Würenlos
Durch das Emma-Kunz-Zentrum in Würenlos ist kein Durchkommen mehr

Das Emma-Kunz-Zentrum im Steinbruchareal liegt auf Privatland und ist kein Durchgang für Spaziergänger. Wer die Verbotstafelmissachtet, wird gebüsst. Daran ändert das Zentrum auch nach Gesprächen mit der Gemeinde Würenlos nichts.

Dieter Minder
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Eine Verbotstafel, eine Tafel mit richterlichem Beschluss, eine Mauer und ein geschlossenes Drehkreuz: Hier ist kein Durchkommen.DM

Eine Verbotstafel, eine Tafel mit richterlichem Beschluss, eine Mauer und ein geschlossenes Drehkreuz: Hier ist kein Durchkommen.DM

«Wir öffnen das Drehkreuz nur für unsere Besucher, für andere Leute ist es kein Durchgang», sagt Anton C. Meier vom Emma-Kunz-Zentrum Würenlos. Das Drehkreuz steht am Ende der Florastrasse an der Grenze zum Emma-Kunz-Zentrum.

«Wenn Leute reklamieren, weil das Drehkreuz geschlossen ist, können sie nicht lesen, denn dort steht auch eine Verbotstafel.» Einer, der den Durchgang früher benutzte, war Heinz Haller aus Würenlos.

Als er vor dem geschlossenen Drehkreuz stand und darauf öffentlich sein Unverständnis darüber äusserte, trug ihm dies einen eingeschriebenen Brief von Meier ein. Unter anderem drohte ihm dieser mit einer Verzeigung, wenn er das Verbot künftig ignoriere.

Privatland ohne Durchgangsrecht

«Das Emma-Kunz-Zentrum ist Privatland, es besteht kein öffentlicher Durchgang», erläutert Anton Meier die Situation. Das stehe auch auf der Tafel mit dem richterlichen Verbot:

«Wer sich nicht daran hält, wird mit 2000 Franken gebüsst.» Das Verbotsschild ist nur von der Florastrasse her ersichtlich. Wer von Wettingen kommend, beim Kreisel den Weg über die Steinbruchstrasse einschlägt, um nach Würenlos zu gehen, kann unerwartet vor dem geschlossenen Drehkreuz stehen.

Beim Kreisel macht keine Tafel auf das möglicherweise geschlossene Drehkreuz aufmerksam. «Oft wurden unsere Anlagen von Velo- und Motorfahrern beschädigt», begründet Meier die Einschränkung.

Deshalb habe er zuerst ein Tor und später ein Drehkreuz installiert und ein richterliches Verbot installiert. «Wir öffnen es nur, wenn wir Gäste erwarten, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommen.»

Über die Florastrasse führt der direkteste Fussweg zu Bushaltestellen und Bahnhof. Damit entfällt der Durchgang für Spaziergänger. Ganz sicher geschlossen ist das Drehkreuz an Sonn- und Feiertagen, dann hat das Emma-Kunz-Zentrum geschlossen.

Rettungsaktion der Gemeinde

«Die Gemeinde hat mehrmals mit Meier über ein öffentliches Durchgangsrecht verhandelt», teilt Gemeindeschreiber Daniel Huggler auf Anfrage mit. Meier habe ein Fusswegrecht aber stets abgelehnt.

Von Oktober 2000 bis Oktober 2005 war die Gemeinde Eigentümerin des Areals gewesen, Meier hatte es während dieser Zeit von ihr gepachtet.

Sie hatte das Steinbruchareal für 2,5 Millionen Franken gekauft, um Meier finanziell zu unterstützten. «Die Gemeinde wollte damit das kulturell wertvolle Ensemble mit dem Emma-Kunz-Zentrum vor fragwürdigen Personengruppen retten», teilt Huggler weiter mit.

2005 erwarb Meier das Grundstück wieder von der Gemeinde für 2,14 Millionen Franken. Im Gegenzug erhielten die Einwohner- und Ortsbürgergemeinde einige Parzellen.

Beim Rückkauf war das Durchgangsrecht kein Thema gewesen. «Der Durchgang hat mit der Gemeinde nichts zu tun», begründet Meier sein Verhalten. Zudem habe er der Gemeinde das Land für den Wendeplatz Florastrasse geschenkt.

Erst später hat Meier die Durchgangsmöglichkeit eingeschränkt und schliesslich ganz verboten. Einen Rechtstitel, um das Drehkreuz wieder zu öffnen, hat die Gemeinde nicht.

«Allein dadurch, dass das Betreten eine Zeit lang geduldet wurde, entsteht noch kein Rechtsanspruch oder ein Gewohnheitsrecht», teilt Huggler im Auftrag des Gemeinderates mit.