Baden
Durchbruch im Bäderquartier: Botta-Bad soll im Herbst 2018 öffnen

Nach harziger Phase sind alle Bäder-Projekte bewilligungsfähig – auch, weil der Vizeammann vom Stadtammann den Lead übernahm.

Roman HUber und Martin Rupf
Drucken
Teilen
Die Bauherrschaft rechnet mit Zweieinhalb Jahren Bauzeit. Losgehen soll es 2016.

Die Bauherrschaft rechnet mit Zweieinhalb Jahren Bauzeit. Losgehen soll es 2016.

Zur Verfügung gestellt

Was wo geplant und wann realisiert wird

Die Verenahof AG, an der die Gesundheitsstiftung Bad Zurzach+Baden beteiligt ist, tritt als Bauherr und Investor. Die Fremdfinanzierung (zwei Drittel) stellt ein Bankensyndikat unter Führung der UBS sicher. Die gesamten Investitionen lassen sich laut Benno Zehnder, Verenahof AG, erst seriös beziffern, wenn die Kosten genau gerechnet worden sind. Man geht von 180 bis 200 Millionen Franken aus, wobei allein der Grundstückswert mit rund 30 Millionen Franken beziffert wird

– Die Gesundheitsstiftung wird als Betreiberin und Mieterin auftreten, und zwar mit drei Betreibergesellschaften: RehaClinic (Klinik und Gesundheitshotel), ThermalBaden AG (Thermalbad, Sauna, Wellness), ThermalPark AG (Parkhaus).

– Reha-Klinik («Bären» und «Ochsen» und Gesundheitshotel («Verenahof») werden zusammen gegen 80 Betten aufweisen. Das Hotel ist im «Verenahof» vorgesehen, weil wegen der denkmalschützerischen Vorgaben der erneuerte Bau nicht ganz barrierenfrei (behindertengerecht) werden kann.

– Das Wohn- und Ärztehaus wird 37/38 Wohnungen (voraussichtlich im Eigentum) aufweisen, die einen guten, aber nicht luxuriösen Ausbaustandard haben sollen. Das Medizinische Zentrum wird mutmasslich in den Klinik-Bereich einziehen.

– Die Baueingabe ist auf Frühjahr/Sommerbeginn 2014 vorgesehen. Paralelle dazu laufen Detailprojektierung, Kostenberechnung und -optimierung. Läuft alles nach Plan, kann mit dem Baubeginn Anfang 2016 gerechnet werden. Alle Projekte werden nahtlos und soweit möglich parallel realisiert, sodass mit der Baderöffnung im Herbst 2018 alle Arbeiten möglichst abgeschlossen sind. (-rr-)

Jetzt das Baubewilligungsverfahren

Dennoch wird es Frühjahr oder Sommer 2015 werden, bis man das Baugesuch für alle Bäderprojekte einreichen kann. Laut Benno Zehnder, Präsident der Verenahof AG, und Stefan Güntensperger, Direktor der Gesundheitsstiftung Bad Zurzach+Baden, sollen alle Vorhaben auf einen Schlag realisiert werden. Das heisst, dass nach zweieinhalb Jahren Bauzeit im Herbst 2018 das neue Thermalbad, die Reha-Klinik, das Gesundheitshotel und das Wohn- und Ärztehaus in Betrieb gehen beziehungsweise bezogen werden können.

Was zu Beginn am meisten zu diskutieren gab – Botta-Bad (Baufeld 1) und Wohn-Ärztehaus (Baufeld 2) – ist bereinigt und quasi vom Tisch. Für beide Projekte liegt ausserdem ein rechtskräftiger Gestaltungsplan vor. «Da können keine Änderungen an der Kubatur mehr verlangt werden», erklärt Benno Zehnder.

«Verenahof» Pièce de Résistance

Probleme mit der Baubehörde zeichneten sich allerdings beim Verenahof-Geviert (Baufeld 3) ab. Während im Einvernehmen mit der Denkmalpflege der «Bären» ganz und der «Ochsen» bis und mit erstem Stock abgerissen werden kann, formulierte die kantonale Denkmalpflege für den «Verenahof» schon vor über fünf Jahren klare Vorgaben. Es ging um den Erhalt der Fassade, der beiden Lichthöfe und des grossen Saals. «Wir haben zusammen mit der Denkmalpflege einen Weg gefunden.»

Doch dann kam ein strittiger Punkt ins Spiel, der die Vorgaben der Denkmalpflege anritzte und zudem mit dem Schutz der historischen Dachlandschaft im Bäderquartier (gemäss revidierter Bau- und Nutzungsordnung der Stadt Baden) nicht mehr vereinbar war: die Botta-Kuppel. Stararchitekt Mario Botta wollte mit diesem für ihn typischen sakralen Element ein architektonisches Markenzeichen neben die Lichthöfe auf das Dach des «Verenahofs» setzen. Nicht nur dies: Damit wurden weitere Nutzflächen gewonnen.

