Ennetbaden
«Eat & Meet» – Essen und Freundschaften schliessen zu afrikanischen Rhythmen

Ein Besuch beim Nachtessen der besonderen Art. Das «Eat & Meet» ist nicht einfach nur ein Nachtessen, sondern ein Erlebnis wo Fremde zu Freunden werden.

Philippe Neidhart (Text und Fotos)
Merken
Drucken
Teilen
Essen zu afrikanischen Rhythmen
19 Bilder
Gerardo Kersout kocht kreolische Gerichte aus seiner einstigen Heimat Suriname.
Gerardo Kersout entführt die Gäste in die Welt der kreolischen Küche.
Gerardo bei den letzten Vorbereitungen für das kreolische Nachtessen.
Zwischen den Gängen sorgten Afro-Percussion für musikalische Unterhaltung
Schnell lernt man beim 'Eat&Meet' sein Gegenüber kennen.
Willi Hauenstein sitzt auf einer ghanaischen Trommel - einer sogenannten 'Gome'.
Übersetzerin Danielle Zogg half bei allfälligen Sprachproblemen mit den Asylsuchenden.
Gastgeberin Katharina Barandun erklärt den Ablauf des Abends.
Mit Trommeln und Gesang brachte Afro-Percussion einen afrikanischen Vibe ans 'Eat&Meet'.
Es herrscht eine ausgelassene Stimmung am 'Eat&Meet' in Ennetbaden.
Die Tische sind bereits gedeckt, als die ersten Leute eintreffen.
Farhad Ala war in seiner Heimat Aleppo als Fotograf und Kameramann tätig.
Am 'Eat&Meet' kommt man schnell miteinander ins Gespräch.
Als Hauptgang gab es an diesem Abend kreolisches Bami und Hühnchen.
Afro-Percussion brachte ein Stück afrikanischer Lebensfreude ins Wohnzimmer.
Am 'Eat&Meet' kam man als Fremder und verliess die warme Stube als Freund.
Die beiden Gastgeber Katharina Barandun und Gerardo Kersout.
Afro-Percussion sorgte an diesem Abend für musikalische Unterhaltung.

Essen zu afrikanischen Rhythmen

Philippe Neidhart

Als ich kurz nach neunzehn Uhr die Wohnung von Katharina Barandun und Gerardo Kersout betrete, bin ich ein Fremder unter vielen. Beim Verlassen des Hauses einige Stunden später – mit vollem Bauch und vielen neuen Erfahrungen – sind wir Freunde geworden.

Das Licht ist gedimmt, bereits duftet es verführerisch nach exotischen Gewürzen –auf den liebevoll dekorierten und gedeckten Tischen flackern Kerzen. Im Minutentakt öffnet sich die Tür, langsam aber sicher füllt sich die warme Stube. Spontan bilden sich kleine Grüppchen, man stellt sich einander vor und kommt schnell ins Gespräch. Pünktlich um halb acht ist es soweit – Barandun bahnt sich mit einer Klangschale in der Hand ihren Weg durch die Menge und begrüsst ihre Gäste: «Gratulation an alle, die hier sind», freut sich die Gastgeberin, «es hat wieder einmal viele spannende Leute.» Sodann macht sie darauf aufmerksam, dass an diesem Abend auch zwei syrische Flüchtlinge anwesend sind.

Kurze Zeit später finde ich mich an einem der Tische wieder, neben mir hat es sich ein junger Mann mit Dreitagebart und rotem Pullover bequem gemacht. Schnell kommen wir miteinander ins Gespräch: Farhad Ala heisst mein Gegenüber und stammt aus Aleppo. Seit nunmehr sieben Monaten lebt der syrische Kurde in der Schweiz, wie er mir erzählt – erstaunlich, wie gut Farhad bereits Deutsch spricht.

Eine interkulturelle Erfahrung

Als ich wenig später meine Kamera hervornehme, beginnen die Augen von Farhad zu leuchten: «In Syrien arbeitete ich für das Fernsehen und als Fotograf, darf ich?», fragt er und deutet auf den Apparat. Sekunden später geht er von Tisch zu Tisch und porträtiert die Anwesenden – die Freude an der Arbeit steht ihm ins Gesicht geschrieben. Das «Eat & Meet» ist nicht einfach nur ein Nachtessen mit Fremden, sondern ein Erlebnis. So gibt es nach der Vorspeise – einer exotischen und leicht scharfen Suppe – erstmals ein musikalisches Zwischenspiel: «Wir sind Afro-Percussion», stellt sich Willi Hauenstein vor, der an diesem Abend mit seinen fortgeschrittenen Schülern für Unterhaltung sorgt. Wie ich später erfahre, ist er vor einigen Jahren per Zufall zum Trommeln gekommen und mittlerweile Leiter einer Percussionsschule.
Die ghanaischen Rhythmen und der mehrstimmige Gesang bringen innert kürzester Zeit ein Stück afrikanische Lebensfreude direkt ins Wohnzimmer. Einige der Gäste klatschen mit, andere trauen sich gar, in den Gesang einzustimmen. Dann tritt Koch Gerardo vor und präsentiert die Hauptspeise: Bami – natürlich nach kreolischer Art, denn ursprünglich stammt er aus dem südamerikanischen Surinam. Die Nudeln und das Hähnchen duften verführerisch und schmecken ebenso. Kaum ist der letzte Bissen verdrückt, lässt Hauenstein noch einmal seine Trommeln sprechen. Neben der Küche beginnen einige Gäste zu tanzen, immer mehr schliessen sich an. Wie sich herausstellt, ist es ein traditioneller, kurdischer Tanz.

Das «Eat & Meet» verbindet, so tut dies auch die Musik. Es ist die vollkommene Auflösung von Berührungsängsten, die aus den rund dreissig Fremden eine grosse Familie hat werden lassen.