Untersiggenthal
Ehepaar Sommerhalder feiert zehn Jahre Kulturstätte Garnhaus.

Tonia und Ruedi Sommerhalder wollen den Faden im Garnhaus weiterspinnen. Zur Feier des Jahres gibt es eine neue Dauerausstellung und ein ganz besonderes Fest.

Sabina Galbiati (Text und Foto)
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Im Stroppelareal entdecken Besucher nicht nur eine Kulturoase sondern auch ein Naturparadies.
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Am Flügel im Garnhaussaal gibt Tonia Sommerhalder Musikunterricht. Stolz ist sie, weil Dank dem Flügel auch Kammermusik gespielt werden kann.
Die Ausstellung der historischen Druckmaschienen im Untergeschoss des Garnhauses sind gleichzeitig Arbeitsstätte von Ruedi Sommerhalder.
Dieses Urgestein wird bald Teil der Dauerausstellung zur Geschichte der Nahfadenfabrik sein.
Ein bunter Augenschmaus beim Aufgang zum Veranstaltungssaal im Garnhaus.
Auch mit den ganz alten Druckmaschinen lässt sich heute noch Kunst schaffen.
Die alte Kutsche vor dem Garnhaus deutet bereits an, dass man hier in eine vergangene Welt reisen kann.
In dieser Fischtreppe steigen Forellen, Egli, Barben, Schleien und andere Fische Flussaufwärts. Im Hintergrund sieht man die Ateliers der Künstler und Musiker.
Ein lauschiges Plätzchen direkt am Kanal des Stroppelareals.
Berümt dürfte das Stroppelareal auch als Drehort der neuen Staffel "Der Bestatter" sein.
Das Schild gehört zur Kulisse. Es bleibt vorerst hänge. Möglicherweise wird "der Bestatter" wieder hier gedreht.
Auf der Stroppelinsel grassen derzeit Bündner Strahlenziegen. Sie ist eine der Pro Specie Rara Rassen.
Die Bündner Strahlengeissen sind sehr zutraulich. Plötzlich befindet man sich mitten in der Herde.
Der Blick in Richtung Doppelinseln.
Hier wird die Natur fast ganz sich selbst überlassen.
Beim Rundgang auf der Stroppelinsel mit Tonia Sommerhalder entdeckt man ein Naturparadies...
...Doch selbst hier hinterlässt der Mensch seine unschönen Spuhren...
Und auch der Biber setzt seine Unterschrift mit den Zähnen.
Hier haben sich die Biber eine Wasserrutsche gebaut.

Im Stroppelareal entdecken Besucher nicht nur eine Kulturoase sondern auch ein Naturparadies.

Jeden Morgen finden Tonia und Ruedi Sommerhalder eine neue Landschaft vor – und das seit fast 20 Jahren. 1995 richtete der Künstler und Wasserfahrer Ruedi Sommerhalder im ehemaligen Nähfabrik-Quartier der Stroppel AG sein Atelier ein.

Vor zehn Jahren folgte die Eröffnung der Kulturstätte Garnhaus. Weil das Stroppel Areal mitten im Wasserschloss liegt, «ist die Natur ständig im Fluss», sagt er, «so treffe ich jeden Tag eine andere Landschaft an».

Hier, wo Aare, Reuss und Limmat zusammenfliessen, haben Sommerhalders eine Kulturoase geschaffen. Rund 30 Künstler und Musiker arbeiten in ihren Ateliers. Sie nutzen die einzigartige Landschaft als Inspirationsquelle.

Dauerausstellung geplant

Seit zehn Jahren organisieren Sommerhalders Veranstaltungen und Ausstellungen im und ums Garnhaus. In dieser Zeit fanden sie immer wieder die Muse, das Archiv der Stroppel AG und deren Kellerräume zu erforschen. Aus dem gesammelten Material erstellen Sommerhalders nun eine Dauerausstellung.

Anlässe im ersten Halbjahr

Winterklänge am Sonntagnachmittag mit Sänger und Gitarrist Julian Rombach: So, 12. Januar, 15 Uhr.

Sonntags um 11: Markus Bundi Schriftsteller aus Baden liest aus der Novelle «Emilies Schweigen". So, 19. Januar, 11 Uhr.

Die Aare im Sternzeichen der Fische: zwei Filme von Taucher und Unterwasserfilmer Markus Flury. Dazu kocht das Garnhausteam ein Menü mit Fisch vom Feinsten. Sa, 8. März, 19 Uhr.

Rhytm Art 14: Metric Art Ensemble mit Reto Baumann, Luca Borioli, Pit Gutmann und Ueli Kläsi. Minimal Music von Steve Reich, westafrikanische Trommelmusik und eine Komposition des Schweizer Komponisten Martin Schlumpf. Sa, 29. März, 20 Uhr.

Sonntags um 11: Lesung mit Max Dohner, Journalist und Autor Baden. So, 27. April, 11 Uhr.

Tiere im Wasserschloss mit dem Schiff entdecken: Familienexkursion mit Schlauchboot und Roger Welti, Pro Natura Aargau. So, 6. Juli, 14 Uhr.

Die Eröffnung der Dauerausstellung dürfte ein Höhepunkt im Jubiläumsjahr 2014 werden. «Die Dauerausstellung knüpft an jenes Motto an, dass wir vor zehn Jahren fassten: ‹Den Faden weiterspinnen›», sagt Ruedi Sommerhalder.

Inzwischen haben sie sogar den ältesten Werkmeister ausfindig gemacht. «Hans Hilfiker erklärte uns, wozu all die Maschinen gebraucht wurden, die wir in den Kellerwerkstätten gefunden hatten», sagt Sommerhalder. Die Ausstellung soll stellvertretend für die Geschichte der Textilindustrie in der ganzen Region werden.

1864 noch unter dem Namen Zwirnerei Niederster entstand das Stroppel Industrieareal. «Insofern feiern wir auch ein 150-Jahre-Jubiläum», sagt Ruedi Sommerhalder.

Teamwork beginnt beim Zmorgenessen

Ehepaar Sommerhalder ist seit über 40 Jahren ein eingespieltes Team. Kennengelernt haben sich die beiden, als sie Tür an Tür ihre ersten Gehversuche als Primarlehrer im Kappelerhof in Baden machten. «Damals unterrichteten wir noch 40 Schüler im Klassenzimmer», erinnert sich Tonia Sommerhalder.

Als Team halten sie auch den finanziellen Aufwand für Veranstaltungen im Garnhaus so tief wie möglich. «Unsere Sitzungen machen wir beim Morgenessen», sagt sie und lacht. Er fügt hinzu: «Andere Organisationen brauchen für ihre Entscheide ewig lange.» Tonia Sommerhalder kümmert sich um die Administration, während ihr Mann fürs Gestalterische zuständig ist.

«Mit Seminaren, Firmenanlässen und Ähnlichem können wir die kulturellen Veranstaltungen auch quersubventionieren», sagt er. Das gute Teamwork wird in diesem Jahr besonders auf die Probe gestellt: Neben der Dauerausstellung wird es im Herbst ein grosses Jubiläumsfest geben. «Dann wollen wir alle Künstler, Musiker und Autoren einladen, die je im Garnhaus waren.» sagt Tonia Sommerhalder.