Region

Drei abgewählte Grossräte: War zu wenig Werbung der Grund?

Wurden abgewählt: (v.l.n.r) Norbert Stichert (FDP), Johannes Jenny (FDP), Florian Vock (SP).

Wurden abgewählt: (v.l.n.r) Norbert Stichert (FDP), Johannes Jenny (FDP), Florian Vock (SP).

Drei amtierende Grossräte verpassten am Sonntag die Wiederwahl. Doch einer darf hoffen, nachrücken können.

Florian Vock ist auch einen Tag nach der Abwahl hörbar enttäuscht. Der SP-Bezirksparteipräsident verpasste die Wiederwahl, obschon seine Partei im Bezirk einen Sitzgewinn schaffte. «Allen bisherigen SP-Grossräten war bewusst, dass mit Max Chopard und Simona Brizzi sehr starke interne Konkurrenten zur Wahl antreten, die schon Jahrzehnte engagiert bei der SP mit dabei sind.» Weil er auf dem ersten Ersatzplatz landete, darf Vock aber Hoffnungen haben, wie schon vergangenes Jahr erneut nachrutschen zu können: Sollte Yvonne Feri in den Regierungsrat gewählt werden, würde Max Chopard wohl ihren Sitz im Nationalrat erben. Und Vock wiederum könnte Chopards Platz im Grossen Rat einnehmen.

Nach einer Legislatur wieder abgewählt wurde Johannes Jenny (FDP), Geschäftsführer von Pro Natura: «Die genauen Gründe für die Abwahl werde ich wohl nie herausfinden.» Ein möglicher Grund: Er habe gänzlich auf Wahlplakatwerbung verzichtet, weil diese aus seiner Sicht nicht nachhaltig sei. «Grundsätzlich fällt bei der Analyse auf, dass ich rund 1000 Stimmen mehr erhalten habe als vor vier Jahren, also habe ich nicht alles falsch gemacht.»

Grafik: Elia Diehl

Dass es nicht mehr für die Wahl gereicht habe, hänge auch damit zusammen, dass es sehr gute neue FDP-Kandidaturen gegeben habe. «Beispielsweise Adrian Schoop, der neu den Einzug geschafft hat. Er ist sicher ein klassischer FDP-Politiker, während ich polarisiere.» Jenny hat mehr als einmal mit eigenwilligen Aussagen oder Aktionen für Aufmerksamkeit gesorgt. So forderte er 2015 in einer Interpellation, dass Jäger verwilderte Katzen im Wald nicht nur wie bisher schiessen «dürften», sondern im Dienste des Artenschutzes dazu «gehalten seien».

Die Reaktionen der Katzenliebhaber waren heftig. Und diesen Oktober ging er in der Badener Badstrasse auf Stimmenfang, indem er selbst gekochte Krähensuppe ausschenkte. «Womöglich hat mich meine Pointiertheit die eine oder andere Stimme gekostet. Aber ich mache nun mal keine Politik, um den Leuten zu gefallen, sondern der Sache wegen. Offenbar ist diese Politik nicht gefragt.»

Norbert Stichert (FDP) landete auf dem ersten Ersatzplatz. Er nennt als möglichen Grund für die Abwahl: «Ich habe sehr sparsam Plakatwerbung eingesetzt. Bekannte haben mich sogar gefragt, ob ich nicht kandidiere, weil sie mich nirgendwo im Plakatwald entdeckten.» Auch habe er im Gegensatz zu 2012 auf Postwurfsendungen in Baden und Wettingen verzichtet.

Womöglich habe er weniger Werbung gemacht als andere FDP-Kandidaten. Stichert holte zwar rund 2000 Stimmen mehr als vor vier Jahren, doch weil die FDP einen Sitz verlor, verpasste er die Wiederwahl. «Ich war fast ein Jahr im Grossen Rat, meine Lernphase war vorbei, darum wäre ich bereit für die nächste Legislatur gewesen.» Wichtig bleibt ihm die Gemeindepolitik. Er werde 2017 erneut für den Untersiggenthaler Gemeinderat kandidieren, in dem er sich seit sieben Jahren engagiert.

Meistgesehen

Artboard 1