Ehrendingen
Ehrendinger Ammann: «Die Bevölkerung muss keine Angst vor Outlaws haben»

Mehrere Mitglieder des Motorradclubs Outlaws leben in der Gemeinde Ehrendingen – den Hells Angels gefällt das nicht. Gemeindeammann Renato Sinelli beruhigt: Nieman sei negativ aufgefallen. «Die Bevölkerung muss absolut keine Angst haben.»

Corinne Rufli
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Töffwetter herrscht in Ehrendingen nicht. Es regnet und ist kalt. Im Dorf ist nicht viel los. Weder Rocker in Lederkluft noch schwere Motorräder sind in Sichtweite. Von einem Bandenkrieg zwischen den verfeindeten Motorradclubs Hells Angels und Outlaws ist nichts spüren.

«Ich dachte eigentlich, das Thema sei beendet, doch diese Schlägerei im Pub in Baden scheint etwas anderes zu zeigen», sagt Gemeindeammann Renato Sinelli. Er zeigt auf das alte Holzhaus, bei dem im Juni 2010 die Schiesserei zwischen den beiden Motorradclubs stattgefunden hatte.

Outlaws in Ehrendingen

Die Hells Angels sind die führende Motorradgang in der Schweiz. Als die verfeindeten Outlaws im Juni 2010 ihren ersten Ableger in der Schweiz, in Ehrendingen, gründen wollten, kam es zu einem Überfall. Eine über 100 Mann starke Gruppe, darunter Hells Angels, stürmten den Versammlungsort und schlugen Autos und Motorräder zu Schrott. Es fielen auch Schüsse. Laut der Polizei handelte es sich um ein «Machtspiel». Das Club-Lokal wurde danach geschlossen.

Im Sommer 2011 durchsuchte die Polizei zwei Wohnungen von Outlaws in Ehrendingen. Dabei kamen mehrere scharfe Waffen und über tausend Schuss Munition zum Vorschein.

Am letzten Donnerstag kam es im Pickwick-Pub in Baden zu einer Schlägerei, wobei die Hells Angels das Lokal stürmten und auf die Outlaws losgingen. (CrU)

Ob es noch immer eine Niederlassung der Outlaws in Ehrendingen gebe, wisse er nicht. «Ich weiss nur von einem Outlaw, der hier wohnt», sagt Sinelli. Es leben schon Leute, die Motorräder haben, in der Gemeinde. Niemand sei aber bisher unangenehm aufgefallen. «Ich denke nicht, dass es in Ehrendingen noch einmal zu einem Zwischenfall kommt.» Die Bevölkerung müsse absolut keine Angst haben, beschwichtigt Sinelli.

Outlaw-Freund kritisiert Polizei

In einer Bar in Ehrendingen sitzt zufällig eine den Outlaws nahestehende Person. Er, der seinen Namen nicht nennen möchte, trinkt sein Bier und erzählt von seinen Freunden. «Ich kenne mehrere Mitglieder der Outlaws, die in Ehrendingen leben. Das sind zumeist Familienväter, die nichts mit Gewalt am Hut haben.» Sie lieben Hardrock, ihre Motorräder und gute Feste mit Bier und Wurst, sagt er. Er will nicht sagen, auf wieviele Personen er die Outlaws der Region schätzt und auch nicht, wo ihr Clublokal ist.

Es sei aber ruhiger um seine Motorradfreunde geworden nach der Schiesserei. Er sei zum Glück zu spät an die Gründungsversammlung gekommen und sei so während des Überfalls der «Hells» nicht dort gewesen. «Die ‹Hells› spielen sich als Chefs auf», moniert er. «Sie nehmen, was sie wollen.» Dass die Outlaws für eine Clubgründung zuerst die Hells Angels hätten fragen sollen, sei eine Verhöhnung. «Jeder hat doch die Freiheit, einen Club zu gründen.» Was die «Hells» tun, sei «Lausbubenzeugs».

Der Unbekannte in der Bar kritisiert auch das Vorgehen der Polizei: «Die müssen am richtigen Ort suchen und den Hells Angels mehr auf die Finger schauen und nicht die Falschen bedrängen.»

«Hells» wollen Outlaws wegdrängen

«Wir behandeln die Hells Angels und die Outlaws genau gleich», sagt Daniel Meier, Gruppenchef der Stadtpolizei Baden, auf den Vorwurf des Mannes an der Bar angesprochen.
Er bezeichnet diese gewalttätigen Aufeinandertreffen der Bikerclubs als «ein Spiel, das hin und her geht». Die Hells Angels würden alles daran setzen, die Outlaws aus der Schweiz zu verdrängen. «Einen Bandenkrieg wird es aber weder in Baden noch in Ehrendingen geben.» Die Polizei beobachte die Szene schon lange und habe auch Vermutungen, wo sich das Clublokal der Outlaws befinden könne. Es gibt bisher nur einen Ableger der Outlaws in der Schweiz: Die Outlaws Baden. Der nächste Hells-Angels-Club gebe es in Zürich.

Beide Clubs seien ähnlich strukturiert. Meier: «Das Problem vieler Mitglieder ist, dass sie unberechenbar werden, wenn sie sich beleidigt fühlen.»