Seit Mitte Woche steht fest: Obersiggenthals Gemeindeammann Dieter Martin (FDP) will seinen Sitz verteidigen. Allerdings würde er das Amt im Falle einer Wiederwahl noch maximal zwei Jahre ausüben, weil er das AHV-Alter erreiche. Er behält sich gar einen Rücktritt zu einem noch früheren Zeitpunkt vor, falls ein neues Verwaltungsmodell mit Geschäftsleitung und verkleinertem Gemeindeammann-Pensum Tatsache würde.

Wenig überraschend begrüsst die FDP seinen Entscheid. Dieser schaffe die Voraussetzungen für eine unverkrampftere Diskussion im Gemeinderat und Einwohnerrat zum Thema Führungsmodell, schreibt die FDP in einer Mitteilung. Ausserhalb seiner eigenen Partei sorgt Dieter Martins Ankündigung aber für Kopfschütteln. «Wir haben von der seltsamen Erklärung des Gemeindeammanns Kenntnis genommen. Dass er nur für zwei Jahre kandidieren will, ist irritierend», sagt SVP-Fraktionspräsident Eugen Paul Frunz. Er stellt klar: «Es steht schon länger fest, dass wir Dieter Martin bei den Wahlen diesen Herbst nicht mehr unterstützen werden.» 2013 hatte die SVP ihn noch offiziell zur Wahl empfohlen. «Dem amtierenden Gemeindeammann fehlen die Dossierkenntnisse, viele seiner Vorlagen sind nicht gut ausgearbeitet, und die Chemie im Gemeinderat stimmt nicht», sagt Eugen Paul Frunz. Aus den eigenen Reihen habe die SVP bisher aber noch keinen Kandidaten beziehungsweise keine Kandidatin für das Ammannamt gefunden. «Unsere Gemeinderätin Franziska Grab wird nicht kandidieren.»

CVP: «Spezieller Entscheid»

Ähnlich wie bei der SVP tönt es bei der CVP. Fraktionspräsident Erich Schmid spricht im Zusammenhang mit Dieter Martins Kandidatur für eine verkürzte Amtszeit von einem speziellen Entscheid mit einer speziellen Begründung. «Eines ist klar, die CVP wird Dieter Martin bei den Wahlen im Herbst ganz sicher nicht unterstützen», erklärt Schmid. Die CVP sei mit seiner Arbeit in den vergangenen Jahren unzufrieden. In Obersiggenthal laufe vieles nicht rund, unabhängig von der schwierigen Finanzlage, für die er den Gemeindeammann nicht verantwortlich mache. «Viele wichtige Projekte machen keine Fortschritte.» Die Situation beim Oederlin-Areal etwa, wo Investoren eine Hundert-Millionen-Überbauung planen, das Projekt aber stockt, bezeichnet Schmid als Desaster. «Dieter Martin hat wohl schlecht verhandelt und den Investoren viel zu viele Wünsche erfüllen wollen. Dann gab es die Quittung in Form von viel Kritik beim Mitwirkungsverfahren, und es geht leider nicht voran.»

Schmid war es, der 2016 die Verwaltungsreform anregte, die derzeit in aller Munde ist. Die Idee: Es soll neu eine Geschäftsleitungsstelle geschaffen werden, das Pensum des Gemeindeammanns gleichzeitig überprüft werden. Die Vorlage wurde Anfang Juni im Einwohnerrat diskutiert, aber zur Überarbeitung an den Gemeinderat zurückgewiesen. Die Folge: Aktuell ist unklar, wie viel Prozent der Gemeindeammann arbeiten und wie viel er verdienen wird. Erich Schmid: «Unter diesen Voraussetzungen einen Konkurrenten für Dieter Martin zu finden, ist enorm schwierig.» Die CVP hat bisher keinen Ammannkandidaten. Der Gemeinderat hätte den Vorstoss viel früher traktandieren sollen, dann würde jetzt Klarheit zum Pensum des Ammanns herrschen», kritisiert Schmid.

Auch Theo Flückiger, Fraktionspräsident der SP, bezeichnet die unklare Situation betreffend Verwaltungsreform als «sehr unglücklich». «Klar ist, dass wir niemanden ins Rennen um das Ammannamt schicken werden.» Die SP versucht, mit Aline Schaich den Gemeinderatssitz der zurücktretenden Marie-Louise Nussbaumer zu verteidigen.

Die Umfrage bei den Parteien zeigt: Obwohl Dieter Martin ausserhalb seiner Partei kaum Unterstützung geniesst, darf er sich gute Wahlchancen ausrechnen. Denn einen Konkurrenten ist bis zur Stunde keine in Sicht. nicht. «Das Szenario, dass Dieter Martin die Wiederwahl schafft, ist trotz grosser Unzufriedenheit bei fast allen Fraktionen nicht unwahrscheinlich», sagt Eugen Paul Frunz. Dieter Martin selber wollte sich gestern nicht zur fehlenden Unterstützung von CVP und SVP äussern.