Eben noch stand Tochter Dalia hinter der Theke und schenkte Getränke aus. Eben noch hatte Mama Madlen die letzten Teller der Gäste weggeräumt. Dann setzte sich Sohn Moreno auf die Bühne und begann, die Gitarren zu stimmen. Schliesslich traten alle vier Familienmitglieder auf die Bühne und entführten ihr Publikum in eine Welt voller Gipsy Swing, Canzoni, andalusischer Rhythmen und brasilianischer Bossa Novas. Klänge voller Lebensfreude, Virtuosität und sinnlicher Balladen.
Dalia stimmte mit ihrer kraftvollen und dennoch samtweichen Stimme ein brasilianisches Medley an: «The Girl from Ipanema» und «Triste», beides Lieder aus der Feder des brasilianischen Komponisten Antônio Carlos Jobim. Begleitet wurde sie von ihrem Bruder Moreno auf der Gitarre.


Die Gäste, die eben noch Penne zu einem Wein aus Apulien genossen, liessen sich von diesen Klängen rasch entführen in diese Länder, wo die Sonne immer scheint. Zu hören gab es «Lullaby of Birdland» vom Pianisten George Shearing, das in den 50er Jahren durch Ella Fitzgerald weltberühmt wurde, oder «Tu voi fa l’americano», ein neapolitanisches Lied komponiert von Renato Carosone. Schön waren auch die reinen Gitarrenstücke im Gipsystil, zum Beispiel «In dieser Stadt»von Häns’che Weiss.


Die vier Familienmitglieder sind ein gut eingespieltes Team. Mit einem kurzen Blick spielten sie sich gegenseitig die Akkorde zu. Hatte Papa Toni gerade erst ein Solo auf seiner Gitarre hingelegt, spielte Mama Madlen bereits auf der Querflöte. Dem Publikum gefiel’s. Denn die Vier auf der Bühne überzeugten vor allem durch ihre Authentizität.


«Früher haben wir nach dem Essen mit den Kindern immer musiziert», erzählt Toni in der Pause, «das gehörte einfach dazu.» Er war 1960 als Vierjähriger mit seinen Eltern aus Kalabrien in die Schweiz eingewandert. Er ist hier aufgewachsen. 1989 gründete er zusammen mit Nic Niedermann die «Tonic Strings». Die beiden tourten durch alle Herren Länder. Die Kinder waren von früh an mit vielen Musikerfreunden in Kontakt. So hat Dalia später Musik studiert und hat heute nebst der eigenen Band auch ein Teilzeitpensum als Musiklehrerin in Luzern und in Baar, auch Moreno führt seine eigenen Musikprojekte und Mama Madlen unterrichtet Querflöte an der Oberstufe in Spreitenbach.