Berufslehre
Ein Aargauer will die Berufslehre nach Bulgarien exportieren

Ein Fislisbacher Unternehmer will im EU-Land Bulgarien die Berufslehre nach Schweizer Art einführen. Damit sollen die praktischen Fähigkeiten der Handwerker in seiner dortigen Batteriefabrik verbessert werden.

Manuel Bühlmann
Merken
Drucken
Teilen
Um den Nachwuchs an Fachkräften zu sichern, lanciert der Unternehmer in Targovishte (Bulgarien) ein Pilotprojekt (Symbolbild).

Um den Nachwuchs an Fachkräften zu sichern, lanciert der Unternehmer in Targovishte (Bulgarien) ein Pilotprojekt (Symbolbild).

Hanspeter Bärtschi

Die Schweizer Berufslehre geniesst einen guten Ruf – weit über die Landesgrenzen hinaus. Dass dieser auch bis zur bulgarischen Bildungsministerin vorgedrungen ist, das ist für Eugen Peterhans ein Glücksfall. Der Fislisbacher Unternehmer, der seit dreieinhalb Jahren eine Batteriefabrik in der bulgarischen Stadt Targovishte führt, hat grosse Pläne: Im osteuropäischen EU-Staat möchte er die Berufslehre nach Schweizer Vorbild einführen.

Denn obwohl es eine Menge handwerklich talentierte Menschen gibt, finde er nur mit Mühe gute Handwerker, sagt Peterhans. Das Problem: Die Mehrheit der Jugendlichen besucht die Mittelschule, auf die häufig ein Studium folgt. Wer nach dem Schulabschluss direkt in die Arbeitswelt einsteigt, erhält meist nur eine kurze Anlehre. «Die Leute werden ‹on the job› ausgebildet», sagt Peterhans.

Um den Nachwuchs an Fachkräften zu sichern, lanciert er nun in Targovishte ein Pilotprojekt, das mehrjährige Berufslehren ermöglichen soll. Mechaniker, Automatiker, Spengler, Maurer – mögliche Ausbildungsberufe gibt es genug. Welche es sein werden, ist zurzeit noch offen. Bevor es losgehen kann, muss zuerst eine rechtliche Hürde beseitigt werden: In Bulgarien darf erst ab 18 Jahren gearbeitet werden. Auch deshalb ist das Projekt auf politische Unterstützung angewiesen.

Einen internationalen Orientierungslaufwettkampf in Targovishte, den seine Firma sponsert, nutzte Peterhans, um für seine Ideen zu werben. Und er fand prominente Zuhörer: Neben lokalen Unternehmern, der bulgarischen Bildungsministerin sowie der Botschafterin der Schweiz und Bulgariens konnte er auch den Bürgermeister der 450 000-Einwohner-Stadt für das Projekt gewinnen.

Dabei half ihm ein langjähriger Bekannter: Ruedi Suter, Rektor der Berufsschule Lenzburg, reiste nach Bulgarien, um zu erklären, wie die jungen Leute im Aargau ausgebildet werden. Mit Film und Fotos habe er den bulgarischen Politikern und Unternehmer gezeigt, wie Schüler ihren Beruf beherrschten, sagt Suter. «Sie waren sehr beeindruckt.» Der Wille zur raschen Umsetzung sei spürbar. «Der Bürgermeister hat uns bereits mögliche Räumlichkeiten für die Berufsschule gezeigt.»

Vom Projekt erhofft sich Suter einen Beitrag zur Lösung zweier drängender Probleme in Bulgarien: die hohe Jugendarbeitslosigkeit und die damit verbundene Abwanderung in den Westen. Die Berufsschule Lenzburg wird die Verantwortlichen bei organisatorischen oder didaktischen Fragen beraten. Womöglich wird schon bald eine bulgarische Delegation nach Lenzburg reisen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Die Einladung jedenfalls hat Suter deponiert.

Wann genau das Pilotprojekt starten kann, ist zurzeit noch unklar. Klar hingegen ist Eugen Peterhans’ Ziel: In ganz Bulgarien sollen künftig Jugendliche eine mehrjährige Berufslehre absolvieren können.