Wochenkommentar

Ein Badener Stadtammann mit Probezeit

Markus Schneider (CVP) und Roger Huber (FDP) wollen sich nicht gegenseitig bekämpfen.

Markus Schneider (CVP) und Roger Huber (FDP) wollen sich nicht gegenseitig bekämpfen.

Selbst der Zürcher «Tages-Anzeiger» hat erkannt: «Wer in Baden regiert, ist nicht nur für Baden wichtig.» Das Amt strahlt über die Region hinaus, und es ist oft ein Sprungbrett für höhere Ämter.

Am Sonntag erreichte im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten auch nur annährend das absolute Mehr, und seither beobachtet der ganze Kanton - teils besorgt, teils amüsiert -, was in Baden im Hinblick auf den 2. Wahlgang abgeht: Die Bürgerlichen zerfleischen sich gegenseitig nach allen Regeln der Kunst.

Am Wahlabend verkündete die CVP grossmundig per Communiqué: "Markus Schneider mit grösstem Potential für den zweiten Wahlgang" - obwohl der FDP-Kandidat Roger Huber mehr Stimmen geholt hatte. Die FDP bezeichnete das CVP-Communiqué als "Verzweiflungstat" - und machte den Geheimdeal zwischen FDP-Kandidat Huber und CVP-Kandidat Schneider publik. Die beiden hatten vor dem 1. Wahlgang per Handschlag abgemacht, dass derjenige von ihnen auf den 2. Wahlgang verzichtet, der weniger Stimmen holt - um so einen linken Stadtammann Geri Müller zu verhindern. Dass der Deal publik wurde, erzürnte wiederum die CVP. Der neuste Zwist schliesslich betrifft ein Wahlkampfinserat für FDP-Stadtratskandidat Peter Courvoisier. Ein Markus Schneider nimmt darauf pointiert für ihn Stellung - ohne dass transparent gemacht würde, dass es sich nicht um den CVP-Kandidaten handelt, sondern um einen Namensvetter.

Geri Müller, Grüner Nationalrat, Vizeammann und Kandidat der Linken, schaut dem Treiben genüsslich zu. Er hat keine Eile: Die Frist für die Anmeldug zum 2. Wahlgang dauert bis Mittwoch. Müller muss entscheiden, ob er verzichtet - und damit Markus Schneider zum Stadtammann macht, der in diesem Fall doch gegen Huber antreten dürfte und einen Grossteil der Müller-Stimmen holen würde. Oder ob er gegen Huber antritt, was allgemein erwartet wird.

Ein Duell Müller gegen Huber: Je länger das bürgerliche Hick-Hack dauert, desto mehr steigen Müllers Chancen, weil er sich als rhetorisch beschlagener, souveräner Stadtammann empfehlen kann, der über der Sache steht. Er versucht nun geschickt, sich als eingemitteter, unideologischer Kandidat zu präsentieren. Im "TalkTäglich" auf Tele M1 sagte er gar, eine Differenz zu machen zwischen rot-grün und bürgerlich sei "ein Artefakt" - also ein Kunstgebilde. Mit Verlaub, das ist Augenwischerei: Den Unterschied zwischen bürgerlich und links dominierten Gemeinden hat der Politologe Michael Hermann kürzlich wissenschaftlich berechnet. Die Ausgaben von links regierten Gemeinden sind innert zehn Jahren dreimal so stark gestiegen! Dessen muss sich jeder bewusst sein, der einen linken Stadtammann oder - entscheidender - eine linke Mehrheit in den Stadtrat wählt.

Wer immer am 3. März das Rennen macht: Die starke Aufsplittung der Stimmen im 1. Wahlgang ist auch ein Zeichen dafür, dass keiner der Kandidaten restlos zu überzeugen vermag. Der neue Stadtammann wird das Amt im Wissen antreten, dass er der Wunschkandidat von maximal einem Drittel der Badener ist. Er wird rasch im Amt wachsen müssen. Denn bereits im September stehen die Gesamterneuerungswahlen an. Patzt der neue Stadtammann, könnte es passieren, dass er nach der Probezeit bereits wieder abtreten muss.

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