Baden
Drohender Wegzug: Baden will um internationale Schule kämpfen

In zwei Wochen fällt der Entscheid, ob die Zurich international School den Standort Baden aufgibt. Diese Zeit will die Stadt nutzen. Denn für den Wirtschaftsstandort sei die Schule mit internationalem Lehrplan sehr wichtig, so Stadträtin Ruth Müri.

Pirmin Kramer
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Im Sommer 2013 bezog die Schule ihr Domizil auf dem Badener Lindenplatz – jetzt droht die Schliessung.

Im Sommer 2013 bezog die Schule ihr Domizil auf dem Badener Lindenplatz – jetzt droht die Schliessung.

Julia Stückelberger

Am Mittwoch gab die Zurich International School (ZIS) bekannt, dass sie ihren Betrieb auf Ende Juli 2015 einstellen wird. Seit drei Jahren sinke die Schülerzahl, und ein Ende des Trends sei nicht zu erwarten.

Rund 126 Kinder international tätiger Eltern, die nur für beschränkte Zeit hier arbeiten, werden an der ZIS unterrichtet. «Damit wir die Schule wirtschaftlich führen könnten, brauchen wir 250 Schüler», erklärt ZIS-Sprecherin Urte Sabelus.

Der Entscheid des Wegzugs sei aber noch nicht zu hundert Prozent definitiv. «Wir sind zurzeit in einem zweiwöchigen Konsultationsprozess mit unseren Mitarbeitern. Erst im Anschluss daran wird der Stiftungsrat endgültig entscheiden», so Sabelus.

Stadträtin Ruth Müri : «Baden ist nach wie vor ein sehr attraktiver Standort für Firmen mit ausländischen Mitarbeitern.»

Stadträtin Ruth Müri : «Baden ist nach wie vor ein sehr attraktiver Standort für Firmen mit ausländischen Mitarbeitern.»

AZ-Archiv

Diese Zeit will die Stadt nutzen und die Schule zum Verbleib bewegen. «Wir geben noch nicht auf und versuchen, eine Lösung zu finden in der Zeit, die uns noch bleibt», sagt die für das Ressort Bildung zuständige Stadträtin Ruth Müri (team).

Für Baden wäre es ein grosser Verlust, wenn die ZIS wegziehen würde, sagt sie. «Die Verantwortlichen der Schule sind im Frühjahr auf uns zugekommen und teilten uns mit, dass es Probleme gebe mit den Schülerzahlen. Wir haben danach gemeinsam nach einer Lösung gesucht, zum Beispiel im Rahmen der Schulraumplanung.»

Eine Idee war, dass die Stadt einige Schulzimmer im Gebäude auf dem Lindenareal mietet – und dort dann Volksschüler unterrichtet werden könnten. Das Problem aber: Die Räume der ZIS sind kleiner als die der Volksschule, und ein Umbau wäre nötig geworden.

Weiter habe die Stadt nach einem passenden Mieter für nicht benötigte Räume am Lindenplatz gesucht und Kontakte vermittelt, sodass die ZIS finanziell entlastet werden könnte – ein Begehungs-Termin sei bereits festgelegt worden.

Baden sei nach wie vor ein sehr attraktiver Standort für Firmen mit ausländischen Mitarbeitern, ist Müri überzeugt. «Die Rahmenbedingungen in der Stadt haben sich in den letzten vier, fünf Jahren nicht negativ verändert.»

Möglicherweise hätten sich aber schweizweit die Rahmenbedingungen geändert, etwa wegen der Masseneinwanderungsinitiative.

Eltern kämpfen für Standort Baden

Thomas Lütolf, Leiter des Badener Standortmarketings, hat erst am Mittwoch vom voraussichtlichen Wegzug der Schule erfahren hat. Er hatte sich vor gut acht Jahren zusammen mit dem Kanton intensiv darum bemüht, die Schule nach Baden zu holen.

«Ich habe sofort den Kanton und die Schule kontaktiert. Es bleiben uns jetzt noch vierzehn Tage, um alle realistischen Optionen zu prüfen und die Schule bei uns zu behalten.» Die ZIS sei für den Wirtschaftsstandort Baden und die Region sehr wichtig. «Damit die ausländischen Fachkräfte ihre Familien nach Baden mitnehmen können, braucht es hier eine akkreditierte Schule mit internationalem Lehrplan», so Thomas Lütolf.

Auch Eltern und Kinder kämpfen offenbar für den Verbleib der Schule in Baden. Am Abend nach Bekanntgabe des Entscheids wurden am Schulhaus Zettel aufgehängt: «Don’t close ZIS Baden!»

Regina Roos, Mutter einer zwölfjährigen Schülerin, hat wenig Verständnis für den Entscheid der Schule, aus Baden wegzuziehen: «Wir sind davon ausgegangen, dass die Schule mindestens fünf Jahre hier bleibt. Die Schule hat eine Verantwortung gegenüber den Kindern und dem Kanton.» Sie fragt: «Wie sollen die Kinder künftig in Baden ein soziales Netzwerk aufbauen, zum Beispiel in einem lokalen Sportclub, wenn sie jeden Tag in eine Schule in den Kanton Zürich gefahren werden?»

Dieser Verlust muss verhindert werden – Kommentar von Baden-Redaktor Roman Huber

Vor sieben Jahren brachten Regierungsrat Stephan Attiger, damals in der Funktion des Stadtammanns, und Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing, in gemeinsamen Bemühungen die Zurich International School (ZIS) nach Baden. Die Eröffnung eines Schulstandorts dieser renommierten Schule, der nicht zuletzt aufgrund ihres internationalen und kompatiblen Lehrplans eine hohe Qualität zugeschrieben wurde, durfte als ein grosser Erfolg gewertet werden. Um diesen wurde Baden jedenfalls im ganzen Kanton beneidet. Die Wahl fiel nicht von ungefähr auf Baden. Denn die Anbindung ans Limmattal, im Zentrum des Ostaargaus, in der Greater Zurich Area, im Gross- und Wirtschaftsraum, konnte hier nicht besser gewährleistet sein. Zudem sind mit Alstom und ABB zwei weltweit tätige Grosskonzerne hier ansässig. Und die wirtschaftliche Entwicklung mit der Ansiedlung weiterer international tätiger Firmen setzte sich erfreulicherweise fort.

Um so erstaunlicher ist es, dass in den vergangenen Jahren die Schülerzahl trotzdem abgenommen hat. Vielmehr erschreckend ist, dass die Stadt dieser Entwicklung zu wenig Augenmerk geschenkt hat. Offensichtlich ist man der sich zuspitzenden Situation nicht resolut entgegengetreten. Dass aber Thomas Lütolf, Netzwerker und erster Verbindungsmann zu den internationalen Unternehmungen in der Region, erst vorgestern Abend aus dritter Hand über die angedrohte Schliessung der ZIS in Baden informiert wurde, ist unverständlich. Jetzt gilt für alle Beteiligten nur eines: Stadt, Kanton und die Wirtschaft müssen nun Lösungen erarbeiten, damit die ZIS in Baden bleibt.

Roman.Huber@azmedien.ch