Stadtrat

Drei Kandidaten, drei Meinungen: So wollen sie das Gewerbe überzeugen

Im Gespräch mit den Badener Stadtrats-Kandidaten Luzi Stamm, Stefan Jaecklin und Benjamin Steiner.

Im Gespräch mit den Badener Stadtrats-Kandidaten Luzi Stamm, Stefan Jaecklin und Benjamin Steiner.

Wahlkampfgespräch mit der City Com: die drei Badener Stadtratskandidaten über die Innenstadt 2040, die Seilbahn und Sonntagsverkäufe.

Drei Kandidaten kämpfen um den freien Sitz im Badener Stadtrat. Bis jetzt konnten Stefan Jaecklin (FDP), Benjamin Steiner (Team Baden) und Luzi Stamm, der für das Komitee B. Jäger antritt, kaum vor grossem Publikum die Klingen kreuzen. Nun hat der Handels- und Gewerbeverein City Com den drei Kandidaten in einer Gesprächsrunde auf den Zahn gefühlt. Obwohl es um wirtschaftliche Themen ging, waren sich der bürgerliche Jaecklin und Steiner, der für das links-liberale Team den freien Sitz erobern möchte, oft einig. Reibungsfläche gab es dennoch.

«Wie sieht die Badener Innenstadt 2040 aus?», wollte ­City-Com-Präsident Michael Wicki von den Kandidaten wissen. «Die Stadt braucht attrak­tive Verkehrsverbindungen und muss noch grüner werden», antwortete Benjamin Steiner, der die weltweit erste biozertifi­zierte Insektenzucht führt. «Die Menschen kommen in die Stadt, wenn sie etwas bietet – davon profitiert auch das Gewebe.» In seiner Zukunftsvision hat auch die Seilbahn Platz, die dereinst vom Bahnhof ins Thermalbad führen soll. «Die Diskussion ist spannend», sagt der beken­nende Fan. «Es wäre zumindest etwas Neues, ist innovativ und hätte eine Magnetwirkung.» Der Stadtrat, von dem er eine klare Haltung dazu verlangt, müsse aber die Bevölkerung und insbesondere die betroffenen Quartiere dazu befragen.

Es braucht Parkhäuser und ein Parkleitungssystem

Sowohl Luzi Stamm – «das wäre hervorragende Werbung» – als auch Stefan Jaecklin pflichtete ihm bei. Die Idee sei komplett «out of the box», also sehr unkonventionell und kreativ, sagte Jaecklin. «Solche Vorschläge bringen uns weiter.» Die Zukunftsvision des 53-jährigen Unternehmensentwicklers sieht Baden als Erlebnisstadt. «Denn Erleben kann man im Internet nicht.» Dabei spiele der Städtebau eine grosse Rolle, der Grünflächen beinhaltet – auch hier war er sich mit Einwohnerratskollege Steiner einig. Jaecklin will den Durchgangsverkehr umleiten und machte sich zudem stark für den motorisierten Individualverkehr, um die Erreichbarkeit der Stadt sicherzustellen. Man dürfe das Velo und das Auto nicht gegeneinander ausspielen. Letztere könnten aber bequem bei jedem Wetter genutzt werden. Dafür brauche es Parkhäuser und ein Parkleitungssystem.

«Hier muss ich widersprechen», hakte Steiner ein. «Der motorisierte Individualverkehr stösst an seine Grenzen.» Velos und Fussgänger bräuchten viel weniger Platz auf der gleichen Fläche. Befürchtungen von City-­Com-Vorstandsmitglied Daniel Glanzmann, Velofahrer würden weniger in der Stadt einkaufen als Autofahrer, widersprach er. Sogar der Grosseinkauf sei mit Velo und Anhänger möglich, und man könne erst noch bis vor die Ladentür fahren.

Wo denn all diese Velos ­parkieren sollten, wollte City-­Com-Präsident Wicki von Luzi Stamm wissen. Man solle die ­Velos fördern, entgegnete der 67-jährige Jurist und langjährige SVP-Nationalrat. Das Problem sei aber ein anderes. «Wir werden zugemüllt durch den zunehmenden Verkehr», verursacht durch die vielen Grenzgänger und die steigende Bevölkerungszahl. Ob er denn gegen Bevölkerungswachstum sei? Stamm nickte. In seiner Zukunftsvision für 2040 wünscht er sich hingegen eine belebtere Innenstadt, insbesondere am Abend und an den Wochenenden.

Mehr Kongresse und Gespräche mit Unternehmen

Damit Baden auch in Zukunft eine Pionierstadt bleibt, müsse das vorhandene gewaltige Potenzial genutzt werden, verlangte Jaecklin. «Der Stadtrat muss Firmen aktiv an Bord bringen.» So, wie das vor 130 Jahren geschah, als die Stadt die damalige BBC mit einem Areal und einem Deal nach Baden lockte. Jaecklin und Steiner waren sich einig, dass der Stadtrat auch einen guten Kontakt zu den bereits ansässigen Firmen pflegen müsste. Zudem sollten, so der FDP-Kandidat, vermehrt Kongresse nach Baden geholt oder Hochschulen involviert werden.

Einigkeit von links nach rechts herrschte beim Wunsch der Gewerbler, ihre Öffnungszeiten auf die Sonntage ausdehnen zu können. Selbstverständlich unterstütze er das, sagte ­Jaecklin. «Es darf aber nicht verpflichtend sein.» Und Stamm meinte, es dürfe niemand bevorzugt werden, «wie etwa die SBB, auf deren Territorium die Läden am Sonntag offen haben».

Wer die Gewerbler in der Diskussionsrunde am meisten überzeugt hat, wird die City Com bald mittels Wahlempfehlung bekanntgeben. Am 27. September entscheidet die Badener Bevölkerung.

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