Baden
Durch das Wasser wurde Dimitri beweglicher

Durch eine Wassertherapie und viel Engagement der Mutter hat der 8-Jährige mit Cerebralparese gehen gelernt.

Carolin Frei
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Dimitri schwimmt. Er hat im Wasser gelernt, sich selbstbewusst und mit der Schwimmhilfe «Nudel» selbstständig fortzubewegen. Und dies, obwohl der 8-Jährige unter Cerebralparese leidet – einer Schädigung des frühkindlichen Hirns, welche dazu führt, dass sich die Muskeln nicht mehr richtig koordinieren lassen. «Wie sehr Dimitri das Schwimmen behagt, kommuniziert er nonverbal, weil er nicht sprechen kann», sagt seine Mutter Petra Nünlist. Die neunköpfige Familie aus Küttigen hat damit eine Freizeitbeschäftigung gefunden, der alle Mitglieder gerne frönen. «Es ist das Einzige, was wir gemeinsam machen können», betont die Mutter von vier erwachsenen und drei kleinen Kindern.

Spezielle Wassertherapie half

Schwimmen gelernt hat Dimitri dank einer speziellen Wassertherapie, die sich Halliwick nennt. Die Methode ist über 100 Jahre alt. Menschen mit Bewegungsschwierigkeiten können sich dadurch freier bewegen. Halliwick eignet sich für fast alle Behinderungen für Kinder ab 3 Jahren. Dimitri konnte damit schon als 2-Jähriger beginnen. «Er hatte sofort den Plausch – wir als Eltern weniger. Es ist gewöhnungsbedürftig, in ein Becken zu steigen, in das die Kinder immer wieder geifern. Erst dachten wir, das packen wir nicht. Doch die Freude, die wir bei Dimitri spürten, liess uns über den Schatten springen», erinnert sich die Mutter.

Die Familie ist überzeugt, dass sich Dimitri dank der Wassertherapie motorisch besser entwickeln konnte. «Ich hatte zudem eine Perle von Heilpädagogin.» Denn es reiche nicht, wenn man nur eine Stunde pro Woche mit einem Therapeuten übe, man müsse das Gelernte in den Alltag integrieren. Und so kam es, dass Petra Nünlist mit ihrem Sohn auch regelmässig ins Fitnessstudio ging und ihm dort auf dem Laufband die Technik des Gehens beibrachte. «Seit zwei Jahren kann er es nun. Treppen steigen hat er in der Reha-Klinik in Affoltern am Albis gelernt. Diese Klinik verfügt auch über einen genialen Spielplatz, der den Bedürfnissen von Dimitri gerecht wurde», sagt sie.

Gehen üben im Altersheim Golatti

Das Altersheim Golatti in der Aarauer Altstadt liebt Dimitri über alles. Es war die Idee der Mutter, dass er dort auf den langen Gängen mit Handläufen die Geh-Technik verfestigen könnte. Er war ungewöhnlicher, aber ein gern gesehener Gast, sowohl bei der Heimleitung als auch bei den Bewohnern. Er durfte sogar Gehhilfen ausprobieren. «Wenn Dimitri mit dem Rollator unterwegs war, hat das allen Spass gemacht», erzählt Petra Nünlist. Im «Golatti» habe sich niemand an seinem auffälligen Verhalten gestört. «Das öffentliche Altersheim-Restaurant haben wir genutzt, um Dimitri fast selbstständig essen zu lassen. Dass da vieles nicht auf dem Teller blieb, fiel nicht unangenehm auf.»

Stösst die Mutter nie an ihre Grenzen? «Ich komme an meine Grenzen», sagt sie. «Aber zum Glück spielen die 6-jährige Salômé und ihre
3-jährige Schwester Johanna gerne und häufig mit Dimitri, was mich immer wieder für eine kurze Zeit entlastet.» Zudem besuche Dimitri die Heilpädagogische Schule in Frick. Der älteste Sohn Ramon, der bereits ausgezogen ist, unternimmt häufig kleinere Ausflüge mit ihm. Auch die anderen Geschwister helfen.

Hilfe möchte das Ehepaar Nünlist auch anderen anbieten. Petra und ihr Mann André besuchen diese Woche einen Ausbildungskurs in Halliwick. «Damit wollen wir etwas weitergeben, was wir selber bekommen haben», sagt die Mutter.

Wer als Schwimmhilfe für Kinder wie Dimitri tätig sein möchte, kann sich unter 056 622 99 29 oder via Mail bei der Organisatorin der Halliwick-Kurse melden: maria@m-kueng.ch. Schwimmorte sind das zeka in Aarau und die RehaClinic in Baden. Infos unter www.cerebral-ag.ch

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