Baden
«Dörf’s no es bitzeli meh sy?» – die Geschichte des Tauschhandels

Das Kindermuseum Baden präsentiert in einer Sonderausstellung die Geschichte des Tauschhandels.Vom Mittelalter bis zur Neuzeit zeigen Marcel und Roger Kaysel wie und was gehandelt wurde. Dabei liegt der Fokus auch bei den Kindern.

Susanne Brem
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Marcel Kaysel im original nachgebauten Tante-Emma-Laden:Hier dürfen die Kinder nach Herzenslust Verkäuferlis spielen.sbr

Marcel Kaysel im original nachgebauten Tante-Emma-Laden:Hier dürfen die Kinder nach Herzenslust Verkäuferlis spielen.sbr

Susanne Brem

Es ist gar noch nicht so lange her, dass die Verkäuferin im Tante-Emma-Laden Zucker und Mehl noch von Hand abgewogen hatte und fragte: «Dörf’s no es bitzeli meh sy?».

Heute glitzern und glänzen Einkaufsparadiese und der Onlinehandel boomt. Den Tauschhandel und seine Geschichte präsentiert das Kindermuseum Baden mit einer Sonderausstellung.

«Hier kommt noch eine Bildertafel hin», die beiden Initianten Marcel und Roger Kaysel führen durch die bald vollendete Ausstellung. Die Tafel steht für den Tauschhandel: Sie zeigt das Märchen vom Hans im Glück.

Erst tauscht er den Klumpen Gold für ein Pferd, dann das Pferd für eine Kuh, und so weiter. Seit Menschengedenken werden Waren getauscht. Er ist heute noch auf dem Pausenplatz anzutreffen, wenn Sammelbildchen ihren Besitzer wechseln.

Tauschhandel gibt es stets in Krisenzeiten, wenn die Güter rar werden. «Während des zweiten Weltkrieges etwa gab es für 250 Zigaretten eine Gans», berichten die Experten.

Der nächste Raum präsentiert das Mittelalter. Hier bietet eine Frau hübsche Puppen zum Verkauf an. In den aufkommenden Städten prägten Strassenhändler das Bild. Dabei hatte jeder Strassenhändler seinen eigenen Marktruf, um in der Menge der Leute aufzufallen.

Mit dem Aufkommen der grossen Handelsschiffe im 15. und 16. Jahrhundert kamen Güter wie Zucker nach Europa, später Gewürze, Kaffee, Kakao und Tee. Hamburg und Rotterdam wurden zu den grossen Umschlagplätzen.

Und die ersten Händler wurden richtig reich. Luxusgüter, die einst allein dem Adel zugänglich waren, konnte sich nun der reiche Bürger ebenfalls leisten. Ab 1850 kamen die Kolonialwarenhandlungen auf.

In Paris entstand das erste Warenhaus. Auch das zeigt das Kindermuseum. Heute kauft der Kunde beim Grossverteiler. Eher anonym und in Selbstbedienung holt man sich die Waren aus dem Gestell. Bezahlt wird mit der Plastikkarte. Verkaufsgespräche gehen verloren.

Wo bleiben bei dieser Entwicklung eigentlich die Kinder? Ob auf Märkten oder im Tante-Emma-Laden; Kinder waren immer mit dabei. «Nehmen wir zum Beispiel einen Kolonialwarenladen», sagt Kaysel, «wenn man da die Türe öffnete, kamen einem jede Menge von Düften entgegen – angenehme und eklige. Übers Internet können Gerüche nicht wahrgenommen werden.

«Ohne, dass wir uns dessen bewusst sind, verkümmern diese Sinneswahrnehmungen», sagt er. «Es steht uns nicht zu, über diese Entwicklungen zu urteilen. Wir sind alle ein Teil dieser grossen Maschinerie.»

Das Kindermuseum habe sich aber zur Aufgabe gemacht, diese Entwicklungen aufzuzeigen, sodass die Besucher sich ihre eigenen Gedanken machen können.

Vernissage: «Vom Wandel im Handel», 15. Juni, 11.00 Uhr, Kindermuseum Baden