Die Bühne ist in rotes Licht getaucht, ein treibender Beat und melodische Gitarrenriffs erfüllen den Raum. Das Publikum tanzt zwischen den kleinen quadratischen Tischchen.

Mittendrin ist auch Leo Niessner, Sänger und Gitarrist von Spencer. Oben ohne und mit einer Kriegsbemalung im Gesicht springt er im Musiklokal Prima Vista umher – es ist Rock ’n’ Roll in Reinkultur.

Fussballfreie Zone

Die Spielfreude ist den Jungs von Spencer sofort anzusehen – von der ersten Sekunde geben sie Vollgas. Eingängige Riffs treffen auf ein treibendes Schlagzeug, untermalt von der melancholisch anmutenden Stimme Niessners. Die Musik oszilliert zwischen Brit-Rock und New Wave – ehrlich, düster und trotzdem melodisch. Doch es ist die herausragende Performance der Band, welche das Konzert zu einem Erlebnis werden lässt. So wälzt sich Niessner auf dem Boden, einmal verlässt er gar das Lokal und tanzt mit der Gitarre in der Hand auf dem Trottoir. «Es ist eine kleine Bastion hier im Prima Vista», sagt Niessner, «viele sind am Saufen und Fussball schauen, wir sind am Saufen – und machen Rock ’n’ Roll!». Hierfür haben sich Spencer für den Tourabschluss Unterstützung geholt. So übernimmt Pädu Ziswiler zeitweilig das Schlagzeug, was dem Sound eine Note von Rockabilly verleiht.

Zudem steht an diesem Abend Sängerin Aline Maria Studer von der Badener Band TRD auf der Bühne. Ihre hohe und dennoch kräftige Stimme fügt sich perfekt in die Musik ein und verleiht dem Ganzen einen souligen Charakter.

Noch bevor Spencer auf der Bühne stand, durften die Aarauer von Stranded Heroes den Konzertabend eröffnen, welche im Mai dieses Jahres ihr zweites Album mit dem Namen «Karman Line» veröffentlicht haben. Die soulige und überraschend tiefe Stimme von Sängerin Anja Bolliger trifft auf knackige Riffs und satte Bass-Lines, stahlharte Gitarrenwände verleihen der Musik der Stranded Heroes einen teilweise brachialen Charakter. Doch zu keiner Zeit lässt sich Kreativität vermissen, so gehören psychedelisch anmutende Zwischenpassagen genauso zu ihrem Repertoire wie balladeske Stücke, welche die grosse Bandbreite von Anja Bolligers Gesangstalent zum Vorschein bringen - bei dem hymnenhaften «Bed of Ivory» lassen sich gar opernhafte Züge erkennen. Es ist zweifelsfrei ein überaus gelungener Einstieg in den Abend.