Badener Traditionsgeschäfte (1)
Drogerie, Sanitätsgeschäft, Mineralwasserfabrik: Hier wird seit 300 Jahren mit Medikamenten gehandelt

Bis in die 1930er wurde in der Schwanenapotheke Mineralwasser hergestellt. Schon seit 1698 gibt es hier Medikamente.

David Rutschmann
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1996 übernahm Thomas Strasky die Schwanenapotheke.

1996 übernahm Thomas Strasky die Schwanenapotheke.

Foto: Claudio Thoma / Aargauer Z

Immer noch bewahrt Thomas Strasky ein altes Krankheitslexikon auf, das einer seiner Vorgänger in der Schwanenapotheke vor vielen Jahren mitverfasste. «Vieles ist veraltet und teilweise giftiges Zeug», sagt der 60-Jährige, während er durch das Büchlein blättert.

Seit 1996 leitet Strasky die Geschicke in der Schwanenapotheke. In dem Laden in der Weiten Gasse 21 wird allerdings schon 300 Jahre länger mit Medikamenten gehandelt. Etwa 1698 wird in den Räumlichkeiten erstmals eine Apotheke geführt, der erste namentlich bekannte Apotheker ist ab 1743 Philipp Nieriker. Sein Sohn Philipp Junior baut 1790 ein chemisches Laboratorium ein. Bis 1844 bleibt die Apotheke im Besitz der Familie Nieriker. Den Nachfolger Friedrich Hausmann zieht es nach fünf Jahren von Baden nach St. Gallen – aus seiner dortigen Apotheke entsteht später das Pharmaunternehmen «Vifor Pharma».

Die Apotheke Zander, vormals Kronmeyer, um 1924.

Die Apotheke Zander, vormals Kronmeyer, um 1924.

zvg

Nach mehreren Wechseln wird erst 1902 mit der Übernahme durch Louis Zander der Name Schwanenapotheke verwendet – das Gebäude trägt seit 1743 den Namen «Zum Schwanen». Bis in die 1930er-Jahre wurde insbesondere für den Bedarf in den Bädern eine Mineralwasser-Fabrik in der Schwanenapotheke betrieben. Kohlensäurehaltiges Wasser wurde im Siphon oder mit Zitronenessenz versetzt als Brauselimonade verkauft. Die dafür benötigte Kohlensäure wurde mit Marmorbrocken und Salzsäure selbst hergestellt.

1975 folgt schliesslich der Wechsel zu Thomas Straskys Vater Eduard. «Mein Vater wollte sich mit 50 verändern, er kam aus der Pharmazeutischen Industrie», erzählt der Geschäftsinhaber. Ihn selbst zog es anfänglich nicht zur Apotheke. Thomas Straskys Ziel war die Selbstständigkeit.

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Nach dem Studium und einer kurzen Phase in der Pharmaindustrie stieg er 1995 schliesslich doch in die Schwanenapotheke ein, um sie ein Jahr später zu übernehmen. Mittlerweile bezeichnet Thomas Strasky die Schwanenapotheke als sein Leben, sechs Tage pro Woche verbringt er dort. Das war nicht immer so: «In der Anfangsphase tat ich mich sehr schwer mit der Apothekerei. Zum Glück herrscht in dem Beruf heute nicht mehr die Zeigefingermoral von damals», sagt er. Die heutige Generation von Apothekern habe ein grösseres Bedürfnis, Informationen zu streuen.

Die Beratungstätigkeit ist für seine Apotheke unabdingbar, erklärt Strasky: «Wir leben vom Vertrauen der Kunden.» In den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor seien Fachkompetenz und persönliche Bindung noch kein zentraler Aspekt der Schwanenapotheke gewesen. Von Versandapotheken und Einkaufstourismus war damals noch nicht die Rede, Konkurrenz nur bedingt ein Thema. «Das Problem von Apotheken ist, dass die Produkte austauschbar sind», sagt der 60-Jährige. So sind für den Kunden vor allem Preis und Erreichbarkeit entscheidend. Bis vor 20 Jahren sei die Weite Gasse in dieser Hinsicht noch «das Zentrum der Welt» gewesen. Heute schmerzt die Distanz zum Bahnhof. Thomas Strasky gibt sich optimistisch. Seine Apotheke soll weiterbestehen – und sich weiterentwickeln: Die Beraterfunktion soll künftig noch mehr im Vordergrund stehen.

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