Baden
Ein Anlass, der eigentlich gar keiner ist – Kritik an Kommunikation der Stadt

Am Freitag gastiert eine Roadshow aus Genf in der Stadt. Am offiziellen Teil, hält Stadtammann Geri Müller eine Rede. GLP-Einwohnerrat Sander Mallien kritisiert, dass die Stadt nicht über den Anlass informiert habe.

Martin rupf
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Die Genfer Roadshow tourt durch die Schweiz – und macht auch Halt in Baden.

Die Genfer Roadshow tourt durch die Schweiz – und macht auch Halt in Baden.

Zur Verfügung gestellt

Vor 200 Jahren trat der Kanton Genf der Eidgenossenschaft bei. Um seiner Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen und die Beziehungen zur Deutschschweiz zu verstärken, tourt während zweier Monate eine Roadshow mit Genfer Vertretern durch die Schweiz.

Am Freitag gastiert sie von 10 bis 19 Uhr auf dem Unteren Bahnhofplatz in Baden. Am «offiziellen» Teil des Besuchs wird auch Stadtammann Geri Müller teilnehmen.

Nur per Zufall hat GLP-Einwohnerrat Sander Mallien davon erfahren. Als er sich Ende April bei der Stadtverwaltung über Zeitpunkt und Ort schlaumachen wollte, sei er vertröstet worden, Jacqueline Keller, Leiterin Kommunikation, werde sich melden.

«Dies ist aber nicht geschehen, stattdessen erschien der Anlass plötzlich auf der Website der Stadt Baden in der Rubrik Kulturagenda», sagt Mallien. Spätestens jetzt seien bei ihm Fragen aufgekommen.

In einem Schreiben an seine Parteikollegen, das der Redaktion vorliegt, schreibt er: «Wieso wurde der Termin mutmasslich erst nach meiner Anfrage aufgeschaltet? Wenn es sich um einen ‹offiziellen Anlass› handelt, weshalb wurde nicht informiert? Wer ist zum Apéro eingeladen? Und wieso vertritt Geri Müller offiziell die Stadt und nicht die für das Standortmarketing zuständige Stadträtin Ruth Müri?» Mallien kritisiert: «Einwohnerräte werden fast nie informiert und zu offiziell bezeichneten Anlässen eingeladen.»

Jacqueline Keller nimmt wie folgt Stellung zu den Fragen und zur Kritik: «Seit ich mein Amt vor rund einem Jahr angetreten haben, sorge ich stets dafür, dass auch alle Einwohnerräte und Quartiervereine Mitteilungen des Stadtrats bzw. der Verwaltung an die Medien erhalten.»

Bei der Roadshow sei das aber nicht passiert, was einen einfachen Grund habe. «Wir haben die Organisatoren sogar für einen gemeinsamen Auftritt angefragt. Diese lehnten aber dankend ab, was für uns auch in Ordnung ist.»

Insbesondere hätten sie den Wunsch geäussert, selber die Kommunikation mit den Medien zu übernehmen. «Meines Wissens ist es auch nicht so, dass die Veranstaltung erst nach Malliens Nachfrage aufgeschaltet wurde», so Keller.

Weil nicht die Stadt Baden, sondern der Kanton Genf Gastgeber sei, habe die Stadt auch niemanden zum Apéro eingeladen.

Und weshalb richtet nicht Ruth Müri die Grussadresse an die Genfer Delegation, sondern Geri Müller? «Weil das kein Anlass ist, bei dem wir uns vermarkten; also das Standortmarketing explizit präsent sein müsste», erklärt Keller.

Bei solchen Anlässen sei es vielmehr üblich, dass der Stadtammann ein Grusswort hält. «Stadträtin Müri ist vor allem im Bereich der Wirtschaftskontakte Ansprechpartnerin im Stadtrat zusammen mit Thomas Lütolf, der für fachliche Fragen zum Standortmarketing zuständig ist», präzisiert Keller.

Neben Müller sei die Stadt Baden aber noch mit den Stadträten Markus Schneider (CVP), Roger Huber (FDP) und Daniela Berger (SP) vertreten.

Die ehemalige GLP-Einwohnerrätin Isabelle Wanner – auch bei ihr liess der Anlass einige Fragen aufkommen – stellen die Antworten nicht zufrieden: «Ziel müsste es doch sein, dass wir uns beim Besuch möglichst gut präsentieren und den Genfern nachhaltig in guter Erinnerung bleiben.»

Vor dieser Ausgangslage habe sie aber ein schlechtes Gefühl. «Ich befürchte, wir geben eine ganz schlechte Falle ab», so Wanner. Auch sie könne grundsätzlich nicht verstehen, weshalb bei so viel städtischem Personal so schlecht kommuniziert worden sei.

Genf wollte Zugang zur Tagsatzung

Die Roadshow umfasst insgesamt 45 Tagesetappen in allen Kantonen. Auf jeder Etappe wird in einer Ausstellung die historische Verbindung zwischen Genf und dem besuchten Ort hervorgehoben.

«Mit Baden verknüpfte Genf die Hoffnung auf den Zugang zur Tagsatzung, um sich direkt für seine Unabhängigkeit und seine Sicherheitsbedürfnisse einsetzen zu können», sagt der Medienverantwortliche Mischa Vajda.

«1557 richtete die Stadt Genf eine entsprechende Anfrage an die Tagsatzung und bekam zur Antwort, dass es im Falle einer Bedrohung der Tagsatzung und der ganzen Eidgenossenschaft in der Tat sehr nützlich wäre, Genf zu den eigenen Reihen zählen zu können,» so Vajda.

«Genf besucht die Schweiz in Baden», Freitag, 8. Mai, 10 bis 19 Uhr, Unterer Bahnhofplatz. Offizieller Teil von 12 bis 14 Uhr.

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