Wettingen

«Etwas falsch gemacht in der Kommunikation»: Exekutive nimmt zur «Tägi»-Schliessung und -Wiedereröffnung Stellung

Rund sieben Wochen blieb das 25-Meter-Becken leer. Seit 26. August ziehen Nutzer darin wieder ihre Bahnen.

Rund sieben Wochen blieb das 25-Meter-Becken leer. Seit 26. August ziehen Nutzer darin wieder ihre Bahnen.

Sechs Einwohnerräte wollen wissen, ob der Beschluss, das Schwimmerbecken im Hallenbad Tägerhard in Wettingen Anfang Juli ab sofort zu schliessen, übereilt war. Jetzt liegt die Antwort des Gemeinderats vor.

Seit dem 26. August ziehen Wasserratten im 25-Meter-Becken des Hallenbads Tägerhard in Wettingen wieder ihre Bahnen. Dass das möglich ist, hätte sich am 7. Juli niemand erträumen können. Damals teilte der Gemeinderat nämlich mit, das Schwimmerbecken werde nach den jährlichen Revisionsarbeiten nicht mehr geöffnet – und somit bis zum Ende der Gesamtsanierung des «Tägi» Ende 2019 geschlossen bleiben.

Zur Erinnerung: Bei der periodischen Sicherheitskontrolle hatte sich herausgestellt, dass die Spannfedern der Deckenaufhängungen sehr stark verrostet sind. «Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Federn brechen und die Decke in Teilen herzunterzufallen droht», schrieb der Gemeinderat. Und weiter: In Abwägung aller Umstände könne eine vorübergehende Sicherung oder ein teilweiser Abbruch und Weiterbetrieb im Schwimmerbereich nicht infrage kommen. Umso überraschender, als der Gemeinderat nur sieben Wochen später mitteilte, dass die fragliche Decke habe rückgebaut werden können und das Schwimmerbecken wieder uneingeschränkt zur Verfügung stehe.

Erinnerungen an die Katastrophe von Uster kamen auf:

Das Hin und Her machte Einwohnerräte von links bis rechts stutzig. Kristin Lamprecht (SP), Lutz Fischer-Lamprecht (EVP), Markus Haas (designierter Gemeinderat, FDP), Lea Schmidmeister (SP), Daniel Notter (SVP) und Roland Michel (CVP) reichten deshalb eine dringliche Interpellation ein. Sie wollten vom Gemeinderat wissen, ob der Beschluss von Anfang Juli übereilt gewesen ist. Auch fragten sie, welche Abklärungen bis zum Beschluss des Gemeinderates zur Schliessung getroffen worden sind. Nicht zuletzt wollten sie wissen, welche Massnahmen der Gemeinderat trifft, um solch übereilten Massnahmen und Mitteilungen in Zukunft zu verhindern.

«Die Gemeinde hat etwas falsch gemacht in der Kommunikation», sagt Kristin Lamprecht auf Anfrage. Denn erst liess diese via Medien verlauten, es gäbe keine Möglichkeit, den Badebetrieb wieder aufzunehmen, weil die Sicherheit nicht gewährleistet sei. «Damit hat sie allen Nutzern Angst gemacht und die Tragödie von Uster in Erinnerung gerufen.» Später habe sie mitgeteilt, dass das Becken wiedereröffnet wird. «Dieses Hü und Hott tut dem Image der Gemeinde sicher nicht gut.» Lamprecht hätte sich gewünscht, es wäre weniger schnell ein so grundsätzlicher Entscheid gefällt und publiziert worden.

Zum Schutz der Nutzer reagiert

Wie nimmt der Gemeinderat zur Interpellation Stellung? Er schreibt in seiner Antwort, die nun vorliegt, dass die Sicherheit vorgehe und der Beschluss nicht übereilt gewesen sei. Im Rahmen seiner Verantwortung habe er «einerseits zum Schutz der Nutzer, andererseits aber auch für die Planungssicherheit der Kunden umgehend reagiert». Auch teilt er mit, dass alle notwendigen Abklärungen getroffen worden seien.

Für den Gemeinderat waren die Massnahmen weder übereilt noch unverhältnismässig. Deshalb treffe er «keine Massnahmen und würde im Vergleichsfall gleich vorgehen». Denn: «Zum damaligen Zeitpunkt war nicht klar, ob und mit welchen baulichen Massnahmen beziehungsweise den damit verbundenen Kosten eine Wiederöffnung ins Auge gefasst werden kann.» Mit der umgehenden Kommunikation seien insbesondere Schulen in der Lage gewesen, während den Sommerferien zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs ein Alternativprogramm auszuarbeiten, heisst es weiter.

Kristin Lamprecht ist mit der Antwort nicht zufrieden: «Die Aussage, es seien alle notwendigen Abklärungen gemacht worden, erscheint angesichts der Tatsache, wie schnell dann doch eine einfache, sichere und praktikable Lösung gefunden wurde, etwas fragwürdig.» Sie hätte sich etwas mehr Selbstkritik gewünscht, zum Beispiel die Überlegung, wie eine alternative Kommunikation hätte aussehen können. «Von aller Kritik abgesehen, freuen wir uns sehr, dass der Gemeinderat eine Lösung gefunden hat und so für Schulen, Vereine und alle anderen Nutzer die Möglichkeit besteht, bis zum Mai 2018 im ‹Tägi› ins tiefe Wasser zu steigen und zu schwimmen."

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