Baden
Edelweiss-Boss entschuldigt sich mit Blumenstrauss bei Rollstuhlfahrerin

Karl Kistler, CEO der Edelweiss Air, hat sich bei Lorena Rojas für die Schikanen durch Mitarbeiter der Airline am Flughafen Teneriffa mit einem Blumenstrauss entschuldigt. Rojas findet Geste zwar nett, ihr Ärger ist aber noch nicht ganz verflogen.

Oliver Baumann
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Lorena Rojas (vorne) nach der Landung am Flughafen Zürich (Archiv)

Lorena Rojas (vorne) nach der Landung am Flughafen Zürich (Archiv)

AZ

Der Fall der Badenerin Lorena Rojas hatte für Aufsehen gesorgt: Die Fluggesellschaft Edelweiss Air erlaubte der 45-Jährigen, die wegen der Krankheit Multiple Sklerose im Rollstuhl sitzt, am vergangenen Samstagabend erst nach langwierigen Diskussionen und - so drückt es Rojas aus – «Schikanen» von Teneriffa zurück in die Schweiz zu fliegen.

Nun hat sich Karl Kistler, CEO von Edelweiss Air, persönlich bei Lorena Rojas entschuldigt. «Ich bin am Montag mit einem Blumenstrauss bei Frau Rojas vorbeigegangen, und habe ihr gesagt, dass mir das alles sehr leidtut», sagt Kistler gegenüber der az.

«Bedauerliches Missverständnis»

Im Zusammenhang mit dem Vorfall in Teneriffa spricht Kistler von einem «bedauerlichen Missverständnis». Denkbar sei etwa, so Kistler, dass es in der auf Englisch geführten Diskussion mit den lokalen Mitarbeitern am Flughafen eine Verwechslung zwischen «Paraplegie» und «Epilepsie» gegeben habe - und Rojas deshalb der Zutritt zum Flugzeug mit Hinweis auf «mögliche Anfälle» anfänglich verweigert wurde.

Die Unklarheiten bezüglich der angeblich fehlenden Begleitperson erklärt sich der Edelweiss-Air-CEO damit, dass Rojas kurzfristig telefonisch nicht erreichbar gewesen sei, weil ihr Handy offenbar nicht funktioniert hat. Und die Sache mit den Bordkarte, die eine Flughafen-Angestellte vor Rojas Augen zerrissen haben soll? «Ich habe keinen Grund an der Darstellung von Frau Rojas zu zweifeln», sagt Kistler.

Airline-CEO: «Das geht nicht»

Unbestritten ist jedenfalls, dass es bei der Abfertigung der Badenerin und ihrer Begleiterin in Teneriffa zu Verzögerungen gekommen war. Kistler räumt ein: «Das geht nicht.» Ob der Vorfall auch personelle Konsequenzen haben wird, liess der Airline-Manager indes offen. «Wo Menschen arbeiten, kann man Fehler nie zu 100 Prozent ausschliessen», sagt er. Bei der Edelweiss Air will man den Vorfall nun detailliert abklären lassen und auch zum Anlass nehmen, die internen Abläufe zu verbessern.

Kistler betont jedoch, dass die Airline bereits heute grossen Wert darauf lege, auch körperlich beeinträchtigten Passagieren die Reise so angenehm wie möglich zu gestalten. «Der Umgang mit Menschen mit Behinderungen», so Kistler, «ist ein Bestandteil bei der Ausbildung unseres Personals.»

Lorena Rojas: Der Ärger ist nicht verflogen

Lorena Rojas selbst sagt, sie habe sich über Kistlers Entschuldigung gefreut, es sei «sehr lieb», dass Kistler persönlich bei ihr vorbeigekommen sei. Doch der Ärger ist dennoch nicht ganz verflogen. Rojas fordert von Kistler eine lückenlose Aufklärung des Falls und Informationen darüber, was in Teneriffa schiefgelaufen ist.

«Es darf nicht sein» sagt sie, «dass Leute, die mit dem falschen Fuss aufgestanden sind, an einem Airline-Schalter arbeiten und dort ihre schlechte Laune an den Kunden auslassen». Eine finanzielle Entschädigung hat Rojas nach eigenen Angaben bislang nicht erhalten.

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