem Konkurs und führte es zurück auf die Erfolgsspur. Vock freut sich, «nach 15 Jahren wieder ein neues Fitnesscenter zu planen und einzurichten und dabei Fehler zu vermeiden, die ich in Vergangenheit begangen habe», sagt er lachend. Vock sieht im neuen Standort viele Vorteile. «Erstens ist die Lage sehr gut. Zweitens ist es ein grosser Vorteil, dass sich alles im Parterre befindet und übersichtlich ist.» Davon würden nicht zuletzt die älteren Mitglieder profitieren, ist er überzeugt.

Dass Vock gerade an diese Zielgruppe denkt, kommt nicht von ungefähr. Denn der Fitnesscenterbetreiber sagt stolz: «Wir sind mehr als nur ein gewöhnliches Fitnesscenter. Bei uns spielen Physio, Reha und Betreuung von Spitzensportlern sowie eben Senioren ebenfalls eine grosse Rolle.»

Apropos Senior: Möchte Vock selber bis ins Alter von 90 Jahren das Fitnesscenter betreiben und dabei auch als Fitnessinstruktor arbeiten? «Jetzt geht es erst einmal darum, in den neuen Räumlichkeiten einen guten Start hinzulegen. Was danach kommt, schauen wir dann.» Immerhin verrät er: «Einer meiner Söhne wird sich ebenfalls im Bereich Fitness aus- und weiterbilden. Gut möglich, dass er eines Tages in meine Fussstapfen tritt.» Dass sich das Vock wünschen würde, daraus macht er kein Geheimnis. «Es gibt heute so viele Fitnessangebote. Weil ich aber als Inhaber immer persönlich für eine familiäre Atmosphäre gesorgt habe, konnten wir uns von der Konkurrenz abheben. Das wird auch in Zukunft das Erfolgsgeheimnis sein.»