Neuenhof

Dreijähriges Mädchen an Leukämie erkrankt – dringend Spender für Eslem gesucht

Das dreijährige Mädchen aus Neuenhof ist an Leukämie erkrankt und ist dringend auf eine Blutstammzellen-Spende angewiesen.

Für das Gespräch hat Hasim Boz (30) nicht viel Zeit. Wir treffen ihn am frühen Nachmittag in der Webermühle, wo er zusammen mit seiner Frau Cigdem (29) und der gemeinsamen Tochter Eslem wohnt. Am Morgen war er schon im Kinderspital Zürich. Jetzt ist er nur kurz nach Hause gekommen, um ein paar frische Sachen zu packen und dann mit seiner Frau so rasch wie möglich wieder zu ihrer dreijährigen Tochter zu fahren.

Für das Ehepaar ist dieser Tagesablauf in den letzten vier Wochen zur Routine geworden. Denn die Eltern wollen möglichst viel Zeit bei ihrer Tochter verbringen. Gleich zu Beginn fällt auf, wie positiv Hasim Boz über die letzten Wochen und das Schicksal seiner Tochter spricht. «Ich will nicht mit der Situation hadern, sondern diese akzeptieren und das Beste daraus machen. Letztlich geht es auch darum, unserer Tochter gegenüber Kraft und Zuversicht auszustrahlen», so Boz.

Vielleicht rührt diese positive, souveräne Art auch daher, dass das Ehepaar Boz schon früh vom Schicksal gebeutelt wurde. «Genau am ersten Geburtstag von Eslem erfuhren wir, dass sie Leukämie hat. Das war Anfang 2018 und ein absoluter Schock, der uns den Boden unter den Füssen weggezogen hat», erinnert sich Boz. Doch Zeit, das Schicksal zu beklagen blieb damals keine. Vielmehr ging es darum, Eslem dank Chemotherapie rasch wieder auf die Beine zu bringen. «Gut eineinhalb Jahre hat die Chemotherapie gedauert. Doch ob man wirklich geheilt ist, weiss man erst, wenn man innert fünf Jahren keinen Rückfall erleidet», so Boz.

Registrieren sich auch heute in Würenlos Hunderte als Spender?

Genau das passierte vor rund einem Monat. «Bei der Blutbildkontrolle hat sich gezeigt, dass Eslems Blutwerte stark schwankten.» Sofort suchte das Ehepaar mit seiner Tochter das Kinderspital Zürich auf, wo sie wieder eine Chemotherapie über sich ergehen lassen musste. Mit dieser Therapie bekomme man die Krebszellen zwar unter Kontrolle, für eine Heilung brauche Eslem aber einen passenden Spender von Blutstammzellen. Dieser werde nach der Untersuchung ihres Knochenmarks in einem weltweiten Register gesucht.

Um die Chance eines Treffers zu erhöhen, habe seine Frau und vor allem deren Schwester angefangen im Familien- und Freundeskreis und auch auf sozialen Netzwerken einen Aufruf nach einem passenden Spender zu lancieren. Mit Erfolg: «Die Sache wurde immer grösser. So gross, dass wir die Blutspende des Schweizerischen Roten Kreuzes um Hilfe anfragten», sagt Boz. Und so kam es, dass sich vergangen Freitag in Effretikon über 300 Personen registrieren liessen. «Theoretisch könnte auch ich oder meine Frau spenden. Doch weil unsere Blutstammzellen nur je zu 50 Prozent passen, bleibt es das Ziel, einen Spender zu finden, der zu 100 Prozent passt.»

Deshalb hoffen sie auf einen möglichst grossen Zulauf heute Abend bei der Spendenaktion in Würenlos (siehe unten). Dass sich bereits jetzt derart viele Personen registrieren liessen, erhöhe nicht nur die Chance, einen passenden Spender zu finden. «Letztlich geben uns diese Anteilnahme und diese Solidarität sehr viel Kraft.» Hasim Boz wünscht sich, dass es dereinst obligatorisch wird, sich ab 18 Jahren in einer Datenbank zu registrieren. «Das heisst ja noch nicht zwingend, dass man spenden muss. Aber zumindest erhöht man so die Chance, potenzielle Spender ausfindig zu machen.»