Im September 2013 brachte die Stadt Baden ihre Einwände gegen Bottas Verenahof-Projekt auf den Tisch. Die Kuppel widerspreche den Vorschriften über die Dachlandschaft im alten Teil des Bäderquartiers, hiess seitens der Stadt unmissverständlich.

Diese Intervention führte zwischen Stadt und Verenahof AG zu einer längeren Zeit des frostigen Klimas. «Hatten wir zuvor auch die Stadt hinter unserem Projekt, war dort plötzlich nur noch im Konjunktiv die Rede», sagt Zehnder. Damit habe auch keine Planungssicherheit mehr bestanden. Die Entfernung der Kuppel aus den Verenahof-Plänen bedeutet nicht nur architektonisch einen Verlust. Damit geht auch der Raum für drei Zimmer verloren. «Bei einer Auslastung von 80 Prozent über ein ganzes Jahr gerechnet ergibt das schnell Mal eine Umsatzeinbusse von 400 000 Franken», sagt Zehnder. Es stellte sich ein zusätzliches Problem für die Verenahof AG: Der Tessiner Architekt wollte wegen des Eingriffs in sein Projekt als Planungsverantwortlicher zurücktreten. Eine Delegation der Gesundheitsstiftung reiste darum im vergangenen Winter ins Tessin und konnte den Meister umstimmen.

Den Durchbruch erzielt

Nach längerem Seilziehen und endlosen Verhandlungen habe man sich gefunden, sagt Zehnder erleichtert. Mit dem Verzicht auf die Botta-Kuppel und den zusätzlichen Raum reduzierte sich für die Bauherrschaft allerdings die Nutzung. Schliesslich einigte man sich darauf, diese mit einer Aufstockung des «Bären» zu kompensieren.
«Die Gespräche mit Bauvorsteher Markus Schneider waren konstruktiv und wir konnten Lösungen finden, die auch für uns gangbar sind», sagt Zehnder über die Einigung. Seit der Vizeammann den Lead von Geri Müller übernommen hat, sei Tempo in den Prozess gekommen.

Schneider sagt: «Es war tatsächlich zu einem Stillstand gekommen. Doch es ist erfreulich, dass wir mit zwei, drei bilateralen Absprachen die Planung auf realistischem Weg wieder in Gang bringen konnten. Der Bauvorsteher teilt die Meinung Zehnders und ist ebenfalls froh, dass man Botta als Architekt bei der Stange halten konnte. Dem Wunsch nach einem speditiven Bewilligungsverfahren werde man entsprechen, fügt Schneider an. Er rechnet mit sechs Monaten bis zur Bewilligung, sofern das Verfahren nicht durch unverhoffte Einsprachen verzögert werde. Den Zeitplan inklusive Bau und Eröffnungstermin Herbst 2018 erachtet Schneider «immer noch als ehrgeizig».

Auch Denkmalpflege ist an Bord

Als Knackpunkt habe sich der Umgang mit den beiden geschützten Innenhöfen sowie mit der historischen Dachlandschaft erwiesen, erklärt Reto Nussbaumer, Kantonaler Denkmalpfleger. Er findet für das jetzige Projekt lobende Worte: Grundsätzlich kann gesagt werden, dass sich das Projekt aus denkmalpflegerischer Sicht positiv entwickelt hat. Wie es jedoch bei der Baueingabe definitiv aussehen wird, ist uns noch nicht bekannt.» Das Positive sei, dass nun mehr vom Bestehenden erhalten bleibe und der Kegelstumpf wegfalle, fügt Nussbaumer an.

Still ist es um die «IG schöner Baden» geworden. Ob es von dieser Seite Einsprachen geben werde, lasse sich im jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, meint Zehnder. Die Frage stelle sich, ob die IG überhaupt berechtigt wäre, einzusprechen.

Verkehr: Nicht überbewerten

Das zusätzliche Verkehrsaufkommen, das wiederholt thematisiert wurde, dürfe man auf keinen Fall überbewerten. Stefan Güntensperger, Direktor der Gesundheitsstiftung Bad Zurzach und Baden, der künftige Badbetreiber, wischt gemachte Befürchtungen weg: «Von den angestrebten 500 000 Badegästen jährlich rekrutiert sich ein grosser Teil aus Hotel, Klinik, Sauna und Wellness. Wir rechnen mit maximal 350 000 Badegästen von auswärts.» Gemessen an den Frequenzen entspreche das ungefähr denjenigen 30 Prozent, die das Grand Casino nach der Eröffnung der Konkurrenz in Zürich verloren habe. Sowohl Zehnder und ›Güntensperger sind der Ansicht, dass die Öffnung der Schiefen Brücke für Zubringer die Gesamtsituation verbessern würde. Kommentar rechts

Aktuelle Nachrichten