Baden
Dorothea Rust legte einen Flüsterbogen über der Ruine Stein

Die Bewegungskünstlerin Dorothea Rust versetzte die Zuschauer mit ihrer neuen Aufführung in Erstaunen. Die teils verwirrten Zuschauer beförderte Dorothea Rust mit einem eindringlichen Flüstern in die einstige Hofkapelle der Burg Stein.

Daniela Poschmann
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Dorothea Rust erlebt die Mauer der Ruine Stein. dpo

Dorothea Rust erlebt die Mauer der Ruine Stein. dpo

Sie ist eine Wildkatze, die die Burg heraufschleicht, eine Eidechse, die vorsichtig über die Mauer kriecht, eine Schlange, die bedächtig die Sitzbank umschlingt oder auch nichts von alledem. Mit der Performance «Flüsterbogen» in Baden haben Dorothea Rust und das Schweizer Holz Trio es wieder einmal geschafft, das Publikum zu überraschen.

Ein Netz über dem Schlossberg

In einer installativen Performance mit Klängen von Saxofonen und Bassklarinette spannten die mehrfach prämierte Künstlerin und die innovativen Musiker Hans Koch, Urs Leimgruber und Omri Ziegele ein feinmaschiges Netz über den Schlossberg.

Auf den steilen Wegen von der Altstadt hinauf zur Kapelle nahmen sie, entfernt voneinander, verschiedene Positionen ein, befanden sich selten am gleichen Ort und verständigten sich über akustische und visuelle Ortungszeichen. Kreuzpunkt war dabei die St.-Niklaus-Kapelle, wo sie sich während dieser zweistündigen beweglichen Darbietung ein einziges Mal wirklich begegneten.

«Folgen Sie Ihrem Herzen»

Die teils verwirrten Zuschauer beförderte Dorothea Rust mit einem eindringlichen Flüstern in die einstige Hofkapelle der Burg Stein. Worte wie «Follow» und «Folgen Sie Ihrem Herzen» hauchte sie beim Aufstieg auf den Berg, den sie wie ein Tier schleichend per Treppengeländer erklomm.

Immer in Begleitung von Tönen fernab jeder Jazz-Melodie. Summen, fiepen, klacken, grunzen, schreien, als würden sich alle Tiere des Regenwalds plötzlich Gehör verschaffen wollen. Tatsächlich schien es, als hätte Rust die Rollen getauscht. Als wollte sie den Ort fühlen, ertasten und spüren wie die Tiere, die dort leben oder einmal gelebt haben.

Oben auf dem Schlossplatz angekommen, sind Papierrolle und Filzstift ihre wichtigsten Werkzeuge. Binnen kurzer Zeit prangten «Ruhe», «Silencio» und «Silence» an Büschen, Bäumen und Mauerwerk. Sie selbst bewegte sich andächtig, glitt die Böschung herab und kugelte sich über den Boden, als wäre sie eins mit der Natur. Als wollte sie inspirieren oder gar ermahnen, das wahrzunehmen, was nicht von Menschenhand erschaffen ist. Die Welt so zu erleben, wie nur Tiere es können.

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