Ehrendingen
Nach hitziger Diskussion: Bevölkerung stimmt gegen Austritt aus Gemeindeverband

Der Ehrendinger Gemeinderat wollte auf Ende 2024 aus dem Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (Kesd) Bezirk Baden austreten. Die Idee, ein eigenes Team aufzubauen, stiess an der Gemeindeversammlung aber auf Widerstand.

Manuel Funk
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99 Stimmberechtigte fanden sich trotz erdrückender Hitze in der Turnhalle ein.

99 Stimmberechtigte fanden sich trotz erdrückender Hitze in der Turnhalle ein.

Bild: Manuel Funk

Ventilatoren-Gebrumme und eine erdrückende Hitze begleiteten die Gemeindeversammlung in Ehrendingen. Um 20 Uhr ergriff Frau Gemeindeammann Dorothea Frei (parteilos) das Wort und begrüsste speziell die Jungbürger. Letztere machten aber nur einen sehr kleinen Teil der 99 Anwesenden aus.

Auf der Traktandenliste standen zum einen das Protokoll der letzten Sitzung, der Rechenschaftsbericht sowie die Jahresrechnung 2021. Diese Punkte wurden rasch abgehandelt und ohne Wortmeldungen ad acta gelegt. Zum anderen wurde auch die Kreditabrechnung der Schulraumplanung genehmigt, wobei weniger ausgegeben wurde, als 2011 durch den Globalkredit zugesprochen wurde.

Ebenfalls traktandiert war die Kreditabrechnung für den Beitrag an die Sanierung des Kurtheaters Baden. Ehrendingen beteiligte sich mit 93'000 Franken am Projekt.

War es bis anhin verhalten ruhig, so änderte sich dies beim sechsten Punkt. Da ging es darum, ob Ehrendingen aus dem Gemeindeverband Kinder- und Erwachsenenschutzdienstes (Kesd) des Bezirks Baden per 31. Dezember 2024 austreten sollte. Der Kesd ist für Vorabklärungen bei Gefährdungsmeldungen oder für Beistandschaften aus Mandaten zuständig.

Frau Gemeindeammann Dorothea Frei spricht zu den Stimmberechtigten.

Frau Gemeindeammann Dorothea Frei spricht zu den Stimmberechtigten.

Bild: Manuel Funk

Aus Ehrendingen werden aktuell 51 Beistandschaften betreut, wobei die Kosten für die Gemeinde seit 2018 stetig stiegen. Dorothea Frei nannte einige Austrittsgründe. Der Austausch sei «ungenügend und oft sehr unfreundlich», man habe kaum Mitspracherecht bei Entscheidungen oder Kostenfolgen. Es herrsche eine Unzufriedenheit mit dem Preis-Leistung-Verhältnis, die Arbeitsqualität sei nicht zufriedenstellend und es gäbe eine hohe Fluktuation innerhalb des Kesd.

Deshalb solle man austreten und selbst rund 170 Stellenprozent aufbauen, um kurze Kommunikationswege zu schaffen, kosteneffizienter zu sein, Synergien mit dem Sozialdienst zu nutzen und die Ausgestaltung der Beistandschaften besser zu handhaben. Die Kosten würden sich demnach um 30'000 Franken verringern.

Ehrendingen zu klein für eigenes Team?

Der Antrag stiess auf erheblichen Widerstand. Einige Anwesende zeigten sich besorgt über die aktuell unsichere wirtschaftliche Situation. Sie waren sich nicht sicher, ob man eigenes kompetentes Personal finden würde, um die Aufgaben des Kesd zu übernehmen. Die Mitte-Partei stellte sich dem Vorhaben ebenfalls kritisch entgegen. Ehrendingen sei zu klein, um ein eigenes Team aufzubauen, in Baden habe man ja bereits gut ausgebildetes Personal. Man solle wieder lösungsorientierter mit Baden zusammenarbeiten.

Die Diskussion wurde auch unter dem Gesichtspunkt betrachtet, ob sich Ehrendingen eher Baden oder der Region Surbtal annähern soll. Nach den Wortmeldungen kam es zur Abstimmung. Der Antrag wurde mit 50 Nein- zu 38 Ja-Stimmen abgelehnt.

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