Blutspende SRK Schweiz hat das Schicksal des Mädchens auf Instagram gepostet, um auf eine Registrierung in der Datenbank aufmerksam zu machen. Insgesamt sind in der Schweiz 147960 Menschen in der Datenbank für Transplantation von Blutstammzellen gelistet. Weltweit sind es rund 35 Millionen Personen. Wird ein passender Spender gesucht, geschieht dies immer weltweit.

Registrierungen sind nach dem Aufruf in die Höhe geschossen

In der Schweiz registrieren sich jährlich 10000 bis 15000 Personen, also im Schnitt rund 250 Personen pro Woche. «Aufgrund des öffentlichen Aufrufs haben sich in nur einer Woche knapp 3400 Personen registrieren lassen», sagt Franziska Kellenberger, Leiterin Kommunikation bei Blutspende SRK Schweiz. Damit eine Transplantation von Blutstammzellen gelinge, müssten Gewebemerkmale von Spender und Empfänger übereinstimmen. Diese Merkmale sind vererbt. «Je mehr Menschen sich registrieren und bereit sind, zu spenden, desto grösser ist die Chance, rechtzeitig eine passende Spende zu finden», so Kellenberger. Eine Blutstammzelltransplantation sei aber noch keine Garantie für Heilung. In vielen Fällen stelle sie aber die einzige Aussicht auf Heilung dar. «Die individuelle Heilungschance nach einer Transplantation hängt im Einzelfall ab von der Diagnose, vom Alter, vom Zeitpunkt der Transplantation und vom Auftreten möglicher Komplikationen», führt Kellenberger aus. Im Schnitt liegt die Heilungschance bei 60 Prozent. «Bei Kindern ist sie jedoch besonders hoch.»

Besonders hoch ist jeweils auch die mediale Aufmerksamkeit, wenn Kinder schwer krank werden. «Ja, mit dem Thema Blutstammzellespende befassen sich viele Menschen erst, wenn sie in den Medien von Patientengeschichten erfahren», sagt Kellenberger. Jeden Tag würden Kinder und Erwachsene an lebensbedrohlichen Blutkrankheiten wie Leukämie erkranken. «So tragisch und traurig die Einzelfälle sind, so haben sie gleichzeitig zur Folge, dass die Menschen für das Thema sensibilisiert werden und sich allenfalls als potenzielle Spender registrieren lassen.»

Stammzellentransplantation soll diesen Frühling stattfinden

Eslem gehe es jetzt den Umständen entsprechend relativ gut. «Die ersten Tage nach dem Rückfall waren schwierig. Doch jetzt kann sie sich wieder bewegen und sprechen», sagt Boz. Seine Frau verbringe jede Nacht im Spital. Tagsüber springe immer mal wieder seine Schwiegermutter ein. «Und dank meinem Arbeitgeber, der mir wahnsinnig entgegenkommt, kann ich mich auch sehr viel um meine Tochter kümmern», sagt Boz.

Ziel sei es, vorausgesetzt es findet sich ein passender Spender, dass die Stammzellentransplantation bei Eslem noch diesen Frühling stattfinden könne. «Wir glauben, dass es gut kommt für unsere Eslem. Sie ist eine Kämpferin, die den Krebs bereits einmal besiegt hat. Sie wird es wieder schaffen», sagt Boz, ehe er sich wider auf den Weg ins Kinderspital macht.

Spender-Registration: Mittwoch, 26. Februar, 17 bis 20 Uhr, in der Mehrzweckhalle Würenlos. Es wird lediglich eine Speichelprobe entnommen, der Vorgang dauert nicht lang.

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