«Eine schöne Stimme, sagt man im arabischen Raum, dringt in den Körper ein und fliesst in die Venen, wodurch das Blut gereinigt werde und das Herz zur Ruhe kommt. Eine komplette Bluttransfusion ist zu erwarten, wenn wir Ihnen gleich zwei Stimmen präsentieren, die gegensätzlicher nicht sein könnten.» So vielversprechend kündigten die Wettinger Kammerkonzerte die beiden Künstlerinnen am Elena Duni und María Christina Kiehr bei «Jazz meets Monteverdi» an.

Das Licht in der Aula im Kloster war am Freitagabend gedämpft. Auf der Bühne standen ein antikes Sofa mit goldener Lehne, ein roter Stuhl und eine alte Stehlampe. Es erschien wie ein Wohnzimmer. Zwei Frauen mit extremen Stimmen füllten den Raum. Zwischen ihnen gab es musikalische Unterschiede: Elena Duni brachte den Jazz auf die Bühne und María Christina Kiehr den Sopran. Die Stimmung aber blieb den ganzen Abend dieselbe: traurig, ruhig und einlullend. Es war ein Konzert für Feinschmecker, die die Kunst des Gesangs zu schätzen wissen. Eingeladen hatten die Wettinger Kammerkonzerte.

Die beiden Künstlerinnen traten nacheinander auf. Trotzdem waren ihre Auftritte nicht völlig unabhängig voneinander. Was sie verband, waren die Themen ihrer vorgetragenen Stücke: Liebe, Weggehen, Stille.

Elina Duni erschien in einem bodenlangen, grünen Kleid und mit knallrot geschminkten Lippen. Sie sang ohne Mikrofon und Begleitung und dennoch füllte ihre Stimme den ganzen Raum aus. Die Sängerin wuchs in Albanien auf, lebt aber seit 1992 in der Schweiz. Sie studierte klassisches Klavier und Jazzgesang und setzt sich mit albanischen Volkslidern auseinander.

Genau diese Einflüsse wurden am Konzert hörbar. Volkstümliche Rhythmen schlichen sich in ihre Jazz-Performance. Duni sang fast alle Lieder auf Albanisch. Wenngleich das Publikum die Texte nicht verstand, gelang es Duni, die Gefühle rüberzubringen. Es tönte alles traurig, aber keinesfalls verzweifelt, sondern eher hoffnungsvoll.

Barockgesang wie im Buche

María Christina Kiehr trat in Schwarz gekleidet auf und sang Stücke von italienischen Komponisten. Darunter war auch Claudio Monteverdi. Sie sorgte für einen krassen Stilbruch. Kiehr sang klassische Stücke. Die Sängerin stammt ursprünglich aus Argentinien, kam aber 1983 nach Europa und bildete sich im Barockgesang weiter und studierte Gesangstechnik. Diese Ausbildungen bekam man während des Auftritts zu spüren. Kiehr verfügt über ein grosses Stimmorgan – präzis und wunderschön. Unterstützt wurde sie von Maria Galassi an der chromatischen Barockharfe – ein schönes Begleitinstrument. Trotzdem hatte die Stimme von Kiehr die Oberhand.