KMU Swiss Forum
Doris Leuthard warnt in Baden: «Trumps Politik könnte fatal für uns sein»

Bundespräsidentin Doris Leuthard lobte am KMU Swiss Forum im Trafo Baden die Schweizer Unternehmen – und kam auch auf Donald Trump zu sprechen.

Pirmin Kramer
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Bundespräsidentin Doris Leuthard hielt im Badener Kultur- und Kongresszentrum Trafo eine halbstündige Rede zum Thema Veränderungen.

Bundespräsidentin Doris Leuthard hielt im Badener Kultur- und Kongresszentrum Trafo eine halbstündige Rede zum Thema Veränderungen.

Mario Heller

Hoher Besuch in der Stadt: Bundespräsidentin Doris Leuthard eröffnete den Wirtschaftsanlass KMU Swiss Forum im Kultur- und Kongresszentrum Trafo mit einer halbstündigen Rede zum Thema Veränderungen. Sie ermutigte Unternehmer, neue Märkte zu erschliessen, sprach über die Digitalisierung und zuletzt ihre eigene Zukunft. Die wichtigsten Aussagen im O-Ton:

Lob für Schweizer Firmen

«Seit der Finanzkrise 2008 befinden wir uns in einer Phase der stetigen Veränderung, die mit grosser Unsicherheit verbunden ist. Die einzige Konstante ist die Schweiz. Wir haben auch in der Krise stabile Wachstumszahlen verzeichnet, konnten Schulden abbauen und die Beschäftigung stabil halten. Dies alles gelingt uns auch, weil die Schweizer Unternehmerlandschaft geprägt von einer enorm hohen Fähigkeit ist, sich anpassen zu können.»

Donald Trump und die US-Politik

«Die USA sind unser zweitwichtigster Handelspartner. Das ist einerseits sehr erfreulich, birgt andererseits aber auch Risiken. Denn wir alle wissen nicht, wie die amerikanische Handels- und Wirtschaftspolitik unter Präsident Trump aussehen wird. Er hat angedroht, alle Länder, die einen Handelsbilanzüberschuss haben, zu bestrafen. Das wäre für die Schweiz, mit unserem Überschuss, natürlich fatal. Vielleicht hilft es uns, dass wir klein sind, dass wir nicht den G20 angehören, weil er sicher in erster Linie diese Staatengruppe begutachten wird. Aber wir müssen die Entwicklung in den kommenden Monaten im Auge behalten und versuchen, unsere Beziehungen zu den USA zu stärken oder zumindest zu stabilisieren.»

Handel mit Deutschland

«Unsere Warenexporte nach Deutschland sind 2016 gegenüber dem Vorjahr um 4 Milliarden auf 42 Milliarden Franken angestiegen – trotz des starken Frankens. Deutschland profitiert natürlich massiv von der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, und offenbar gelingt es den Schweizer KMU, sich daran zu beteiligen, das ist sehr erfreulich.»

Geografische Diversifikation

«Innerhalb der Schweiz müssen Unternehmen der Konkurrenz betreffend Innovation zwei Schritte voraus sein. Viele Produkte, die in unserem Land oder in Europa konventionell sind, sind in Südamerika und Asien aber nach wie vor gefragt. Sie können ihre bestehenden Produkte in Märkten absetzen, die noch nicht so weit sind.»

Die Digitalisierung

«Für die Schweiz eine riesige Chance. Eine Sorge habe ich diesbezüglich: Haben wir genügend Arbeitskräfte mit den entsprechenden Fähigkeiten? Algorithmen zu verstehen wird künftig so wichtig sein wie Lesen und Schreiben, das muss in den Unterricht eingebaut werden. Ich bin überzeugt, dass Robotik und künstliche Intelligenz boomen werden. Wir haben mit der ABB schon einen starken Anbieter auf dem Markt. Roboter machen mir keine Angst. Was den Robotern auch in Zukunft fehlen dürfte, ist emotionale Intelligenz, das vernetzte Denken. In einer Gesellschaft wird es immer darum gehen, dass Menschen Entscheide fällen und abwägen; das wird ein Computer nie ersetzen können.»

Subventionen

«Der Staat hat die Aufgabe, Aus- und Weiterbildungen und Innovation zu fördern, damit Unternehmen ideale Voraussetzungen haben. Der Staat ist aber kein Kapitalgeber und auch kein Subventionsgeber, wir möchten dies möglichst nur in wenigen Bereichen tun.»

Ihre Zukunft

«Ich werde nicht viermal Bundespräsidentin sein. Irgendwann muss man neuen Kräften Platz machen. Aber im Moment gefällt es mir noch im Bundesrat.»